Startseite / Stadtleben / Warum ich gefilmt habe

Warum ich gefilmt habe

Unser Autor hat einen Angriff auf einen LVB-Fahrgast gefilmt, was manche nicht gut fanden

Größeres Bild

Ein Ticket-Kontrolleur drückt einem jungen Mann die Luft ab. Ich stehe daneben, schreie und filme – über eine Minute lang. Warum?

Der Mitarbeiter sei mit sofortiger Wirkung vom Dienst freigestellt worden, antworteten die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) dem kreuzer auf Twitter. Es ist die Reaktion auf ein Video, das ich aufgenommen habe und das der kreuzer veröffentlicht hat. Zu sehen ist, wie ein LVB-Kontrolleur einen jungen Mann auf dem Boden im Würgegriff hält – so lange, bis dessen Kopf rot anläuft und seine Bewegungen langsamer werden. »Was die Bilder zeigen, ist für uns nicht akzeptabel«, schreiben die LVB.

Michael Kees

Nicht akzeptabel finden einige auch, dass ich gefilmt habe. »Warum greift da niemand ein?«, fragt einer in den Kommentaren. Mehrere weisen auf das Recht zur Nothilfe hin und dass wir Umstehenden den Kontrolleur mit Gewalt hätten stoppen können. Seit dem Vorfall frage ich mich, ob ich mich richtig verhalten habe – als Privatperson und als Journalist.

Das Zeitgefühl verloren

Als ich mein Video zum ersten Mal anguckte, war das Erschreckendste für mich, dass es über eine Minute dauerte. Eine Minute und 15 Sekunden schaute ich zu und brüllte den Kontrolleur an, ohne dass er seinen Griff lockerte. In meinem Zeitgefühl war alles viel schneller gegangen. Das Video endet, weil ich die 110 anrief. Während ich die Polizei am Hörer hatte, ließ der Kontrolleur den jungen Mann los. Auf seinem Hals sah ich deutliche Druckspuren, aber er konnte wieder Luft holen.

Dass in meiner Wahrnehmung alles sehr schnell vorbei war, ist wohl ein Grund, warum ich den Kontrolleur nicht angegriffen habe. Ich kann nicht sagen, was ich getan hätte, wenn er noch länger zugedrückt hätte. Vielleicht hätte ich ihn attackiert. Während ich da stand, konnte ich spüren, wie meine Hemmungen gegenüber Gewalt immer mehr abnahmen. Trotzdem konnte ich mich nicht überwinden.

Videos sind Beweismaterial

Stattdessen habe ich sofort gefilmt, nachdem ich gesehen hatte, was passiert. Videos sind Beweismaterial und Menschen verhalten sich anders, wenn sie merken, dass sie aufgenommen werden – dachte ich zumindest. Den Kontrolleur schien das nämlich wenig zu beeindrucken, genauso wie die Rufe der Umstehenden, dass der junge Mann keine Luft bekomme. Nachdem ich das realisiert hatte, war ich überfordert und in Panik.

Plötzlich war ich selbst in einer Situation, die ich bisher nur vom Bildschirm kannte. Auch ich habe bei ähnlichen Videos darauf gehofft, dass jemand mehr tut, als zu filmen. Ich habe überlegt, wie ich reagieren würde und ob ich in der Lage wäre, Gewalt anzuwenden. Jetzt kann ich sagen: Der Gedanke war da. Ich dachte darüber nach, wie und wo ich den Kontrolleur treffen müsste, damit er nachgibt.

Dem Opfer nicht schaden

Aber ich hatte auch Angst, dem jungen Mann damit zu schaden. Ich rechnete damit, dass der Kontrolleur noch fester zudrücken würde, wenn er angegriffen wird. Denn genau das tat er, als ein anderer an seinem Arm zerrte. Er hob den Kopf des Mannes kurz vom Boden und drückte ihn Richtung Nacken. Wenn eine erste Attacke keinen Erfolg gehabt hätte, sich der andere Kontrolleur und die Kontrolleurin in den Weg gestellt hätten, hätte das die Lage des Mannes vielleicht noch verschlechtert.

