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Linke Elternschaft

Zwei Leipzigerinnen engagieren sich für alternative Familienmodelle

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Wenn linke Eltern werden, müssen sie nicht in die Bürgerlichkeit verfallen. Die Möglichkeiten sind groß, Probleme gibt es aber trotzdem. Ein Beitrag aus dem kreuzer 11/20.

»Wir waren umgeben von vielen politisierten Menschen, alle mit großen Gedanken über sich und das eigene Umfeld. Es schien aber nicht so einfach, die umzusetzen«, erzählt Nicola Eschen. Eschen ist Trainerin für gesellschaftspolitische Themen. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Almut Birken hat sie Anfang des Jahres einen Sammelband herausgegeben. »Links leben mit Kindern« enthält Beiträge von Leuten, die versuchen, ihre ganz eigenen Familienmodelle zu gestalten. Doch was ist das eigentlich, linke Elternschaft? Eschen denkt nach. »Ich glaube, es gibt da zwei Seiten«, sagt sie, »das eine ist der Respekt gegenüber dem Kind, dass man das von Beginn an als vollständigen Menschen ernst nimmt, und das andere ist vielleicht automatischer, dass die Kinder politische Inhalte von ihrem Umfeld mitkriegen.« Eschen und Birken sind selbst Eltern. »Ich halte mich bewusst zurück, um meinem Kind nicht zu früh gleich die Schlechtheit der Gesellschaft vor den Latz zu knallen«, erzählt Birken. Für sie ist linke Erziehung in der Praxis ein Balanceakt, bei dem immer wieder entschieden werden muss, welche Inhalte man dem Nachwuchs wann zumutet. Gleichzeitig hofft sie, dass es ihr gelingt, ihre Ideale in der Praxis vorzuleben. Dass Ideale genau dort immer wieder an Grenzen stoßen, zeigt »Links leben mit Kindern«. »Unser Buch ist eigentlich eine Art solidarisches Pöbeln in die Szene«, erklärt Birken. Vor zwei Jahren formulierten sie und Eschen einen Aufruf. Darin baten die beiden Autorinnen Personen aus Szenekreisen, ihre Erfahrungen mit linker Erziehung aufzuschreiben.

Viele machten mit. Ihre Beiträge gewähren Einblick in unterschiedlichste Familienkonstellationen. Da schreibt eine junge Frau über ihren Versuch, Co-Mutter zu werden, der irgendwann daran scheitert, dass die biologischen Eltern sich anders entscheiden. Die Frau bleibt allein zurück. Andere berichten von ihrem Leben in größeren Wohnzusammenhängen. Vom Umgang ihrer Mitbewohner mit dem Nachwuchs oder langen Aushandlungsprozessen mit anderen Erwachsenen, die sich vor der Geburt solidarisch erklärten und danach keine Zeit zum Babysitten haben.

Auf die Frage, ob sie die vielen Berichte vom Scheitern überrascht haben, schüttelt Birken den Kopf. »Die Leute haben in ihrer Sozialisation nicht gelernt, Konflikte so auszutragen, dass man sich anschließend gemeinsam weiterentwickeln kann, anstatt sich nach dem ersten Streit den Rücken zu kehren«, sagt sie. Eines der Hauptprobleme für die Entwicklung alternativer Familienmodelle sieht sie in der gesellschaftlichen Norm. Die heißt vielerorts: Kleinfamilie. »Ich glaube, es…

http://www.linkslebenmitkindern.org

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