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Farewell

Die Kinostarts der Woche im Überblick

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…und was sonst so Filmisches in der Stadt passiert.

Großbritannien geht und die Reihe »Britfilms« unterstreicht noch einmal, was fehlen wird: Aktuelles, junges englischsprachiges Kino geht im Februar wieder auf Tour und macht auch Station in Leipzig. Coming-of-Age ist das große Leitthema der sechs Filme. Ob musikalisch (im Foto: »God help the girl«), nostalgisch (»Mid90s«), romantisch (»Kids in love«) oder zum Nachdenken (»52 Tuesdays«), ob Glasgow, Los Angeles, London oder Adelaide – Heranwachsen ist überall auf der Welt kompliziert, aber auch witzig und wunderbar.

ab 3.2., 9.45 Uhr, Passage Kinos u. a. mit »God help the girl« (GB 2014; OmU) und »Kids in love« (GB 2016; OmU)

Film der Woche: Ricky Turner hat einen Traum. Er möchte aus der kleinen Wohnung raus, in der er mit seiner Frau und den beiden Kindern lebt. Doch die Chancen auf Arbeit stehen schlecht in Newcastle. Die ehemalige Industriestadt ist heruntergekommen. Die großen Jobs gehören längst der Vergangenheit an. Also versucht Turner es bei einem Versandunternehmen, dessen Chef ihm anbietet als Subunternehmer in seine Firma einzusteigen. Ein vergiftetes Angebot. Denn der Begriff verschleiert nur ein Anstellungsverhältnis bei dem der Arbeitgeber die Gewinne einfährt, das Risiko aber komplett auf den Schultern des Arbeitnehmers lastet. Drehbuchautor Paul Laverty ist für die Recherche tief eingestiegen in die Welt der Paketzusteller. Seine Erkenntnisse über eine unbarmherzige Berufswelt und die Folgen, die sie für Männer wie Ricky Turner und seine Familie hat, bringt Ken Loach gewohnt kämpferisch auf die Leinwand. Die Schauspieler sind kaum bekannt, Musik gibt es nur selten und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb entfaltet der Film von der ersten Szene an eine ungeheure Wucht. Gekonnt balancieren Loach und Laverty die schmale Linie zwischen wütender Sozialkritik und kurzen Momenten der Schönheit, die die Zuschauer zum Atmen kommen lassen. Bleibt zu hoffen, dass Ken Loach die Gesundheit behält, weiter zu arbeiten. »Sorry, we missed you« ist der beste Beweis dafür, dass seine Stimme im aktuellen Kino noch immer dringend benötigt wird. Ausführliche Kritik von Josef Braun im aktuellen kreuzer. 

»Sorry, we missed you«: ab 30.1., Passage Kinos

1938 arbeiten der junge Bauer Franz Jägerstätter und seine Frau Franziska hart, sind zutiefst ineinander verliebt und erfreuen sich an der Lebenslust ihrer kleinen Töchter. Doch selbst im abgeschiedenen oberösterreichischen Bergdorf St. Radegund wird immer deutlicher, was im Rest des Landes längst zu sehen ist: Die Nazis erweitern unaufhaltsam ihren Einflussbereich und in Europa beginnt der Zweite Weltkrieg. Mit der Wiedervereinigung mit Deutschland wird 1940 auch Franz – einnehmend gespielt von August Diehl – zur Wehrausbildung einberufen. Für den Katholiken steht Hitlers Kriegstreiberei jedoch in völligem Widerspruch zu seinem Glauben, was dazu führt, dass er den Dienst an der Waffe verweigert – mit fatalen Folgen. Bis 2010 drehte Terrence Malick nur vier Filme in vier Jahrzehnten. Altersmüde kann man den 76-Jährigen aber nicht nennen. Sein neues, inzwischen schon sechstes Spätwerk orientiert sich an Gordon C. Zahns Buch »Er folgte seinem Gewissen. Das einsame Zeugnis des Franz Jägerstätter«. Daran angelehnt entwirft der Ausnahmeregisseur ein gewohnt bildgewaltiges, spirituelles Drama, das mit Hilfe vieler innerer Monologe Einblicke in die pazifistische Weltanschauung des Protagonisten gewährt. Dies, die schwebende Kamera und James Newton Howards Soundtrack sorgen im Genre des historischen und biografischen Films für ein ungewohntes, eindringliches Seh- und Hörerlebnis. Ausführliche Kritik von Peter Hoch im aktuellen kreuzer.

»Ein verborgenes Leben«: ab 30.1., Passage Kinos

Isabelle (Agnès Jaoui) will verbissen die Welt verbessern. Sie kümmert sich um Arznei- und Kleiderspenden und sorgt sich um Migranten, denen sie in einem Kurs die französischen Sprache näher bringt. Ihre eigene Familie bleibt dabei auf der Strecke. Beim Shoppen verdreht ihre Teenager-Tochter nur noch die Augen, wenn Mutti mal wieder die Verkäuferin belehrt. Als auch noch eine deutsche Konkurrentin auf den Plan tritt, fühlt sich Isabelle in ihrem Ehrgeiz gepackt und legt sich noch mehr ins Zeug: Sie setzt sich in den Kopf, den Geflüchteten das Autofahren beizubringen. »Les Bonnes Intentions« (»Die guten Absichten«), wie die französische Sozialkomödie eigentlich heißt, ist in zweierlei Hinsicht der passendere Titel. Zum einen steht er für Isabelle, die liebevoll von der schauspielernden Regisseurin Agnès Jaoui (»Champagner & Macarons«) verkörpert wird. Es steht aber auch für den Film von Gilles Legrand. Ähnlich wie seine Hauptfigur will er mit seinem Film einfach zu viel auf einmal. Am Ende greift die alte Weisheit: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