Und überhaupt: Was wäre passiert, wenn ich zugeschlagen hätte, statt zu filmen – wenn es das Video nicht gäbe? Wäre der Kontrolleur weiter ganz normal zur Arbeit gegangen, weil Aussage gegen Aussage stünde? Wem hätten Behörden und LVB geglaubt? Wäre die Nachricht auf den Startseiten überregionaler Medien gelandet oder als kleine Polizeimeldung in der LVZ versandet? Und wäre der Inhalt der Nachricht ein würgender Kontrolleur oder eine Gruppe, die einen Kontrolleur angreift?

Versucht, das Richtige zu tun

Ein Polizist, mit dem wir vor Ort gesprochen haben, verteidigte die Kontrolleure. Sie hätten keinen leichten Job. Wie verhältnismäßig der Kontrolleur gehandelt habe, könne er nicht beurteilen, weil er die Situation nicht gesehen habe und die Vorgeschichte nicht kenne. Dank des Videos können sich alle selbst ein Bild machen. Bei den LVB hat es offensichtlich dazu beigetragen, dass der Kontrolleur suspendiert wurde.

Das ist ein gutes Ergebnis. Ob ich deshalb rückblickend richtig gehandelt habe, kann ich nicht sagen. Je mehr Anschuldigungen kommen, desto mehr zweifle ich daran. Ich bin froh, dass dem jungen Mann nichts Schlimmeres passiert ist und wünsche niemandem, in so eine Lage zu kommen. Zu Hause vorm Bildschirm lässt sich leicht sagen, was wir Umstehenden hätten tun müssen. Dabei haben wir wenigstens versucht, das Richtige zu tun. Die Straßenbahnen waren an dem Abend gut gefüllt. Zum Helfen ausgestiegen sind nur wenige.

Kommentieren

Dein Kommentar

25 Kommentare

  1. Axel Kunz | 18. Juli 2020 | um 15:32 Uhr

    Lieber Herr Klees, Sie haben sehr richtig gehandelt! Indem Sie den Vorfall dokumentiert haben und somit Beweismaterial liefern können, was wirklich geschah. Somit haben m.E. manipulatorische Tatsachenverdrehungen keine Chance mehr. Dass es Kontrolleure bei ihren Jobs nicht leicht haben steht außer Frage, aber jemanden wegen des fehlenden Tickets zu foltern geht absolut nicht. ich denke es hätte, bei drei Kontrolleur-inn-en eine andere Möglichkeit gegeben, den Mann zu bändigen. Aber das sind auch wieder Theorien eines weit entfernten Zuschauers. Sie haben aber auch vollkommen Recht mit der Schilderung Ihrer Gedanken. Auch mir, als, so denke ich, ziemlich friedfertigen Menschen, gehen nur beim Lesen mancher Nachrichten Dinge durch den Kopf, die man sicher nicht tun sollte – um nicht wie Jene zu handeln, die man damit in ihre Schranken zu weisen gedenkt. Der Ruf zur Polizei ist da wohl immer ratsam, obwohl ich persönlich dieser Truppe auch schon lange nicht mehr wirklich traue. Die neuesten Nachrichten z. B. aus Hessen bestätigen dabei Ahnungen, die ich schon vor Jahren hatte und auch immer mal wieder geäußert habe.
    Sie, Herr Klees, haben sich jedenfalls richtig verhalten. Bleiben Sie so bedächtig und abwägend!
    Freundliche Grüße aus dem südlichen Ruhrgebiet. Axel Kunz

