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Pistensport

Winterliche Ausflusgziele

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Ein Berg kommt selten allein. Neben dem Schnee macht das die Wintersportgebiete so reizvoll. Drei nahe Regionen zur Empfehlung – falls der Lockdown sie erlaubt. Hier veröffentlichen wir den Text aus der Februar-Ausgabe des kreuzer.

Thüringer Klassiker
Alecktrüogallonax« dachte Goethe sich als Zweitnamen für den Kickelhahn aus, das ist der Ilmenauer Hausberg. Von Kickelhahn kam er auf Gickelhahn und Göckelhahn und von dort wiederum auf Gockelhahn. Diesen »Hahnhahn« übertrug er ins Altgriechische und Latein, und fertig war das Kunstwort, das er »klingernder«, also ernsthaft besser fand als Kickelhahn. So schrieb er es Frau von Stein. Der Kickelhahn jedenfalls verdankt dem Geheimrat ein Holzhaus, an dessen einer Wand er sein »Wanderers Nachtlied« verewigte. Die Hütte gibt es noch, obwohl sie 1870 
abbrannte, das Gedicht lässt sich dort in 16 Sprachen nachlesen.

Der Dichterfürst war ja sicher, auf vielen Gebieten brillieren zu können. Dass er den Berghang mit dem Bob hinuntergerauscht ist, darf aber mit Bestimmtheit ausgeschlossen werden, denn den ersten Bobschlitten gab es erst Ende des 19. Jahrhunderts. Von der Schweiz aus verbreitete sich der neue Funsport, und so gibt es auch bei Ilmenau eine Bobbahn. Als hier 1913 die ersten deutschen Meisterschaften im Rodeln stattfanden, holten die Gastgeber sämtliche Titel. Heute führt ein Wanderweg über die einstige Strecke des Erfolgs auf Kufen, Start und Ziel ist der Parkplatz an der Festhalle. Unter Funsport laufen heute Snowboarden und Freeski, für die sich im Thüringer Wald die Funparks Heubach und Oberhof anbieten. Im von Ilmenau eine halbe Autostunde entfernten Oberhof lässt sich snowboarden, dort gibt es außerdem eine 800 Meter lange Skipiste. Der Thüringer Wald hat so manche winterliche Piste, vom Skilift am Inselsberg über den Fallbachlift in Oberhof oder den Skilift am Lindenberg in Ilmenau bis zum Skilift am Roten Hoor in Rennsteignähe verteilen sich dort gut zwei Dutzend von ihnen.

Das Netz von Skiwegen in der Region kommt auf 1.600 Kilometer, darunter über 600 Meter Loipen. Die Skiwanderwege rund um die Goethestadt Ilmenau sind je nach Schneesituation gespurt. Die kürzeste von 13 Strecken hat eine Länge von 1,2 Kilometern und führt links der Ilm vom Nasenhügel entlang der Alten Straße bis zum Waldgasthaus Mönchshof, die längste bringt es auf das Zehnfache und geht ebenfalls links der Ilm vom Hangeberg über die Bornwiese, den Kickelhahnblick, den Geraweg und die Schutzhütte Paradies bis zur Schmücke. Verschiedene Anbieter in der Gegend haben Schneeschuhtouren im Programm, und wer sich mit Snowboard oder Skiern an einen Drachen hängt, kann über die Wiesen bei Schönbrunn am südwestlichen Hang des Rennsteigs snowkiten.

Klassiker Erzgebirge
Oberwiesenthal, das Wintersportzentrum des Erzgebirges, liegt am Fichtelberg. Die Pisten in der Interskiregion, die der Fichtelberg zusammen mit dem Kleinen Fichtelberg und dem benachbarten tschechischen Keilberg bildet, haben eine Gesamtlänge von 33 Kilometern. Teile des Fichtelberghangs sind als Rodelstrecke ausgewiesen. Das Areal hat außerdem viele Kilometer Skiwanderwege und Loipen, außerdem natürlich auch Wege für Wanderungen durch den Schnee.

Kuppe westwärts
Der Bienitz ist ein Stück Endmoräne am westlichen Rand Leipzigs. Er hat eine Rodelbahn, deren Nutzung vor etwa hundert Jahren Geld kostete. Die Westend-Baugesellschaft AG kaufte 1911 das Areal um die zu entwickelnde, kostenpflichtige Schlittenstrecke, auf dem Plateau entstand eine Gaststätte. An den Vorstand der Gesellschaft Henri Schomburgk erinnert ein großer Gedenkstein am Rande der Rodelbahn, das Gebäude der Gaststätte brannte im Jahr 2000 nach jahrzehntelanger anderweitiger Nutzung nieder. Ein Ausflugslokal ist inzwischen wieder das Kurhaus Bienitz im flachen Bereich des Bienitzblocks. An das Geschäft mit der Rodelbahn erinnert wiederum der Straßenname »Zur Rodelbahn«, der hält, was er verspricht. Oben steht noch eine Ruine des Kassenhäuschens für die Piste. Die Rodelbahn dürfte übrigens im Ranking der längsten Schlittenbahnen der Stadt ziemlich weit vorne spielen. Die Strecke am nicht weit entfernten Wachberg ist nur etwa halb so lang, dafür aber besser für kleinere Kinder geeignet.

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