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Das Letzte

Die Kinostarts der Woche im Überblick

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Die kreuzer-Kinoredaktion wünscht eine schöne letzte Filmwoche und viele spannende Kinostarts im neuen Jahr!

Film der Woche: Ein Wald an der Steilküste außerhalb von Rio de Janeiro. Euridice (Carol Duarte) folgt Guida (Julia Stockler) den Hang hinauf, verliert sie aus den Augen. Der Ruf nach der Schwester wird Sinnbild für die Geschichte, die sich in den folgenden, mitreißenden zwei Stunden entfaltet. Es sind die 1950er in Rio. Die Schwestern sind grundverschieden, aber dennoch eng verbunden. Die 18-jährige Euridice träumt von einer Karriere als Pianistin in Europa, während ihre zwei Jahre ältere Schwester Guida den Männern hinterherschaut. Als sie mit einem griechischen Matrosen durchbrennt, kommt es zu einem Zerwürfnis zwischen ihr und den Eltern. Für die Geschwister beginnt eine Suche nach einander, die viele Jahrzehnte umspannen wird. In sinnlichen Bildern adaptierte der in Berlin lebende Regisseur Karim Aïnouz (»Zentralflughafen THF«) den Roman »Das unsichtbare Leben der Euridice Gusmão« von Martha Batalha. Geschickt führt er durch die Epochen seiner Heimat. Die politischen Veränderungen spiegeln sich in dem Melodram einer verpassten Liebe zwischen zwei Freigeistern, die sich von den Fesseln des Patriarchats lösen und ihre Träume verwirklichen wollen. Aïnouz erlaubte sich einige Freiheiten gegenüber der Vorlage, verdichtete die Geschichte für die Leinwand und fuhr den schwarzen Humor zurück, zugunsten der Melodramatik. So fiebert und leidet man 140 Minuten lang mit den Schwestern Gusmão und schwelgt in den sinnlichen Bildern von Hélène Louvart (»Glücklich wie Lazzaro«). Bei den Filmfestspielen in Cannes gewann Regisseur Karim Aïnouz für »Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão« in diesem Jahr den «Prix Un Certain Regard«, den wichtigsten Preis der Nebensektion, und kann sich nun Hoffnungen auf einen Oscar machen.
> »Die Sehnsucht der Schwestern Gusmão«: ab 26.12., Passage Kinos

Ein Auto, ein Fahrer, eine hysterische Schwerverletzte auf dem Rücksitz und dann ein Unfall, der sie direkt in die Arme eines Passanten befördert – ein Auftakt nach Sabu-Maß. In einer einzigen, rasanten Szene öffnet sich ein Füllhorn an Geschichten, die allesamt zu diesem einen Punkt geführt haben. Da ist der frisch aus dem Knast entlassene Tetsuo, der eine Rechnung mit einer Gruppe Gangster offen hat. Für Schlagersänger Hiroshi beginnt der Albtraum, als er seinem größten Fan begegnet. Der gutmütige Takeru wiederum will lediglich drei gute Taten pro Tag voll- bringen, um seine Freundin aus dem Koma zu erwecken. Sie alle sind Figuren in einem aberwitzigen Spiel. Meister Sabu spielt Gott und hält die Fäden des Schicksals in seiner Hand. Dass er es versteht, die Strippen zu ziehen, hat er in der Vergangenheit mit Filmen wie »Drive« oder »Monday« bewiesen. Zwischen den rasanten Verfolgungsjagden und den Eruptionen der Gewalt geben aber vor allem ruhige, ausgedehnte Szenen den Ton an. Das irritiert bewusst, ebenso wie der disharmonische Freejazz-Score. Sabu bewegt sich auf vertrautem Terrain, erfindet sich nicht neu, würfelt aber virtuos Elemente aus »Misery«, »Old Boy« und der Samuraiserie »Lone Wolf And Cub« mit japanischer Popkultur durcheinander. Heraus kommt ein waschechter Sabu – ein knallharter Gangsterthriller mit einem großen Schuss menschlicher Komödie.
> »Jam«: ab 26.12., Luru Kino in der Spinnerei

