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Rasender Stillstand bei RB Leipzig

Kolumne: Eine Saison mit Rasenballsport Leipzig

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Im neunten Teil ihrer Kolumne betrachtet das Blogkollektiv Zwangsbeglückt wie RB Leipzig die Krise ganz seriös zu seinen Gunsten bewältigen möchte.

Die Liga liegt darnieder und auch unser Lieblingskonstrukt darf sich derzeit nicht mit anderen Mannschaften im fairen sportlichen Wettbewerb messen. Dafür aber in anderen Disziplinen.

Denn offenkundig hat die Spielpause umgehend verheerende Folgen für die Liga. Von unmittelbar drohenden Konkursen ist die Rede, von Hilfszahlungen – selbst in England und seiner reichsten Liga der Welt wollten Vereine wie Liverpool staatliche Zahlungen annehmen, um ihre Angestellten zu bezahlen. Die Quarantäne offenbart den atemberaubend dünnen Boden, auf dem viele Clubs unterwegs sind; zugleich den schon bewundernswerten Glauben an eine sich immer wieder ins Positive wendende Zukunft. Dass Vereine aufgrund abenteuerlicher Finanzierungen bankrott gingen, das kannte man. Wie abhängig aber im Grunde fast alle vom kontinuierlichen Geschehen in den Stadien und vor allem im Abo-TV sind, wird erst jetzt vollends ersichtlich.

Und RB? Nutzt die Gelegenheit, um sich – einmal mehr – als ganz solide wirtschaftender Verein darzustellen. Die Grundbotschaft: Wir sind wie alle anderen, nur eben viel vernünftiger und nachhaltiger. Keineswegs sei es so, dass man aus Fuschl am See finanziell besonders abgesichert werde, man habe eben nur sehr seriös gearbeitet. Zugleich ist aber auch RB an der Fortsetzung der Liga interessiert, denn auch hier sei man auf die TV-Gelder angewiesen: »Das ist einfache Mathematik«, gab Arithmetik-Guru Oliver Mintzlaff in einer Telefonkonferenz zu Protokoll.
Die Mischung aus Normalisierung und Vertuschung ist wie immer bewundernswert. Denn noch immer ist der Verein mit 150 Millionen Euro verschuldet, vor allem natürlich bei Gebieter Mateschitz selbst. In fast allen Jahren des Aufstiegs wurden Negativbilanzen erwirtschaftet und auf Mateschitz und die Zukunft in der Champions League gesetzt. Das als sonderlich umsichtig auszuweisen, ist amüsant. Zumal eine Fortsetzung des Wettbewerbs in der höchsten europäischen Fußballgeldruckmaschine wie alles andere derzeit in den Sternen steht. Zugleich ist es natürlich eine absurde Vorstellung, dass Red Bull gerade jetzt das Leipziger Schaufenster zumachen würde. Vermutlich wird ohnehin weiter Taurin getrunken wie bisher, aber auch sonst ist mit Sicherheit genug hängengeblieben, um die derzeitige Delle zur Not mit weiteren »Darlehen« auszugleichen – auch wenn, wie jüngst von Forbes verlautbart wurde, der Gebieter auf der Liste der Superreichen auf einen schnöden Platz 57 abgerutscht ist. Insofern werden die Sorgen am Cottaweg ungleich geringer ausfallen als bei anderen Vereinen.

Im Gegenteil scheint man sich bei der Fußballsparte von Red Bull auf veränderte Machtverhältnisse im Fußballmarkt einzustellen. Master-Mastermind Ralf Rangnick besuchte nicht nur seine Eltern in Backnang (ohne Umarmungen, das sei klar), sondern voraussagte schon mal, dass Ablösesummen und Transferaktivitäten im Weltfußball sinken werden – weswegen das nachhaltige Start-Up mit dem österreichischen Festgeldkonto in Zukunft eine noch bessere Adresse für junge Spieler sei.

Aber in Krisen wie jetzt kommen die Menschen natürlich auf die wunderlichsten Ideen. Zum Beispiel darauf, dass »nach Corona« alles ganz anders würde. Und so freuen auch wir uns darauf, dass im kommenden Jahr bei RB die Mitgliedsbeiträge sinken, der Stadionvorplatz eine Tram-Wendeschleife bekommt und Oliver Mintzlaff mit uns zusammen das Finale des Stadtpokals anschaut. Dream on!

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