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Vom Untergang zur Zukunft

Buch und Schau zum 100. Geburtstag des Fotografen Karl Heinz Mai

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Der Fotograf Karl Heinz Mai würde im Februar 2020 seinen 100. Geburtstag feiern. Die Stadtbibliothek ehrt ihn mit einer Ausstellung, der Lehmstedt-Verlag liefert das passende Buch dazu.

Kinder in Lumpen gehüllt schauen mit leerem Blick in die Kamera, weiße Wäsche weht auf einem Trümmerberg, emsiges Messegeschehen zeigt die DDR-Moderne: die Schwarz-Weiß-Aufnahmen von Karl Heinz Mai zeigen Leipzig nach der Kapitulation bis in die beginnenden sechziger Jahre und halten dabei viel Stadt- und vor allem Alltagsgeschichte fest. Geboren 1920 in Leipzig, lernte er an der Berufsschule für Kaufleute, 1939 erfolgte die Einberufung zum Wehrdienst. Als Frontsoldat verlor er beide Beine und bewegte sich seitdem in einem dreirädrigen Rollstuhl durch die Stadt.

Mit seiner Voigtländer Kleinbildkamera dokumentierte Mai die Heimkehr von Soldaten, die Ruinenlandschaften und das Leben darin. Anlässlich seines 100. Geburtstages zeigt die Stadtbibliothek eine Ausstellung und der Lehmstedt-Verlag liefert ein Buch mit mehr als 140 Fotografien dazu. Es zeigt Leipzig als zerstörte Stadt, das Leben in Trümmern, die Kindheit nach dem Krieg, den Verkehr oder die verlorene Stadt. Kurz: Von der sogenannten Stunde Null bis zum Alltag in der sozialistischen Gesellschaft der sechziger Jahre immer aus der Perspektive des Rollstuhlfahrenden. Mai starb 1964.

1980 wurde erstmals eine Ausstellung mit seinen Fotografien organisiert und sechs Jahre später folgte die erste Publikation. Dass es immer noch viel Neues zu entdecken gibt, zeigen Schau und Buch ganz vortrefflich.

> Karl Heinz Mai, »Reporter auf drei Rädern – zum 100. Geburtstag«: 21.11.–29.2.2020,
Stadtbibliothek Leipzig

> Karl Heinz Mai: Reporter auf drei Rädern. Fotografien 1945–64. Leipzig: Lehmstedt Verlag 2019. 160 S., 24 €

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