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Jung gegen Gemkow

Das Duell der Kandidaten: »Es ist nichts Ideologisches«

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Die Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl Sebastian Gemkow (CDU) und Burkhard Jung (SPD) über die großen Stadtpolitik-Themen, das Conne Island, Kampfsportfreunde, Terror und Verbindungen zur Immobilienwirtschaft

Freitagmorgen, 9 Uhr, Graphisches Viertel: Beinahe lautlos gleitet Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung in einer BMW-Limousine heran, steigt aus dem Fond und eilt zum Interviewtermin im kreuzer. Sebastian Gemkow, sächsischer Wissenschaftsminister, kommt ein paar Minuten später um die Ecke gekurvt – auf einem Damenrad mit Kindersitz, die Kapuze halb über den Kopf gezogen. Hoch die Treppe, oben gibts heißen Kaffee, belegte Brötchen und ein paar Fragen für die beiden aussichtsreichsten Kandidaten der Leipziger Oberbürgermeisterwahl.

kreuzer: Herr Jung, warum wollten Sie vor zweieinhalb Jahren Amt und Stadt verlassen, um Chef des Ostdeutschen Sparkassenverbandes zu werden? Und warum wollen Sie nun doch noch mal antreten?

Burkhard Jung: Immer dieselbe Frage! Es gab im Rahmen der Asyldebatte Respektlosigkeiten ohne Ende bis hin zu massiven Morddrohungen. Die Polizei stand Wache vor meiner Haustür. Irgendwann habe ich mich gefragt, wofür ich das tue. Ich hatte Angst um meine Familie. Dann kam die Bitte, in der kommunalen Sparkassenwelt ein wichtiges Amt zu übernehmen. Aber das hat nicht geklappt und ich muss sagen, im Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Ich weiß, wo mein Platz ist, ich stehe für diese Stadt, und das mit ganzer Kraft. Aber ich glaube, dass man es aus der damaligen Situation sehr wohl verstehen kann.

kreuzer: Hat sich das gelegt mit den Bedrohungen?

Jung: Es ist deutlich weniger geworden. Auch durch eine bessere Sperre im Netz. Ich habe konsequent immer wieder angezeigt, wir haben eine bundesweite Debatte geführt. Und mit ein bisschen Stolz kann ich sagen: Als Städtetagspräsident ist es mir gelungen, das Thema auf die politische Bühne in Deutschland zu bringen. Es ist eine höhere Sensibilisierung da, Polizei und Justiz gehen entschiedener vor. Immer noch nicht genug. Viele ehrenamtlich politisch Tätige haben Ängste. Und je kleiner die Gemeinde, umso größer die Ängste. 

kreuzer: Herr Gemkow, Sie wollen Oberbürgermeister einer liberalen Großstadt werden, haben sich aber in der Vergangenheit vor allem als Law-and-Order-Politiker profiliert. Wie passt das zusammen?

Sebastian Gemkow: Ich finde, das passt ganz gut zusammen. Niemand möchte Opfer von Straftaten werden. Sicherheit und das Empfinden, dass man in einer Stadt friedlich leben kann, sind für jeden wichtig. Und deshalb ist das auch mein politischer Anspruch. Auf der anderen Seite, aber das ist in meinen Augen kein Gegenpol, bin ich ein Freund einer liberalen Großstadt mit ökologischem Anspruch. Mit einem Mobilitätsanspruch, der allen gerecht wird. Auch denjenigen, die Fahrrad fahren, und das sind ja mehr und mehr in unserer Stadt. 

          Verkehr

kreuzer: Herr Gemkow, wenn Sie Oberbürgermeister werden sollten, führen Sie dann das 365-Euro-Ticket ein?

Gemkow: Ich gönne jedem ein günstigeres Ticket. Aber wenn wir tatsächlich wollen, dass zukünftig Menschen aufs Auto verzichten, müssen wir zuerst dafür sorgen, dass das Angebot besser wird. Deswegen steht für mich im Vordergru…

Dieser Text stammt aus dem aktuellen kreuzer-Heft 02/20.

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