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Kunst im Schaufenster

Ein Bericht von der Vernissage des Kunstspaziergangs »Was danach kommt...«

Menschen stehen vor einem beleuchteten Schaufenster in dem Fotos hängen Größeres Bild

Durch die Coronaverordnungen waren die Museen geschlossen. In den Schaufenstern des Leipziger Ostens haben Künstler eine neue Ausstellungsfläche entdeckt.

Am 17. Juli begrüßen drei Kuratorinnen die Gäste der Vernissage vom Kunstspaziergang »Was danach kommt…« im Garten des Pöge-Hauses im Leipziger Osten. Die ungefähr 30 Gäste mussten sich im Voraus anmelden und vor Ort müssen sie sich coronabedingt in eine Liste eintragen. An diesem eher kühlen Sommertag kann man in dem grünen Hinterhof gut Abstand halten. Während sich die Kuratorinnen vorstellen, rennt eine schwarze Katze miauend ins Publikum und lässt sich von einer Besucherin kraulen.

Das Publikum teilt sich in zwei Gruppen, damit man auch während der Führung Abstand halten kann, und verlässt den Hinterhof. Es gibt insgesamt zehn Standorte mit Kunst in Schaufenstern, die von den Läden zur Verfügung gestellt wurden. Viele der Künstler sind anwesend für Fragen.

Die Fotografieausstellung ist ein Projekt von Interaction Leipzig e.V. Der gemeinnützige Verein wurde 2015 gegründet als Plattform für Begegnungen von Menschen mit und ohne Migrations- oder Fluchtbiografie. Er ermöglicht Kunstinteressierten, ihre Ideen für Workshops, Ausflüge oder Feste umzusetzen.

Die Idee zu »Was danach kommt… – ein Kunstspaziergang« stammt von Cihan Cakmak. Sie ist Fotografiestudentin an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und im Vorstand von Interaction Leipzig e.V. Sie erzählt die Entstehungsgeschichte: »Vieles, was ich mache, entsteht aus einer Wut heraus. Es macht mich wahnsinnig, dass Kunst nicht für alle zugänglich sein soll.« Während der Ausgangsbeschränkungen habe sie oft Spaziergänge gemacht oder aus dem Fenster geschaut. So sei ihr die Idee in den Sinn gekommen, Kunst auf den Straßen aufzuhängen, damit alle, die dort entlanglaufen, diese ansehen können. »Eine Plakataktion wäre aber zu teuer gewesen. Deshalb entschieden wir uns für die Schaufenster.« Fotografie sei besonders zugänglich, weil man dafür nicht lesen und schreiben oder Deutsch sprechen müsse.

Ein Schaufenster mit einem Foto von der Ausstellung

Eines der Schaufenster im auf der „Was danach kommt…“ Ausstellung Foto: Raisan Hameed

Kuratiert wurde die Ausstellung neben Cihan Cakmak auch von Julia Eckert und Anja Stopp. Eckert gründete Interaction Leipzig e.V. 2015 mit. »Inzwischen habe ich meine Position im Verein übergeben. Die Diversität, für die wir uns einsetzen, sollte sich in den leitenden Positionen bei uns selbst spiegeln,« sagt sie.

Anja Stopp arbeitet hauptamtlich für Interaction Leipzig e.V. und ist freiberufliche Kunstvermittlerin. Die studierte Grafikdesignerin und Kulturwissenschaftlerin schaffe die Rahmenbedingungen der Begegnungsveranstaltungen, die sie »interactions« nennt, mit dem Ziel, dass diese von den Initiatoren möglichst selbständig durchgeführt werden.

Die drei Kuratorinnen verbreiteten den Aufruf für die Ausstellung Mitte Mai, zu einer Zeit also, in der Museen und Ausstellungsorte coronabedingt geschlossen waren. Der Aufruf wurde auf Deutsch, Englisch, Arabisch und Spanisch veröffentlicht. Diese Faktoren führten dazu, sind sie überzeugt, dass es viele Einreichungen gab. Sie wählten 12 Künstler und eine Kollektiv aus. Der Titel »Was danach kommt…« beziehe sich nicht nur auf die Corona-Krise. Die Fotografien setzen sich auch damit auseinander, was nach dem Tod, dem Patriarchat, der Landesgrenzen, der Flucht, etc., kommt.

Geplant sind noch zwei weitere öffentliche Führungen am 29. Juli und 12. August, für die man sich über die Facebook-Seite von Interaction Leipzig e.V. anmelden kann. Die Bilder kann man sich allerdings auch ohne die Führung anschauen, denn sie hängen bis zum 12. August ganztäglich in den Schaufenstern entlang der Route im Leipziger Osten.

Das Publikum habe positiv mit Neugier und Interesse reagiert. Eine der Gruppen für die Vernissage am 17. Juli habe sogar unterwegs noch Passanten eingesammelt.

Anja Stopp gesteht ein, dass die Umgebung nicht optimal für eine solche Führung ist: »Bestimmte Ecken sind so laut, dass man das Gesagte kaum verstehen kann. « Trotzdem möchte Interaction Leipzig e.V. die Möglichkeit bieten, dass man sich über die Kunstwerke austauschen kann. Und was danach kommt? Vielleicht weitere Aktionen, sagt sie.

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