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Der König von Leipzig ist zurück

Immobilienunternehmer Steffen Göpel und seine GRK bauen wieder

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Medien nannten ihn den König von Leipzig – 2017 hatte sich Steffen Göpel dann öffentlichkeitswirksam aus der Immobilienentwicklung zurückgezogen. Nach kurzer Pause meldet sich der umstrittene Unternehmer jetzt mit einem Bauprojekt am Wilhelm-Leuschner-Platz zurück.

Die Pressemitteilung nennt es »Filetgrundstück«: 5.500 Quadratmeter hat sich das Leipziger Immobilienunternehmen GRK am Wilhelm-Leuschner-Platz zwischen Probsteikirche und Polizeidirektion gesichert. Ab übernächstem Jahr will die Firma dort einen siebengeschossigen Neubaukomplex errichten. Wie das Gebäude am Rand der Innenstadt konkret genutzt werden soll, werde aktuell noch eruiert, teilte GRK-Chef Steffen Göpel am 13. Februar mit. Angesichts der zentralen Lage muss er sich trotz gegenwärtig hoher Preise im Baubereich vermutlich wenig Sorgen machen, zahlungswillige Nutzer zu finden.

Nach durchwachsenen Exkursen in andere Branchen ist Göpel zurück in der Immobilienentwicklung

Bemerkenswert an der Mitteilung ist vor allem, dass sich Steffen Göpel, der von der Tageszeitung Die Welt einst als »König von Leipzig« tituliert wurde, mit seiner GRK nun wieder unter den Leipziger Immobilienentwicklern zurückmeldet. 2017 hatte Göpel das in der GRK-Holding vereinte Bauprojektgeschäft verkauft. Seine früheren Manager Torsten Kracht und Andreas Rühle stehen jetzt an der Spitze der »Instone Real Estate«, die das GRK-Geschäft übernahm. Göpel behielt die Markenrechte an »GRK«.

Der frühere DDR-Rennfahrer Göpel hatte nach der Wiedervereinigung mit der Sanierung von denkmalgeschützten Altbauten ein Vermögen gemacht. Damit hätte er sich zur Ruhe setzen können, stattdessen investierte er in anderen Branchen, wo seine Erfolge eher gemischt ausfielen. Unter anderem stieg er 2015 beim skandalumwitterten Internetunternehmen Unister ein, zoffte sich dann mit dessen Gründer Thomas Wagner vor Gericht. Später bot der heute 53-Jährige bei der Vergabe digitaler Radiosendefrequenzen mit, unterlag aber. Auch hierzu läuft ein Prozess vor Gericht. Nun will Göpel zurück in die Baubranche.

Der umstrittene »König von Leipzig«: Schillernde Persönlichkeit mit besten Beziehungen ins Rathaus

Der Unternehmer gehört zu den schillernden Persönlichkeiten Leipzigs. Seine GRK wurde mehrfach mit dem Hieronymus-Lotter-Preis für denkmalgerechte Sanierung prächtiger Altbauten ausgezeichnet. Die von ihm 2008 ins Leben gerufenen Golf-Charity-Masters liefert jährlich Hochglanz-Fotos für Boulevardmedien. Daneben fallen Spendensummen für wohltätige Zwecke an, die man im armen Leipzig lange Zeit nicht für möglich gehalten hätte. 2012 sammelte das Event bei seinen prominenten Gästen mehr als zwei Millionen Euro ein.

Angeblich ist Göpel enger Freund von Oberbürgermeister Burkhard Jung, dessen Wahlkampf er laut Welt mit Spenden unterstützt haben soll. Von der Stadt wiederum habe Göpels Firma Geld für die Sanierung von Gebäuden erhalten. In dem Beitrag der Springer-Zeitung klingt an, dabei sei nicht alles mit rechten Dingen zugegangen.

Als die Mieten in Leipzig erstmals nach der Wende kräftig stiegen, rückte auch die GRK in die allgemeine Gentrifizierungskritik. Mieter unsanierter Häuser in der Kantstraße werfen dem Unternehmen vor, sie zwecks Luxussanierung vertreiben zu wollen. Bislang ist das offenbar noch nicht gelungen, die Blöcke in der Südvorstadt sind noch immer unsaniert.

Aus Branchenkreisen heißt es, Göpel habe sich vor zwei Jahren gar nicht aus der Projektentwicklung zurückziehen wollen. Jedoch habe er beim Verkauf seiner GRK-Holding unterschrieben, seinem früheren Unternehmen einige Jahre keine Konkurrenz zu machen. Diese Frist scheint nun vorbei.

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