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Editorial 01/21

Das neue Heft ist da!

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An dieser Stelle veröffentlichen wir das Editorial der ersten Ausgabe im Jahr 2021. Oder Jahr 1 nach Corona. Unser Chefredakteur Andreas Raabe schwelgt in Erinnerungen, weil wir etwas zu feiern haben: 30 Jahre kreuzer. Vielen Dank an alle Leserinnen und Leser für die Zeit und die Treue.

Es muss irgendwann im Jahr 2005 gewesen sein, als ich zum ersten Mal den kreuzer durchblätterte. Und ich war beeindruckt: Ein Stadtmagazin mit einem richtigen Politikteil, mit Reportagen, politischen Kommentaren, einem wirklich kritischen Kulturteil und zehnseitigen Titelstorys – wo gibts denn so was? Ich kannte Stadtmagazine bis dahin nur als diese bunten Heftchen, meist kostenlos, mit Party-Pics drin und sonst im Grunde nur Werbung. Mit Journalismus, mit Glaubwürdigkeit, etwas Echtem, Authentischem und vor allem mit Unabhängigkeit hatte das wenig zu tun. Beim kreuzer wars anders: Er sah nicht nur gut aus und beschäftigte sich auf ebenso seriöse wie ehrliche Art mit Leipzig – er bot auch eine wichtige alternative Öffentlichkeit in einer Stadt, in der es sonst nur Produkte westdeutscher Medienkonzerne zu lesen gibt.

Die Arbeit im kreuzer war immer geprägt von einem hohen journalistischen Anspruch, von unbedingter Trennung von Geschäft und Redaktion und von Lust – denn zu verdienen gab es hier nie viel. Stattdessen gabs ständig irgendwas zu bereden, zu diskutieren, die Redaktionssitzungen arteten immer wieder in stundenlange Besprechungen aus. Besonders bei politischen Themen regierte das Mantra: Wir müssen etwas dagegensetzen, wir müssen noch den Teil der Geschichte erzählen, der sonst in den Zeitungen nicht vorkam. Das war die Nische, die wir mit dem kreuzer gern besetzten. Und durch diese Nische schleuste das Heft eine Menge junger Journalistinnen und Journalisten, die später bei den großen Blättern und Sendern Karriere machten.

Ja, und in regelmäßigen Wellen gabs auch Ärger in der Redaktion, der meist mit fehlenden Ressourcen zu tun hatte: Zu wenig Geld macht schlechte Laune, das gilt auch für Projekte, bei denen wirklich alle mit Herzblut dabei sind. Das ist vielleicht der Preis der Unabhängigkeit. Und davon können sicherlich alle Medien ein Lied singen, die sich nicht dem big business verschrieben haben.

Aber warum ist der kreuzer so, wie er ist? Das hat vor allem mit zwei Dingen zu tun: der ganz speziellen Leipziger Dynamik und der Tradition des kreuzer, seinen Anfängen, seiner Geschichte. Den ersten Teil dieser Story erzählen wir in diesem Heft. Wobei, genau genommen erzählen nicht wir ihn, sondern einer, der damals, vor 30 Jahren, hautnah dabei war: Buchhändler Peter Hinke, in dessen Connewitzer Verlagsbuchhandlung der Geburtsort des kreuzer liegt. Auf die Welt kam dort im September 1990 ein kleines Heft namens Connewitzer Kreuzer. Sein Spirit war durch und durch subkulturell. Den politischen Teil übernahm zu dieser Zeit noch ein anderes Medium, die legendäre Leipziger Wochenzeitung DAZ, ein echtes Kind des 89er Aufbruchs, das, wie leider auch dessen Protagonistinnen und Protagonisten, viel zu schnell bankrott ging. Der Connewitzer Kreuzer startete als monatliche Kulturbeilage der DAZ und machte danach alleine weiter. Mit dem Stadtmagazin Kreuzer ging es im Juni 1991 los, ein paar Monate nach der Pleite der DAZ. Diese Geschichte erzählen wir im kommenden Sommer.

Einen besonderen Lesetipp gebe ich noch für unser Interview des Monats auf Seite 22, das Anna Hoffmeister und Nele Rebmann mit der Tätowiererin Miss Brokoe geführt haben. Es ist selten, dass eine Gesprächspartnerin so ehrlich von ihrem Leben und ihren Motivationen erzählt. Und wenn Sie schon dabei sind, lesen Sie doch auch den ganzen Rest, es lohnt sich!

Und zum Schluss noch ein Gruß an Glenn Horvath (Hi, Glenn!), der 1990 direkt aus Miami kommend in Leipzig aufschlug und Maler des ersten Kreuzer-Titelblatts in Farbe wurde. Für dieses Heft hat er seine Vision von damals noch mal aufgemalt, Sie sehen beide Bilder auf dieser Seite. Love is the answer.

Alles Gute für das Jahr 2021!

ANDREAS RAABE

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