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Editorial 04/20

Das neue Heft ist da!

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An dieser Stelle veröffentlichen wir das Editorial der April-Ausgabe des kreuzer. Chefredakteur Andreas Raabe erzählt, warum in diesem kreuzer vieles anders ist und wie es in Zukunft weitergeht.

Also, eigentlich können wir echt einpacken. Was macht ein Veranstaltungsmagazin, wenn es keine Veranstaltungen mehr gibt? Worüber sollen wir schreiben? Was steht im Veranstaltungskalender? Wer soll jetzt noch Anzeigen schalten? Es scheint, dass der kreuzer sich im Interim neu erfinden muss.

Zunächst einmal haben wir das Heft dünner gemacht, statt der gewohnten 116 oder gar 124 Seiten gibt es im April nur 84. Gestrichen haben wir vor allem im Veranstaltungskalender – der aber trotzdem für jeden Tag einen ganz besonderen Kulturtipp bereithält.

Zwischen 4.000 und 6.000 Veranstaltungstipps sammeln wir jeden Monat in unserem Kalender. Und das sind noch nicht mal alle, die es gibt in Leipzig. 6.000 Kulturveranstaltungen pro Monat – allein diese Zahl zeigt, wie viel jetzt wegfällt und wie viele Menschen direkt betroffen sind. Auf beiden Seiten der Bühnen und Leinwände.

Ich erinnere mich an zwei Momente: Der erste war, als die städtischen Eigenbetriebe verkündeten, dass der Spielbetrieb ab sofort eingestellt wird. Daraufhin hagelte es Absagen, weil nun auch sämtliche kleinen Veranstalter nachzogen. Wenige Tage später folgte das Verbot aller größeren und mittleren Versammlungen. Der zweite Moment war, als klar wurde, dass der Shutdown nicht drei oder vier oder vielleicht sogar fünf Wochen dauern würde – sondern Monate, womöglich ein ganzes Jahr, zumindest, wenn man den gängigen Modellen der Epidemiologen glaubt.

Ich bin kein Experte, aber ich denke nicht, dass die Kinder in diesem Schuljahr noch mal zur Schule gehen werden. Und auch nicht, dass die Theater vor dem Herbst wieder öffnen. Mehrere Monate, vielleicht ein ganzes Jahr ohne Kino, ohne Oper, Konzerte, Ausstellungen, Kneipenund Clubabende, wie soll das gehen? Was sollen die verschiedenen Betriebe tun – den kreuzer eingeschlossen? Man kann in einen Dornröschenschlaf fallen und versuchen, so den Sturm zu überstehen – oder man kann hingehen und was Neues ausprobieren. Welchen Weg wir einschlagen, hängt ganz entscheidend von unseren Ressourcen ab.

Wir werden einen neuen Weg finden müssen, Inhalte von Relevanz zu schaffen. Vielleicht gelingt es, den politischen Teil und den Reporterteil des kreuzer auszubauen – in den Kultur-Ressorts mehr zu berichten, wie die Menschen in Leipzig mit der neuen Situation umgehen. Aber auch das wird schwer, der persönliche Kontakt, das Vor-Ort-Sein ist ein zentrales Element guter Reporterarbeit. Schwierig in Zeiten, in denen Abstand gewahrt werden muss.

Was kann man in dieser Zeit tun mit einem Stadtmagazin, das immer eine Plattform des kulturellen Lebens in Leipzig gewesen ist? Vielleicht kann es selbst mehr Kultur transportieren – ganz direkt mit Kurzgeschichten, Comics, Fotoserien, Poetischem und Experimentellem, mit Schönem und Verrücktem. Mit allem, was geht in Text und Bild.

Wie können wir helfen mit der Plattform und der Öffentlichkeit, die wir haben? Welche Angebote braucht eine Kulturszene in Quarantäne, was erwartet sie von ihrem Stadtmagazin? Wie können wir den kreuzer – und vor allem kreuzer-online – umbauen, um diese Angebote zu schaffen? Und wer kann dabei mithelfen?

Die Zukunft ist unklar. Die Situation macht Angst. Und wer Angst hat, strebt nach Kontrolle. Wissen ist ein Weg, die Kontrolle wiederzuerlangen, darum sind Medien jetzt wichtig. Und es ist wichtig, zu erfahren, wie es den anderen geht und was sie machen. Ein Gefühl von Solidarität, von Zusammenhalt, von Du-bist-nicht-allein schafft Gemeinschaft. Gemeinschaft bringt Sicherheit. Darum: Wir halten zusammen! Mehr gibt es nicht zu sagen.

ANDREAS RAABE

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt werden muss.

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