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Bilder einer Ausstellung

Die Leipziger Buchmesse 2019 – in 15 Eindrücken

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Unser :logbuch-Redakteur Benjamin Heine hat sich auf der Buchmesse umgesehen – und 15 Eindrücke zu einem literarischen Fotoalbum zusammengestellt

Mittwochabend

Überraschenderweise beginnt es mit dem Untergang von AMERIKA. Die sieben Buchstaben versinken im Meer, und zwar wie alles Versinkende so langsam, dass man’s zunächst gar nicht merkt. Das Meer befindet sich auf der Leinwand hinter der Kafka Band, die – parallel zur offiziellen Buchmesse-Eröffnung im Gewandhaus – den inoffiziellen Auftakt des Gastlandauftritts Tschechiens in der Schaubühne Lindenfels gibt.

Mittwochnacht

Während junge Menschen furchtbar angestrengt furchtbar Anstrengendes lesen, gestikuliert hinter einer Scheibe, im Innenhof der Moritzbastei, ein Mann wild herum, umarmt sein Gegenüber, feixt mit dem Kopf im Nacken, raucht Pfeife – Clemens Meyer.

Donnerstagmorgen

Vorfreude: Die 99 Flaggen vorn auf dem Messegelände pfeifen im Wind fröhlich vor sich hin.

Drei Minuten später

Der erste Gast im Pressezentrum erhält keinen Luftballon.

Donnerstag, noch später

Abseits all dessen, nur wenige hundert Meter entfernt, strahlt das alte Flughafengebäude in der Frühlingssonne über beide Ohren, durchsichtig übrigens. „Sag mal, war dein Vater Glaser?“ War damals so ein Spruch, aber egal. Wer das noch nicht gesehen hat, war noch nie wirklich auf der Leipziger Messe.

Donnerstagnachmittag

Der Preis geht an die Falschen. Jedenfalls freut sich keiner der Gewinner so richtig.

Freitagmorgen

Die 99 Flaggen sind noch ganz müde, hängen schlapp nach unten und schlafen aus.

Freitagmittag

Von wegen der richtige Preisträger (»Natürlich nicht!«) oder rechte Verlage (»Waren die überhaupt da?«) – das eigentliche Thema, der Skandal dieses Jahrgangs, ist der Wechsel der Messe von Coca auf Pepsi. Vier Tage Messe ohne einen einzigen Schluck Cola! Da steckt doch die Wiener-Melange-Mafia aus Halle 4 dahinter!

Freitag im Allgemeinen

Dirk von Lowtzow. Überall Dirk von Lowtzow! Blaues Sofa, KiWi-Stand, Freitag-Tresen – wo man hingeht, ist er schon da, silberhaarig, der Mann mit dem Vogelhäuschen auf dem Balkon. Gut, Teil einer Jugendbewegung wollte er ja eh nie sein.

Täglich

Auf den grünen Hügeln und am Gewässer zwischen den Messehallen chillaxen junge, bunte Menschen. Alle Farben der Sonne.

Samstagnachmittag

Nach Bier und Weißwurst mit Eckhard Henscheid, Thomas Kapielski und Jürgen Roth am (Vor-) Mittag erst 14 Uhr auf der Messe angekommen. Die 99 Flaggen stehen stramm im Sonnenwind. Im Pressezentrum wird der Cappuccino zu 2 € das »Stück« verkauft, steht auf der Tafel. Alle tun aber so, als ob nichts wäre.

Samstagabend

Der Wind hat sich gedreht, es ist hundekalt geworden, einfach so. Die 99 Flaggen stehen verkehrt herum in der Luft.

Sonntagmittag

Jaroslav Rudiš liest den Anfang von »Winterbergs letzte Reise« im Stehen, aus seinem Buch rieseln zig Merkzettelchen zu Boden, ja, ja, und im Text schäumt daraufhin das Bier über, ja, ja, und die Wildschweine waren Rehe, ja, ja.

Sonntagnachmittag

Spätestens ab 15 Uhr hat die Mangamesse alle Hallen eingenommen – überall nur noch Zombies, die mindestens drei Tage nicht geschlafen, sich ausschließlich von Kaffee, Bier und Zigaretten ernährt haben und nur noch nach Hause wollen. China ist schon unterwegs.

Sonntagabend

Als endlich alle gehen dürfen, wedeln die 99 Flaggen übermotiviert im Wind. Denken die etwa schon ans nächste Jahr?

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