  2. Ralf G. | 18. Juli 2020 | um 17:18 Uhr

    Lieber Michael,
    ich finde es sehr gut wie sie gehandelt haben, und ich finde auch sehr gut, dass sie in diesem Artikel ihre Gedankengänge so detailliert darlegen.
    Damit geben sie der Leserschaft und – vor allem auch – den kurzsinnigen Kommentarschreibern (egal welcher Seite zugetan) die Möglichkeit, den Vorfall zu reflektieren sich selber in ihre Lage hinein zu versetzen. Jeder Ruf nach Gewalt befeuert nur die Situation und lenkt vom Eigentlichen ab, der eskalierenden Situation zwischen den Beiden Akteuren.
    Hätten sie womöglich selber eingegriffen, hätten sie sich am Ende selber strafbar gemacht und der Kontrolletti wäre in die Opferrolle gerutscht. Nur ihre Videodokumentation hat es im Nachhinein möglich gemacht, die Schuldfrage halbwegs zu klären. Und darum geht es es auch im Journalismus, darum ist er so wichtig. – Das sei allen denen gesagt, die so gerne gegen die sog. Journallie wettern!
    ps. Wäre die Lage noch weiter eskaliert, ein beherzter Tritt gegen das Schienbein kann helfen

  3. Christian | 18. Juli 2020 | um 18:53 Uhr

    Gut, dass Sie Beweismaterial gesichert haben. Diese Wut und den Wunsch, den Kontrolleur auszuknocken, haben Sie nicht nachgegeben. Das ist gut aber tatsächlich bezogen auf das Leben des jungen Mannes ein Risiko, das kann man gut nachvollziehen. Seien wir froh, dass der Mann überlebt hat. Laut anderer Medien sei ihm bereits Blut aus den Augen gelaufen. War dies so? Konnten Sie mit ihm danach sprechen? Sind Folgeschäden ausgeschlossen? Alles Gute und LG aus Köln.

    • Kreuzer Redaktion | 18. Juli 2020 | um 20:52 Uhr

      Hinweis aus der Redaktion: Dem Opfer ist wohl kein Blut aus den Augen gelaufen. In der Situation sah es für unseren Redakteur zwar so aus, das Blut stellte sich allerdings als Cut an der Nasenwurzel heraus. Wodurch der entstanden war, können wir nur mutmaßen. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, diese Szene nicht zu zeigen. Andere Medien, denen wir Nutzungsrechte des Videos gegeben hatten, haben sich allerdings anders entschieden.

  4. T.F. | 18. Juli 2020 | um 21:46 Uhr

    Nun ja, schauen wir mal. Nicht selten, wenn sich Kommentarspalten und Headlines sehr früh sehr einig waren, ergab sich beim Blick auf’s ganze Bild und ALLE Fakten: Blitzstart-Empörte, kommt runter! Sebnitz, „Fressgass“, Sibylle Lewitscharoff, Silversternacht 19/20 in Connewitz, der erschlagene Wels in Frankfurt, „Stammbaumforschung“.

    Die Kontrolleure der LVB sind in Leipzig bisher eigentlich nicht durch aggressive physische Gewalttätigkeiten aufgefallen. Ihre Schulung beinhaltet mit Sicherheit nicht, die 60€ notfalls aus dem Deliquenten herauszuprügeln, sondern die Balance zwischen souveränem Auftreten, Deeskalation im Interesse des Eigenschutzes und eben auch: Eigenschutz.
    Ein Video von der ersten Hälfte der Ereignisse wäre jedenfalls hilfreich beim Einordnen der 47 geposteten Sekunden.

  5. Manuel | 18. Juli 2020 | um 22:33 Uhr

    Wer das Video von George Floyd gesehen hat, hat auch dort umstehende Menschen betteln gehört von seinem Hals zu steigen. Der Mann ist jetzt tot. Das hat 8 Minuten gedauert.
    In einem Würgegriff ist allerdings auch eine Minute absolut ausreichend irreparable Schäden anzurichten. Sofern dieser richtig ausgeführt wird, das war hier zum Glück nicht der Fall.

  6. H.A.Kühne | 19. Juli 2020 | um 03:01 Uhr

    Egal ob sie oder Zeugen in den USA , alles richtig gemacht, niemand mus sich selbst in Gefahr bringen. Ich bin beunruhigt über die Gewalt und habe farbige Verwandtschaft in dn USA/Oklahoma, nun gleichen sich die Bilder.