Anfang der Dreißiger Jahre ist Louis Buñuel in seiner Wahlheimat Paris gefeiert und gehasst gleichermaßen. Mit »Das Goldene Zeitalter« und »Ein andalusischer Hund« ließ er in kurzer Folge zwei filmische Experimente auf die Menschheit los, die sie verwirrte und entsetzte. Vor allem legte er sich mit dem Vatikan an und die Folge war vernichtend: Niemand will seine Kunst weiter finanzieren. Er flieht in seine spanische Heimat, zu seinem alten Freund Ramón und entwickelt ein neues Projekt: Er will die Bewohner der vergessenen Region Las Hurdes auf Zelluloid bannen. In einer durchzechten Nacht schmieden die Freunde einen Pakt: Sollte Ramón im Lotto gewinnen, finanziert er Louis‘ nächsten Film. Tatsächlich holt Ramón den Jackpot und die Dreharbeiten zu »Land ohne Brot« können beginnen. Konfrontiert mit der bitteren Armut reflektiert Buñuel in seinem ersten Dokumentarfilm über den Reichtum des Westens. Gleichzeitig wird er immer wieder von seinen Albträumen eingeholt, der schwierigen Beziehung zu seinem Vater und der unerklärlichen Angst vor Hühnern. Er bewegt sich durch eine surreale Welt, die nur der Animationsfilm einfangen kann. Regisseur Salvador Simó setzt sie um in überbordende Bilder, die Buñuels Werke mit den Visionen seines Zeitgenossen Salvador Dali verbinden. Darüber hinaus nimmt einen die Geschichte mit Witz und Wärme ein. Im Herzen steht die Freundschaft zweier Männer, die etwas Bleibendes schufen.
> »Buñuel im Land der Schildkröten«: ab 26.12., Schaubühne Lindenfels, Luru Kino in der Spinnerei

Das Leben der Jeanne d’Arc (1412–1431) war kurz, wurde aber vielfach für die Leinwand adaptiert. Bereits in der Frühzeit des Kinos durch Carl Theodor Dreyer und Robert Bresson. Zuletzt als großes Schlachtenepos von Regisseur Luc Besson. Wenn sich der französische Regie-Exzentriker Bruno Dumont (»Die feine Gesellschaft«) in einem Zweiteiler dem Leben der Märtyrerin widmet, ahnt man schon, dass daraus kein konventionelles Biopic wird. Im ersten Teil erzählt er die Kindheitsjahre der jungen Jeannette, die glaubt von Gott auserwählt zu sein, das Land aus der englischen Besetzung zu führen. Dumont orientiert sich dabei an Charles Peguys Theaterstück und inszeniert »Jeannette« als Musical mit zahlreichen Gesangseinlagen und Heavy Metal. Das ist bestenfalls gewöhnungsbedürftig, mitunter absurd komisch. Wer das etwas andere Historiendrama sucht, kann im Januar weitergucken. Dann kommt der zweite Teil, »Jeanne d’Arc« in die Kinos.
> »Jeannette – Die Kindheit der Jeanne d’Arc«: ab 1.1., Luru Kino in der Spinnerei

Nach Dokumentarfilmen über die Beatles (»Eight Days a Week«) und Jay Z (»Made in America«) widmet sich Hollywood-Regisseur Ron Howard („Apollo 13“) nun dem Leben des Startenors Luciano Pavarotti. Ein zweistündiger Streifzug durch die Karriere, die privaten Höhen und Tiefen, angereichert mit vielen Gesprächen seiner Wegbegleiter und zahlreichen Privatvideos. Kritische Töne sind dabei eher nicht zu hören. Stattdessen wird eine Arie auf das gottgegebene Talent und die große Menschlichkeit des Italieners gesungen. Eine Hymne auf einen außergewöhnlichen Künstler.
> »Pavarotti«: ab 26.12., Passage Kinos

Die kleine Igeldame Latte ist eine stachelige Außenseiterin im Wald, mit der niemand etwas zu tun haben will. Das ändert sich als die Wasservorräte versiegen und sie sich mit dem ängstlichen Eichhörnchenjungen Tjum auf den Weg macht, den Wald zu retten. Die mutige Igelheldin stellt eine angenehme Abwechslung im Zeichentrickfilm dar. Auch wenn sie etwas kratzbürstig ist, bietet sie ein couragiertes Vorbild für kleine Mädchen und Jungs gleichermaßen. Auch hinter der Kamera gibt sich die Adaption des Kinderbuchs von Sebastian Lybeck betont weiblich. Zusammen mit den photorealistischen Bildern ein rundum gelungenes Abenteuer für Kinder.
> »Latte Igel und der magische Wasserstein«: ab 26.12., Passage Kinos

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