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»Black Lives Matter« – auch in Leipzig

In Leipzig gingen die Menschen am Wochenende auf die Straße gegen rassistische Polizeigewalt. Wir haben nach ihren Beweggründen gefragt

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Zwei Wochen nach dem Tod von George Floyd in den USA, protestierten in Leipzig tausende Menschen. Unter dem Titel »Black Lives Matter« strömten dabei etwa 15000 Menschen zur Demonstration. Der kreuzer war dabei und hat Stimmen der Protestierenden eingeholt.

»Schwarze Leben zählen«, das war die Nachricht der Teilnehmenden am Wochenende deutschlandweit. Anlass dafür waren die Geschehnisse um George Floyd in der US-amerikanischen Stadt Minneapolis, der nach einem Polizeieinsatz starb: Einer der Polizisten hatte etwa 9 Minuten lang auf Floyds Hals gekniet, auch dann noch, als der Mann bereits bewusstlos war.

In Leipzig forderten die Menschen deshalb mehr Entschlossenheit im Kampf gegen Rassismus und Solidarität mit allen Betroffenen rassistischer Gewalt. Die Demonstration startete vom kleinen Willy-Brandt-Platz gegenüber dem Hauptbahnhof. Dicht an dicht mit Mundschutz drängten sich dabei die Protestierenden durch die Innenstadt, darunter auch viele Black, Indigenous, People of Color (kurz BIPoC). Insgesamt nahmen mehr als 15000 Menschen an den Protesten teil.

In den Redebeiträgen bei der Kundgebung kamen vor allem Menschen mit ihren eigenen Erlebnissen mit Diskriminierung zu Wort. »Es geht nicht nur um heute. Das Schweigen ist vorbei!«, sagte eine Frau, die sich selbst als schwarze Deutsche identifiziert. Später wendet sie sich an die weißen Mitdemonstrierenden: »Das größte Privileg des Weißseins ist es, sich aussuchen zu können, ob man sich mit Rassismus beschäftigt«. Darüber hinaus richteten sich viele Redebeiträge direkt an Polizisten: Immer wieder forderten die Demonstranten eine Auseinandersetzung mit rassistischen Strukturen in der Polizei und die Einrichtung von unabhängigen Kontrollstellen zur Untersuchung von Polizeigewalt.

Welche weiteren Gründe einzelne Demonstrierende haben, verrieten Sie uns gestern auf der Straße:

 

Hafiza, 19 Jahre

HAFIZA: »Ich bin hier für die Rechte der Schwarzen in Amerika und in der ganzen Welt. Rassismus gab es ja schon immer, aber der Tod von George Floyd war jetzt der Punkt, wo alle gesagt haben: Das reicht jetzt, das hat das Fass zum Überlaufen gebracht.«

 

Mauro, 32 Jahre

MAURO: »Ich bin ein ausländischer Mensch in Deutschland und habe verschiedene Erfahrungen mit Diskriminierung gemacht. Hier zu sein, ist ein Weg, um seine Meinung zu äußern. Ich finde das wichtig. Obwohl sich die Situation hier von der in den USA unterscheidet, finde ich, dass es in Deutschland viele Fälle von Diskriminierung gibt.«

 

Jani, 25 Jahre und Madlen, 23 Jahre

JANI: »Wie viele andere haben mich die Proteste und Aktionen um Herrn Floyd in Amerika dazu angeregt, gegen Rassismus und Ausgrenzung in Gesellschaften zu protestieren, Kante zu zeigen und hier zu stehen, um zu zeigen, dass uns das nicht egal ist.«

MADLEN: »Ich glaube, dass Rassismus etwas ist, von dem immer gedacht wird, dass es nur aktiv ausgelebt wird. Aber es ist etwas, das in unserer ganzen Zivilisation verankert ist. Es ist einfach eine Aufgabe, das zu verlernen. Ich kann auch verstehen, in welchen Formen das auftritt. Die sind nicht immer aktiv, sondern auch unterschwellig und dagegen stehe ich ein.«

 

Sylvia, 43 Jahre

SYLVIA: »Weil Black Lives Matter. Ich finde Rassismus ziemlich scheiße und finde es klasse, dass auch in Deutschland dagegen demonstriert wird. Das ist schon immer ein Thema und jetzt gibt es die Gelegenheit dafür auf die Straße zu gehen. Dazu hat man ja nicht jeden Tag die Gelegenheit.«

 

Marvin, 26 Jahre

MARVIN: »Ich bin aus Solidarität mit der weltweiten Protestbewegung hier und um ein Zeichen gegen Polizeigewalt zu setzen.«

 

Franziska, 19 Jahre

FRANZISKA: »Ich finde es super wichtig hier ein Zeichen zu setzen, dass Rassismus einfach gar nicht geht – ich finde, es ist wichtig, sich politisch zu engagieren. Es sollte egal sein, welche Hautfarbe oder Religion: Jeder Mensch ist gleich.«

Noel

NOEL: »Ich lebe in Leipzig. Ich wünsche mir, dass wir mit dem Rassismus in Deutschland fertig werden.«

Lisa, 20 Jahre

LISA: »Es ist super wichtig, dass man Solidarität zeigt und klar macht, dass Rassismus gar nicht geht. Jetzt waren es die aufeinanderfolgenden Momente, mit den Anschlägen um George Floyd. Da ist es wichtig, dass man zeigt, dass man diese Entwicklung nicht will.«

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