  7. BeatePotocnik | 19. Juli 2020 | um 07:17 Uhr

    Es ist sehr wichtig, dass Sie dieses Video gemacht haben. Die Anderen hätten genau so eingreifen können. Als ich das Video sah, habe ich mich schon gewundert, warum nur verbal protestiert wird, was den Kontrolleur völlig kaltließ.
    Was für Typen mit krimineller Energie werden da eigentlich angestellt.

  8. Diana Weise | 19. Juli 2020 | um 12:23 Uhr

    Ich bin persönlich nicht der Meinung das sie richtig gehandelt haben . Beweisvideo hin oder her . Es steht außer Frage das der Kontrolleur seine Befugnisse überschritten hat und übers Ziel hinaus geschossen ist . Ihr Video zeigt nicht was im Vorfeld passiert ist . Dieses Video ist das Resultat von Geschehnissen im Vorfeld die hier nicht zur Debatte stehen . Gab es eine Auseinandersetzung (körperlich) vorher ? Hat der Kontrolleur sich gegen vorherige Angriffe des Verkehrskunden gewehrt ? Ihre Aufgabe als Journalist auch die Aufgabe des Magazins ist es Geschehnisse aus der Stadt sachlich darzustellen .
    Dieses Video wurde nun für mich offensichtlich dafür genutzt Gewalt von nazigleich wirkenden , staatlichen Ordnungskräften , ähnlich dem Fall Georg Floyd darzustellen um Empörung auszulösen .
    Würde das Video als reines Beweisvideo genutzt werden und der Polizei allein zur Verfügung gestellt werden um den Sachverhalt zu klären wär das hier nicht mein Thema . Der Kreuzer hat eine zusammenhanglose Story draus gemacht ( Geld damit verdient ) . Mit Seriosität hat das für mich nichts mehr zu tun . Meine Überlegungen sind “ meinem jahrelangen Begleiter in Sachen Stadt“ , dem Kreuzer den Rücken zu kehren . Leider .

  9. Horst A. | 19. Juli 2020 | um 12:42 Uhr

    Herr Gees,
    in allen mir bekannten Ratgebern zu „Courage“ finden Sie den Ratschlag, Öffentlichkeit herzustellen. Dazu zählt Passanten auf das Geschehen aufmerksam zu machen, Umstehende darauf anzusprechen, weitere Zeugen beizuziehen und sich ggf. Verbündete zu suchen. Sie scheinen dies durch lautstarkes Einreden getan zu haben und Sienwaren auch nicht allein. Zudem haben Sie den Vorgang gefilmt, was zwar keine unmittelbare Öffentlichkeit herstellt, aber hinterher als Beweismaterial dienen kann. Ob man dieses dann nicht nur der Polizei zur Verfügung stellt, sondern es auch in aller Ausschnitthaftigkeit über Soziale Medien teilen MUSS, das können Sie nur mit sich selbst ausmachen. Immerhin sind Sie Journalist und dies ist eine Story.
    Sehr problematisch finde ich, dass Sie im Nachhinein Ihr richtiges Handeln infrage stellen und meinen, es wäre besser gewesen, Gewalt auszuüben. Sie sind kein Mediziner und können nicht mit Sicherheit sagen, dass die Lage lebensbedrohlich war – auch wenn es Ihnen so erschien. „Notwehr“ und „Nothilfe“ klingt im Alltagsgebrauch sehr eindeutig, aber die juristische Auslegung ist alles andere als das. Vielleicht können Sie den von Ihnen erlebten Vorfall – eine Situation, in die wir alle kommen könnten – hier im Stadtmagazin mit verschiedenen Experten auswerten. Was sagen Ärzte zur Gefahr von Würgegriffen, was empfehlen Polizisten zu Zivilcourage und was sagen Juristen zur gewaltsamen Nothilfe zugunsten Dritter. Dann hätten wir alle über den kurzen „Empörungsmodus“ hinaus tatsächlich etwas Wichtiges gelernt.

