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»Die Bar bleibt geschlossen«

Die Cammerspiele zeigen wieder Theater – als Teil eines Modellprojekts

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Endlich wieder öffnen. Als Beteiligte an einem Leipziger Modellprojekt zeigen die Cammerspiele am Mittwoch eine Premiere. Pressesprecher Christoph Awe erklärt das Konzept.

kreuzer: Wie haben Sie die monatelange Zwangspause ausgehalten?
Christoph Awe: Es war mitunter sehr frustrierend. Aber wir haben uns dann doch irgendwie bei Laune gehalten. Die Aufbruchstimmung, die entstanden ist, seitdem wir wissen, dass wir bald öffnen, ist großartig.

kreuzer: Hatten Sie Unterstützung durch Stadt oder Staat?
Awe: Es gab Förderung. Die floss zum Beispiel in neue Technik, die uns digitale Formate deutlich erleichtert hat. Darüber hinaus gab es finanzielle Unterstützung für die Hygienemaßnahmen im Haus. Alles in allem sind wird durch unsere institutionelle Förderung einigermaßen gut durchgekommen.

kreuzer: Nun dürfen Sie wieder öffnen für Geimpfte, Genese und Menschen mit negativem Tagestest. Was sehen die Maßnahmen noch vor?
Awe: Wir verkaufen unsere Karten nur online. Der Kassentresen ist nach unten verlegt und unsere schmale Treppe hat nun ein Ampelsystem. Dazu kommen: Reduzierung der Sitzplätze, Tests auch für alle Mitarbeitenden und Angehörige des Produktionsteams. Die Bar wird geschlossen bleiben. Viel Aufwand, aber Hauptsache, es geht wieder los!

kreuzer: Sie sind Teil des Modellprojekts »Das ist Leipzig« – was ist das?
Awe: Es ist ein Projekt, mit dem sichere Öffnungskonzepte für die Kultur entwickelt werden sollen. Vier Wochen lang werden dazu Veranstaltungen in acht Leipziger Kultureinrichtungen wissenschaftlich begleitet.

kreuzer: Als im vergangenen Jahr nach dem Lockdown die Theater wieder öffneten, war der Publikumszustrom erst verhalten. Rechnen Sie damit, dass die Leute sich erst wieder ans Theater gewöhnen müssen?
Awe: Der Vorverkauf zu unserer Premiere und die Reaktionen zu den Öffnungsplänen in den sozialen Netzwerken zeigen uns erst mal, dass große Lust auf Theater besteht. Durch die erneute lange Pause ist die Situation, denke ich, ein wenig anders als damals.

Christoph Awe, Pressesprecher der Cammerspiele, Foto: Mim Schneider

kreuzer: »Ich fress Dich auf« kreuzt ein Kinderbuch mit Beckett: Wie muss man sich das vorstellen?
Awe: Auf jeden Fall nicht als Inszenierung für Kinder. Das inszenierende Kollektiv verbindet die Texte beider Werke miteinander. Die wilden Kerle warten auf Max. Wann der kommt? Unklar. Kommt einem von Godot bekannt vor. Was passiert eigentlich, wenn wir warten, das eigentliche Ereignis erst noch bevorsteht? Warten ist ja durchaus auch zu einem sehr zentralen Aspekt unseres Alltags im vergangenen Jahr geworden.

kreuzer: Die zwei folgenden Produktionen widmen sich toxischer Männlichkeit – gibts da noch etwas Neues zu sagen?
Awe: Wir müssen weiter darüber sprechen. Auf der Bühne, in den Theaterhäusern und auf der Straße. Verschiedenste Vorfälle, auch gerade an Theatern, in den vergangenen Monaten sollten das mehr als deutlich gemacht haben. Als Dramaturg und Regisseur ist es mir wichtig, nicht zu pädagogisch dabei zu werden. Mit Unterstützung der Romane von Patricia Highsmith wollen wir uns spielerisch der Thematik zuwenden, ohne zu belehren.

kreuzer: Wird es Sommertheater geben?
Awe: Ja, das wird sehr musikalisch. Einige bekannte Persönlichkeiten des Leipziger Südens werden auf der Bühne stehen. Und jemand wurde schon als Pferd besetzt. Bis dahin wird es eine Premiere nach der anderen geben. Ende Juli werden wir wahrscheinlich fix und fertig sein. Aber auch ziemlich glücklich darüber, endlich wieder das tun zu dürfen, was wir so unglaublich gerne tun.

»Ich fress dich auf!«, 26.5., 20 Uhr (Premiere), 28./29.5., 20 Uhr, 30.5., 18 Uhr, Cammerspiele

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