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»Große Autoren sind für alle da«

Thorsten Ahrend über seine Arbeit als Leiter des »Haus des Buches«

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Seit dem 1. Dezember 2018 ist Thorsten Ahrend der neue Leiter des »Haus des Buches«. Seine Arbeit beim Wallstein Verlag hat er dafür aufgegeben. Im Gespräch erzählt er, wie es dazu kam und was er jetzt vorhat.

kreuzer: Sie haben bereits als Student hier gelebt. Hat Leipzig sich sehr verändert?
Thorsten Ahrend: Leipzig ist eine unheimlich pulsierende Stadt und war auch damals 
schon energiegeladen und inspirierend. Aber ich finde, dass wahnsinnig viel passiert 
ist. Da ich in der Zwischenzeit oft hier war, nicht nur zu den Buchmessen, auch zu 
Veranstaltungen oder privat, ist nicht alles komplett neu für mich. Und es gibt auch eine Menge Leute, zu denen ich Kontakt gehalten habe oder die ich jetzt wieder treffe.

kreuzer: Ist Ihnen der Abschied aus Göttingen schwergefallen?
Ahrend: Ich habe seit 1989 als Lektor für deutsche Literatur gearbeitet, für Reclam und Kiepenheuer in Leipzig, dann lange bei Suhrkamp in Frankfurt und die letzten zwölf Jahre in Göttingen im Wallstein Verlag. Es ist ein Abschied von einer Stadt, von der alltäglichen Verlagsarbeit, von Freunden, aber das liegt ja nicht so fern wie 
Australien. Und einige Autoren im Literaturprogramm, mit denen es sehr lange und 
enge Beziehungen gibt, deren Namen auch in der literarischen Landschaft Klang haben, werde ich weiter lektorieren; das ist ja keine Frage des Ortes. Andererseits:
Vor meiner Verlagsarbeit habe ich in Leipzig auch jahrelang, als Student für eine Reihe in der Moritzbastei, Literaturveranstaltungen organisiert – mit Freunden und Kommilitonen, nicht als Alleinverantwortlicher, nicht dass das jetzt falsch rüberkommt.

kreuzer: Dass die Wahl als Nachfolger von Birgit Peter auf Sie gefallen ist, haben 
viele begrüßt. Warum wurde die Entscheidung bis zu Peters Verabschiedung geheim gehalten?
Ahrend: Ich kann die Frage ehrlich gesagt nicht so ganz verstehen. Entscheidungen 
werden in der Regel, und so gehört es sich auch, dann verkündet, wenn sie getroffen wurden. Man kann doch keine Liste von Bewerbern veröffentlichen und dann sagen: Ätsch, X Y und Z haben die Stelle aber nicht bekommen. Das verlangt vermutlich schon der Datenschutz, aber es wäre auch wirklich ganz offensichtlich unmöglich. Es gab eine Ausschreibung der Stelle im Netz und im Amtsblatt, es wurde eine Findungskommission eingesetzt; die hat die Bewerbungen gesichtet, mehrere Bewerber eingeladen und dann mit dem Vorstand des Kuratoriums Haus des Buches entschieden. Wie viele Bewerber es gab, wie viele dann zum Gespräch eingeladen wurden – das müssten Sie das Kuratorium fragen.

kreuzer: Werden sich mit Ihnen als Leiter Neuerungen und Abwechslung im Programm und bei Kooperationen ergeben?
Ahrend: Ich muss und will das Literaturhaus nicht neu erfinden. Das wäre auch unsinnig. Ich habe großen Respekt vor der Arbeit von Birgit Peter, sie hat tolle Leute hergeholt. Seit der Gründung des Kuratoriums sind dreieinhalbtausend Veranstaltungen gelaufen und jede Menge wunderbarer Kulturprojekte wurden gefördert. Ich glaube, die sogenannte Hochkultur muss sich stärker Gedanken machen, wie der Kontakt zum jüngeren Publikum nicht verloren geht, deshalb will ich versuchen, neue Reihen zu erfinden und unterschiedliche, auch experimentellere Präsentationsformen auszuprobieren. Ich hatte vor ein paar Jahren eine Gastprofessur am Literaturinstitut inne und habe deshalb noch Kontakte, genauso wie zur Uni. Auch zu anderen Institutionen will ich den Kontakt pflegen und ausbauen, denn gemeinsame Projekte können spannend sein – auf Dinge zu kommen, auf die beide Seiten allein nicht gekommen wären und die sie schon gar nicht hätten realisieren können. Ich möchte, dass das Haus des Buches ein Treffpunkt ist für Neugierige jeden Alters, für Familien, Studenten, Arbeitende, Senioren und Schüler. Es ist wichtig, dass die Generationen nicht unter sich bleiben. Das Literaturhaus ist ein Ort zum Reden, zum Sich-Austauschen 
und zum Streiten. Ich bin dafür, Gespräche in Gang zu setzen. Leipzig ist eine wahnsinnig bunte Stadt. Jeder muss zu Wort kommen dürfen – Dissens auszutragen scheint mir wichtig und notwendig. Ich möchte, dass das Haus des Buches ein Ort für interessante Erlebnisse ist, ohne Hürden. Ein Ort, bei dem man das Gefühl hat: Da geh ich gern hin.

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