  10. Horst A. | 19. Juli 2020 | um 12:46 Uhr

    Herr Gees,
    in allen mir bekannten Ratgebern zu „Courage“ finden Sie den Ratschlag, Öffentlichkeit herzustellen. Dazu zählt Passanten auf das Geschehen aufmerksam zu machen, Umstehende darauf anzusprechen, weitere Zeugen beizuziehen und sich ggf. Verbündete zu suchen. Sie scheinen dies durch lautstarkes Einreden getan zu haben und Sienwaren auch nicht allein. Zudem haben Sie den Vorgang gefilmt, was zwar keine unmittelbare Öffentlichkeit herstellt, aber hinterher als Beweismaterial dienen kann. Ob man dieses dann nicht nur der Polizei zur Verfügung stellt, sondern es auch in aller Ausschnitthaftigkeit über Soziale Medien teilen MUSS, das können Sie nur mit sich selbst ausmachen. Immerhin sind Sie Journalist und dies ist eine Story.
    Sehr problematisch finde ich, dass Sie im Nachhinein Ihr richtiges Handeln infrage stellen und meinen, es wäre besser gewesen, Gewalt auszuüben. Sie sind kein Mediziner und können nicht mit Sicherheit sagen, dass die Lage lebensbedrohlich war – auch wenn es Ihnen so erschien. „Notwehr“ und „Nothilfe“ klingt im Alltagsgebrauch sehr eindeutig, aber die juristische Auslegung ist alles andere als das. Vielleicht können Sie den von Ihnen erlebten Vorfall – eine Situation, in die wir alle kommen können – hier im Stadtmagazin mit verschiedenen Experten auswerten. Was sagen Ärzte zur Gefahr von Würgegriffen, was empfehlen Polizisten zu Zivilcourage und was sagen Juristen zur gewaltsamen Nothilfe zugunsten Dritter. Dann hätten wir alle über den kurzen „Empörungsmodus“ hinaus tatsächlich etwas Wichtiges gelernt.

  11. Yven H. | 19. Juli 2020 | um 13:16 Uhr

    Sehr geehrter Herr Klees !

    Lassen Sie sich bitte von den Kommentaren nicht verunsichern. Ich weiß das ist nicht leicht umzusetzen. Ich finde es sehr gut das Sie die Aufnahmen gemacht haben. Diese sind nun viral im Netz und haben sogar Plattformen wie „NTV“ erreicht und somit eine Bandbreite von Menschen. Außerdem wurde auf diese Art Beweismaterial gesichert, was ohne Sie nicht da wäre. Letztlich hätte ohne Beweismaterial wahrscheinlich Aussage gegen Aussage gestanden.
    Verbal lässt sich auch hören wie man versucht hat den Kontrolleur von seiner Tat abzuhalten, und das sehr massiv. Mich schockiert, dass der Kontrolleur sich in keinster Weise aus dem Würgegriff abhalten lässt auch nicht durch Äußerungen, dass das Opfer keine Luft mehr bekommt, rot anläuft usw. Man kann hören wie verschiedene Menschen ihn versuchen davon abzuhalten. Ich bin auch sehr froh, dass viele Menschen dabei waren. Ich selbst habe oft erlebt, dass Menschen oft wegschauen, oder hinschauen ohne in irgendeiner Art einzugreifen. Sie haben in zweierlei Hinsicht eingegriffen : Sie haben Videomaterial gesichert und diesen Menschen verbal versucht von seiner Tat abzuhalten. Das ist sehr viel wert. Ich möchte nicht wissen wieviel Menschen diese Tat gesehen haben (aus Straßenbahn, Straße, Passant, …) OHNE zu handeln. In der Regel ist es oft so, dass viele bei einem Unfall, oder einer Tat wie dieser in eine Art Schockstarre fallen, nicht handeln, unfähig zu handeln sind und nur ein geringer Teil der Masse SOFORT hilft.
    Es waren einige Menschen dabei, man hört diese auf der Aufnahme.
    Für Menschen die nicht dabei waren ist es einfach zu sagen, ich hätte so und so gehandelt… weil es ist Bullshit… wahrscheinlich hätten diese in Schockstarre eben nicht gehandelt.

