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Die Verbrechen der Vergangenheit

Erinnerung an Todesmärsche und Schwierigkeiten antifaschistischen Gedenkens

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Europaweit wird Anfang Mai dem Tag der Befreiuung gedacht. Anlässlich des Gedenktages wurden Formate entwickelt, die an die Geschehnisse in Leipzig erinnern.

Am 8. Mai wird der Befreiung gedacht. Leipzig wurde bereits am 18. April 1945 von der US-Armee befreit. Aus diesem Anlass ist im Neuen Rathaus die Ausstellung »Todesmarsch 1945 Leipzig – Fojtovice« zu sehen. Sie erinnert an einen Todesmarsch von 2.500 Häftlingen der Erla-Werke, der am 13. April 1945 vom Norden der Stadt in Richtung Theresienstadt begann. 250 Überlebende wurden am 9. Mai 1945 in Tschechien befreit.

Das Unternehmen Erla Maschinenwerk wurde 1934 in Heiterblick gegründet und stellte für die Luftwaffe Jagdflugzeuge des Typs Messerschmidt Bf 109 her. Es gehörte zu einem der größten Flugzeugproduzenten während des Zweiten Weltkrieges. Die Zwangsarbeiter wurden im Außenlager Leipzig-Thekla des Konzentrationslagers Buchenwald untergebracht.

Fotografien im Rathaus stellen die Marschstrecke vor, die der Fotograf Herbert Naumann anhand von Aufzeichnungen 2017 abgelaufen ist und von der er Aufnahmen erstellte. Er erzählte in der Veranstaltung »Die letzten Verbrechen der Nationalsozialisten – warum und wie wir noch heute daran erinnern«, zu der Sören Pellmann von der Linken einlud und die auf seinem Twitterkanal noch einsehbar ist. Neben Naumann war auch Ingo Stange vom Netzwerk für demokratische Kultur in Wurzen sowie Daniela Schmohl von der Leipziger Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes geladen.

Ein alarmierendes Zeichen für die Gedenkkultur

In Wurzen fand am 12. April außerdem die Gedenkveranstaltung für die Opfer der Todesmärsche 1945 an den Muldenwiesen statt. Hier übernachteten Zwangsarbeiter und Häftlinge aus den Leipziger Rüstungswerken. Seit sechs Jahren wird ihrer an dem Gedenkstein gedacht. Damals wurde dort auch eine Erinnerungstafel angebracht. Nach Schändungen ist sie nun nur noch während der Gedenkveranstaltung zu sehen. Kein gutes Zeichen für engagierte Erinnerungspolitik und Gedenkkultur, das auch der Leipziger Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund deutscher Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) bekannt ist.

Gedenktafel in der Kamenzer Straße; Foto: Christiane Gundlach

2010 brachten Mitglieder der VVN-BdA in der Kamenzer Straße vor dem Gebäude Nummer 10 eine Tafel an, die an die Todesmärsche erinnert. Auch hier fanden in der Folge einige Schändungen statt. Beispielsweise wurden am Pfosten Wegschilder mit den Entfernungskilometern nach Stalingrad und Buchenwald angebracht.

Die hiesige VVN-BdA hat wie auch die Berliner nachträglich die Gemeinnützigkeit des Vereins für die Jahre 2017 bis 2019 vom Leipziger Finanzamt erhalten. In die breite Öffentlichkeit kam der Entzug der Gemeinnützigkeit für die Bundesorganisation nach der Listung im Bericht des bayrischen Verfassungsschutzes der Bundesvorsitzenden und des Sitzes des Bundesvorstandes für die Jahre 2016 bis 2018.

Ein alarmierendes Zeichen. Aber auch Sachsen ist davon nicht weit entfernt. Wer beispielsweise die seit Jahren bekannten rechtsradikalen Aktivitäten in der Kamenzer Straße 12 im sächsischen Verfassungsschutz sucht, der findet die Ortsangabe lediglich 2018 und 2019 unter der Überschrift »Linksextremismus« und Protesten für die Schließung des Neonazi-Treffs.

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