»Die Kunst der Nächstenliebe«: ab 30.1., Passage Kinos, Schauburg

Weitere Filmtermine der Woche

Das Ding aus einer anderen Welt

John Carpenters Remake des SF-Klassikers aus den fünfziger Jahren ist selbst zum Klassiker der Popkultur geworden. Die Wissenschaftler einer Südpol-Station werden von einem außerirdischen Wesen in immer neuer Gestalt angegriffen und dezimiert. Schon bald ist jeder verdächtig und die Nerven liegen blank. – Polarzeit: Filmexpeditionen

31.1., 21 Uhr, Schaubühne Lindenfels (OmU)

Psy 3: W imie zasad

25 Jahre war Franz Maurer im Gefängnis. Jetzt kehrt er zurück in ein Polen, dass er nicht mehr wiedererkennt und in dem seine alten Prinzipien nichts mehr gelten. – Polnisches Kino im Original

31.1., 18 Uhr, Cineplex (OmeU)

Akiba Pass Festival

Das alljährliche Anime-Festival versammelt viele neue Serienteile beliebter OVAs, aber auch aktuelle Spielfilme wie zum Beispiel Ayumu Watanabes »Children of the Sea« (im Foto), Atsuya Ukis »Cencoroll Connect« oder Masayuki Miyajis »Fuse – Memoirs of the Hunter Girl«. Jeweils sechs Animes laufen in zwei Sälen hintereinander, als Deutschlandpremieren in ihrer japanischen Originalversion, deutsch untertitelt. Mehr Infos zu allen Filmen unter akibapassfestival.de

1.2., 9.30, Cineplex

Der Boxer und der Tod

Der Amateurboxer Jan Komínek wird in einem Konzentrationslager festgehalten und wartet wegen einem missglückten Fluchtversuch auf seine Hinrichtung. Als der Lagerkommandant, ein ehemaliger Preisboxer, von der Box-Vergangenheit des Häftlings erfährt, verschont er ihn, fordert ihn allerdings auf, mit ihm einen Schaukampf durchzuführen. Re-Release der tschechoslowakischen Literaturverfilmung von Peter Solan nach der gleichnamigen Kurzgeschichte des polnischen Schriftstellers Józef Hen.

2.2., 17 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei (OmU)

Russisches Kino

Russisches Kino im Original ohne Untertitel. Diesmal mit der KI-Beziehungskomödie »(Not) Perfect Man« in der eine junge Frau die Funktionsstörung eines Roboters für eine Manifestation seiner Persönlichkeit hält. – Russisches Kino

2.2., 17 Uhr, Cinestar, 17.30, Cineplex (OF)

14 kilómetros

Nur 14 Kilometer beträgt die kürzeste Distanz zwischen Nordafrika und Spanien. Doch trotzdem scheint der Kontinent Europa für afrikanische Emigranten unerreichbar zu sein. Zwei junge Afrikaner machen sich auf den Weg in Richtung Europa. Sie wollen dem Hunger und der Armut für immer entkommen. – Cine Español, mit Einführung

4.2., 20 Uhr, Schaubühne Lindenfels (OmeU)

Burg Sneak

Die Schauburg-Preview. Immer in der Originalsprachfassung mit deutschen Untertiteln (OmU).

5.2., 20 Uhr, Schauburg

Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln

Vier Kapitel im Leben des Schriftstellers Yukio Mishima. Restaurierte Wiederaufführung des vergessenen Klassikers von Paul Schrader.

5.2., 20 Uhr, Ost-Passage Theater (OmU)

Kindheit ohne Namen / Splitter im Kopf – Hafterfahrungen in der DDR

Hafterfahrungen in der DDR im Rahmen der Filmreihe »Zeitgeschichte auf der Leinwand im ehemaligen Stasi-Kinosaal«.

6.2., 19 Uhr, Museum in der »Runden Ecke«

Oscar

Der Film widmet sich dem legendären sowjetischen Künstler Oscar Rabin und den drei Jahrzehnten sowjetischer Geschichte, die ihn geprägt haben. – anschl. Gespräch mit dem Regisseur Alexander Smoljanski, Moderation: Dr. Marina Dmitrieva (Leipzig)

6.2., 18 Uhr, Ariowitsch-Haus

Playland USA

Die USA – Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Filmemacher Benjamin Schindler nimmt sich der Faszination an und widmet sich in seiner Dokumentation jenen Mythen und Mysterien, die seit jeher fest mit den Vereinigten Staaten verbunden sind. In Anwesenheit des Filmteams.

6.2., 19 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei

Die Haut und die Knochen

Knastdrama um die Hierarchie in einem französischen Zuchthaus. – Inhale/Exile, mit Vorfilm und Einführung

7.2., 20 Uhr, Interim der Cinémathèque

Filmriss Filmquiz

Der Vorhang hebt sich, die Titelmusik beginnt, ein Geistesblitz und ihr seid um ein T-Shirt reicher. Ein Auto fährt vor, Bruce Willis steigt aus, ihr wisst Bescheid und die DVD gehört euch. Ihr singt die Bond-Songs unter der Dusche und werft eurem Spiegelbild nen Schwarzenegger-Spruch entgegen, wenn keiner hinhört? Dann seid ihr hier genau richtig! Wir belohnen euer Talent mit Bergen voll Goodies, Merch und Krempel aktueller Kinoproduktionen. Wir feiern Film und schwelgen in Erinnerung an unvergessliche Szenen, Sets und Zeilen. Auf der großen Leinwand, in Technicolor und Dolby Stereoton. Mit André Thätz und Lars Tunçay.

6.2., 20.30 Uhr, Studentenkeller StuK

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