    Ohne Sie wären die Menschen nicht auf diese Tat aufmerksam geworden !! Ohne Sie und die Passanten um Sie herum, hätte NIEMAND eingegriffen, OHNE Sie hätte niemand die Polizei gerufen oder wenn: dann wäre es zu spät für das Opfer !

    Lassen Sie sich bitte nicht verunsichern und angreifen, den Sie haben sich nichts vorzuwerfen !

    Was mich an dem Video auch schockiert : ist eine Ähnlichkeit zu den Taten die man in der letzten Zeit von der Presse von der amerikanischen Polizei mitbekommt… Ich meine ein Mann in einer Uniform, der jemanden am Atmen hindert und das Opfer fast am ersticken ist
    #goerge Floyd usw.. das ist erschreckend !!!
    Und in diesem Falle nur wegen einem Fahrschein !!
    Was ist das für eine Welt, in der man wegen Bagatellen- fast umgebracht wird, bzw. im Falle von Floyd umgebracht ???

    Ich danke Ihnen für die Aufnahmen und hoffe das :
    Menschen davon schockiert sind
    sich Taten wie diese Nicht wiederholen
    man durch höhere Stellen Präventionsmaßnahmen ergreift um so was auszuschließen
    Usw

  12. Dieter Grajewski | 19. Juli 2020 | um 13:55 Uhr

    Liebe Mitleserinnen,

    was wissen wir von diesem Vorfall..
    1. Was war die Vorgeschichte?
    2. Warum wurde die Verhältnismäßigkeit der Mittel für eines Fahrpreis von ca. 3 Euro eklatant überschritten?
    3. Warum wurde nicht losgelassen, obwohl Passanten darum gebeten haben?
    4. Gab es Sprachbarrieren mit den ausländischen Besuchern aus Island und Australien?
    5. Warum wurde kein Ticket gelöst? Probleme?
    6. Warum wurde die sachliche Ebene verlassen?
    7. Warum wartete die Kontrolleure nicht auf die Polizei?
    8. gibt es in der Vergangenheit ähnliche Vorfälle, die ähnlich verlaufen sind nur ohne Dokumentation durch Journalisten und Passanten?
    9. Kann es uns allen passieren, wenn wir in Leipzig mit der Bahn fahren und einen Fehler machen und am Ende am Boden liegen. Was läuft im Schulungsbereich schief.
    10. Gibt es unabhängige Stellen (nicht die Polizei und die Gerichte), wo Menschen aus der Mitte der Gesellschaft so menschenverachtende Vorgänge bewerten?
    Ich denke an Ombudsleute aus Teilen der Gesellschaft, die solche Vorgänge wertfrei beurteilen.
    Der Journalist von der Zeitung habe ich ein hohes Ansehen, da ich glaube, dass er alles richtig gemacht hat. Er hat keine Gewalt angewendet, die Szene dokumentiert, verbal eingeschritten und die Polizei gerufen. Sehr gut.
    Alles andere wäre fahrlässig gewesen und vor Gericht geendet mit ungutem Ausgang. Mein Respekt!
    Im Übrigen letzten Monat bei einem rheinischen Verkehrsbetrieb:
    Einstieg in die Straßenbahn in Köln Poll. Entwerter wurde von einem Mann mit seinem Körper verstellt.
    Ich bat ihn zur Seite zu treten (verstellte mit seinem Körper bewusst den Entwerter) , was er auch gemacht hat. Anschließend entwerte ich und blicke auf eine leeres Feld. In diesem Augenblick Türen schließen Fahrscheinkontrolle tönt cvon diesem Herrn. Ich bin immer noch fassungslos und sage dem Kontrolleur, das der Entwerter nicht stempelt, Seine Antwort Gehen Sie zum nächsten Entwerter.Meine Antwort. Warum verstellen Sie den Entwerter und sorgen nicht für funktionierende Entwerter? Diese Frage ist bis heute nicht beantwortet wurden.
    Unfassbar-
    Ich bin froh, dass wir BürgerInnen einmal hier ein Forum bekommen diese Erlebnisse einmal weiterzugeben. Davon kann ich alleine Dutzende erzählen.
    Erst letzte Woche am Düsseldorfer Hauptbahnhof. Bis auf 2 Entwerter im gesamten Bahnhofsgelände waren alle offenbar abgebaut vor den Treppenaufgängen zu den Gleisen.
    So schafft man sich auch SchwarzfahrerInnen ohne Ende.Das sind nur 2 Fälle von mir in den letzten 2 Wochen.
    Im übrigen kann uns das alle passieren und deswegen dürfen wir nicht zur Tagesordnung zurückgehen.Sicherlich wird es nicht bei jedem Fall so eskalieren.
    Es geht wie gesagt nicht um Menschen mit Monatstickets sondern Fahrgäste wie ich, die ständig andere Strecken fahren und mit Einzeltickets in verschiedenen Verbünden unterwegs sind und bewußt aus ökologischen Gründen auf das Auto verzichten wollen.. Und es geht hier um eine unzureichende Lösung der Verkehrsbetriebe in Deutschland zu Lasten der Fahrgäste, die keine Monatstickets haben.

