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»Als Mensch bin ich auch emotional«

Leipzigs Polizeipräsident Torsten Schultze ist ein gefragter Gesprächspartner. Egal ob »Connewitz«, »Fahrradgate« oder »Hubschraubereinsätze«, er muss und will sich äußern

Der Polizeipräsident sitzt an seinem Schreibtisch Größeres Bild

Es ist einer der letzten heißen Tage des Jahres, Polizeipräsident Schultze hat die Interview-Anfrage angenommen und ins Polizeipräsidium auf der Dimitroffstraße geladen. Seit seinem Amtsantritt im Februar 2019 ist der Beamte immer wieder im Fokus der Öffentlichkeit, ob der Exzesse von Autonomen oder der seiner Beamten. Wir treffen ihn in einem kargen, aber kühlen Beratungsraum mit Blick auf die Trinitatis-Kirche und das Rathaus. Das Interview des Monats aus dem Kreuzer 10/20.

kreuzer: Sie sind mehr als anderthalb Jahre im Amt und zuvor in große Fußstapfen Ihres damals in Leipzig sehr präsenten Vorgängers Bernd Merbitz getreten. Fühlen Sie sich in der Stadt angekommen und als die Person, die die Leipziger Polizei leitet?
TORSTEN SCHULTZE: Also, ich bin der Leiter der Polizeidirektion. Fußstapfen spielen für mich keine Rolle, weil ich ein anderer Mensch bin als Bernd Merbitz. Das Wort »angekommen« ist für mich schwierig. Ich habe hier eine Partnerin, die schon lange Leipzigerin ist. Ich habe viele Kollegen, die ich schon lange kenne, auch Freunde hier in der Stadt. Insofern fühle ich mich hier schon wohl. Aber angekommen? Wenn du 30 Jahre in Dresden gelebt hast, dann ist das jetzt noch kein Vergleich. Da muss ich sagen, es muss hier noch mehr Leidenschaft rein, und die Stadt muss mich noch mehr einfangen.

kreuzer: Inwiefern »mehr Leidenschaft«? 
SCHULTZE: Von mir für die Stadt. Ich vergleiche gerne die Biergarten-Situation in Dresden mit der hier in Leipzig. Da fehlt mir wirklich ein Stück weit die Elbe und die Biergartenkultur. Aber hier gibt es andere Dinge. Leipzig ist eine Stadt, die nach vorne geht. Wie sich die Stadt entwickelt hat, ist absolut eindrucksvoll.

kreuzer: Sie werden zuweilen als Nachfolger für das Amt des Landespolizeipräsidenten gehandelt. Sehen Sie sich demnächst wieder in Dresden?
SCHULTZE: Ich sehe mich hier. Und meinen Mitarbeitern habe ich immer gesagt, ich möchte hier – Sie haben das Wort Fußstapfen genannt – auch Fußstapfen hinterlassen. Man bewirbt sich nicht als Polizeipräsident. Da wird man gefragt, und ich sehe mich hier.

kreuzer: Wie hat sich die Zusammenarbeit mit dem Rathaus seit Ihrem Dienstantritt verändert?
SCHULTZE: Wir haben mit der Stadt im Jahr 2018 eine Kooperationsvereinbarung beschlossen. Das war noch mein Vorgänger. Auf dieser Ebene haben wir eine sehr gute Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. Wir arbeiten intensiv im kommunalen Präventionsrat zusammen und diskutieren dort auch strittig. Zuletzt zum Beispiel über Hubschraubereinsätze. Das ist ein Thema, das in der Stadt sehr präsent ist. Ich habe schon die Wahrnehmung, medial oder auch in bestimmten Äußerungen, dass diese Einsätze nicht akzeptiert sind. Jetzt kommt aber die Leipziger Volkszeitung und fragt die
Menschen, und dann sieht man, dass über 70 Prozent der Meinung sind, wenn es nötig ist, soll die Polizei das tun können.

kreuzer: Wobei klein darunter steht, »Diese Umfrage ist nicht repräsentativ«.
SCHULTZE: Das ist klar, aber wenn ich darauf angesprochen werde, werde ich von denen darauf…

Torsten Schultze, 55, ist in Klötze in der Altmark aufgewachsen. Polizist ist er geworden, weil sein Vater ihm sagte, dass er diesbezüglich eine besondere Auffassungsgabe habe. Das war 1991, nachdem er als Leistungsruderer aufgehört hatte. Seit 2007 war er immer wieder in Leipzig eingesetzt. 
Beginnend als Referatsleiter Einsatz, später als Vizepräsident, bevor er wieder nach Dresden wechselte und dort in verschiedenen Funktionen im Innenministerium tätig war. 2017 wurde er Leiter der Polizeidirektion Görlitz, 2019 kam er schließlich auf den Posten des Polizeipräsidenten in Leipzig. Er sagt selbst, dass er mit seiner ersten Verbindung in Leipzig »irgendwie mein Herz verloren« habe.

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