    Ich habe mir im übrigen auch eine eigene Sicherheitsfibel für mich als Fahrgast aus den Erfahrungen der letzten Jahren mit dem ÖPNV zurecht gelegt:

    1. Ich fotografiere mein Ticket bei jeder Stempelung und die Stempelungen sehe ich mir auch an. Nach Abgabe des Ticket an den Kontrolleur bekomme ich es bei Schwierigkeiten mit dem Ticket nicht mehr zurück. Das sollte jeder Fahrgast wissen.
    2. Ich stempel von links nach rechts erst die Vorderseite dann die Rückseite
    3. Vor dem Einstieg habe ich das Ticket schon in der Hand, um nicht zu vergessen abzustempeln.
    4. Ich prüfe nachdem ich das Ticket rausgeholt habe die Stempelung
    5. Sollte keine Stempelung oder eine sehr schwache Stempelung dann darf ich nicht noch einmal entstempeln, da Betrugsversuch
    6. Ich habe mein Handy griffbereit und ein defekten Entwerter mit der Nummer siehe am Gerät zu dokumentieren. Alle Geräte haben eine Nummer.
    7. Sollte ich Probleme mit Schaffern bekommen äußer ich mich überhaupt nicht sondern fordere den Namen des Kontrolleurs.
    8. Sollte es eskalieren, rufe ich selbst die Polizei unter 112, dass es offenbar Probleme gibt. Ich äußer mich nicht zur Sache und werde anschließend mit ProBahn oder mit den privaten oder öffentlichen Verkehrsbetrieben Kontakt aufnehmen, um die Sache zu klären.
    Traurig, dass ich so vorgehen muss- aber wie gesagt ich bin Vielfahrer und habe vieles erlebt.
    Die Fahrgäste sollten wissen, dass die Kommunikation aufgezeichnet wird und das wissen die Kontrolleure und können das steuern. Sie sind zu dritt und es wird schwierig die Beweislast umzukehren.
    Vielleicht haben wir Juristen im Forum, die den einen oder anderen Tipp noch haben und ob meine Vorgehensweise richtig oder falsch ist oder noch verbessert werden kann von best

    Ein erboster aber überzeugter Vielfahrer des ÖPNV in Deutschland, der auf Lösungen der Verkehrsbetriebe hofft
    Dieter Grajewski

  13. Alexander | 19. Juli 2020 | um 15:20 Uhr

    Ich möchte mich nicht in die Lobgesänge einreihen. Ich glaube, dass diese Rechtfertigungsorgie nicht ehrlich ist. Einem Menschen mutmaßlich das Leben retten ist anständig, ihn bemi möglichen Sterben filmen ist ekelhaft. Journalisten sind nunmal nicht so der Helfertyp, sie kaufen und verkaufen Angst.

  14. A. Schneider | 20. Juli 2020 | um 21:13 Uhr

    Ich schließe mich den kritischen Beiträgen an. Zum einen ist es schädlich, tatenlos zuzusehen, wie ein Mensch scheinbar Gewalt ausübt. Zum anderen haben die Kommentare des fFilmenden im. Video geradezu Bild Nivea und wirken plakativ und aufgesetzt. Ein einfaches ICH RUFE JETZT DIE POLIZEI UND WIR HELFEN IHNEN, DEN MANN. SO LANGE HIER FESTZUSETZEN hätte sicherlich die Situation entspannt.
    am. Widerlichsten ist es jedoch, dass der Journalist und der Kreuzer dieses Video ohne Hintergrund Informationen einfach so zur Schau stellen. Mein Abo bei euch ist gekündigt. Vielleicht hat Springer ja Interesse, euch zu unterstützen

  15. Kerstin | 21. Juli 2020 | um 12:37 Uhr

    Sie haben in meinen Augen richtig gehandelt. Ich verstehe Ihre Zerissenheit und finde es sehr anerkennend, dass Sie Ihr Verhalten rückblickend hinterfragen. Mehr kann ein Mensch in so einer Situation meiner Meinung nach nicht tun. Sie haben nicht weggeschaut, sie haben richtigerweise im Blick gehabt, dass es dem Opfer bei einem Eingreifen, schlechter hätte gehen können bzw. auch so ergangen ist, Sie haben Hilfe geholt.

    Danke für Ihren Kommentar.

  16. MH | 22. Juli 2020 | um 08:37 Uhr

    Als Mitarbeiterin der LVB kann ich nur sagen: filmen und dokumentieren ja (wobei scheinbar, wenn ich die Berichterstattung richtig verfolge, die komplette Vorgeschichte fehlt – welchen Wert hat dann also dieses Video?!), aber direkt mal veröffentlichen … wtf?
    Öffentliche Diskussion schön und gut und davon lebt ja auch der (Sensations-?) Journalismus aber die Konsequenzen wie Gewaltaufrufe gegen Kontrolleure hätte man als Journalist im Jahre 2020 absehen können… Ob Sie damit der rationalen Debatte über das Verhalten aller (!) Beteiligter im Ticketkontrollgeschäft einen Gefallen getan haben?

  17. David Kind | 25. Juli 2020 | um 08:55 Uhr

    Um ehrlich zu sein wissen wir doch welch eher rechtslastiges Personal sich in den privaten Sicherheitsfirmen sammelt, aus denen die Verkehrsbetriebe ihr Personal zieht. Zu bewundern auch an den einschlägigen Tattoos des Würgers. Mein Eindruck ist, dass diese Leute auf den geringsten Anlass warten auszuticken.

    Es bleibt ebenso festzuhalten, dass die entsprechenden Stellen – Fahrkartenkontrolleur – zu Recht dermaßen unbeliebt sind, dass das Jobcenter Arbeitslose häufig dazu zwingen muss, diese Stellen zu besetzen.

    Es wäre ein guter Zeitpunkt, mal wieder darüber nachzudenken, ob ein ÖPNV zu diesen Bedingungen – sprich der Kriminalisierung von Schwarzfahrern und der Übertragung des Gewaltmonopols an private Sicherheitsfirmen, deren Personal hierfür weder ausgebildet noch vorbereitet ist – noch sinnvoll erscheint. Dass sich der Chef der Leipziger Verkehrsbetriebe allen Ernstes hinstellt und nochmal festhält: „Schwarzfahren ist eine Straftat.“ – macht die Sache besonders lächerlich, impliziert das doch, dass wer ohne Karte fährt in Kauf nehmen muss von einem überforderten Kontrolletti zu Tode gewürgt zu werden.