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Es rumort bei Dominos in Leipzig

Leipziger Beschäftigte des Pizzalieferanten organisieren sich

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Am Samstag demonstrierte die Gewerkschaft Freie Arbeiterinnen Union (FAU) gegen die Entlassung eines Kollegen beim Pizzalieferdienst Dominos. Sie kündigte weiteren Protest an. Das Hamburger Millionenunternehmen kündigte an, den Vorfall intern klären zu wollen.

Vor gut einer Woche wurde Fahrer Aaron aus dem Dominos Store in der Südvorstadt entlassen. Aus »betriebsbedingten Gründen«, wie es in einer Pressemitteilung der Freien Arbeiterinnen Union (FAU) heißt. Die Gewerkschaft hatte für Samstag, den 19. Juni, zu einer Demonstration dagegen aufgerufen. Dort wurde das Unternehmen dazu aufgefordert, die Kündigung zurückzunehmen. Etwa hundert Teilnehmende fanden den Weg zur Fahrraddemonstration, die vom Wiedebachplatz in Connewitz über den Store in der Leipziger Südvorstadt bis nach Plagwitz führte.

In einer Mitteilung der Gewerkschaft heißt es, dass die Entlassung erfolgte, nachdem die Beschäftigten Corona-Tests für alle Mitarbeitenden eingefordert hatten. »Die Unterschriftenliste in der Filiale der Südvorstadt wurde von 18 der 21 Kolleginnen und Kollegen unterschrieben«, sagt Aaron im Gespräch mit kreuzer. Er sei fälschlicherweise als »Rädelsführer« hinter der Initiative ausgemacht worden. »Wahrscheinlich wurde ich entlassen, weil ich arbeitsrechtliche Fragen gestellt habe«, mutmaßt er.

Nach ihrer Einschätzung zur Demonstration gefragt, teilen zwei Beschäftigte der Dominos-Filiale in Connewitz mit, sie wüssten gar nicht, worum es geht. Von der Demonstration hätten sie im Vorfeld nichts mitbekommen. »Mit unserer Storemanagerin hatten wir nie Probleme«, teilen sie mit. »Wenn wir Corona-Tests haben wollten, hat sie die uns immer besorgt«. Von der FAU hören sie am Samstag das erste Mal und auch sonst seien sie nicht gewerkschaftlich organisiert. »Wenn man gut arbeitet, wird man auch nicht entlassen«, sind sie überzeugt.

Das sieht die FAU anders. Die Gewerkschaft hat deshalb eine Betriebsgruppe im Unternehmen gegründet. Joanna, eine Fahrerin des Unternehmens, verweist auf der Demonstration auf weitere Probleme im Betrieb: »Es gibt keine Diensthandys, ich wurde von Kunden schon privat angeschrieben, wenn ich vergesse, meine Nummer zu unterdrücken«, sagt sie. Sie mache den Job gerne, aber »er ist gefährlich, vor allem, weil Dominos ihre Fahrer unter Druck setzt, schnell statt vorsichtig zu fahren«, kritisiert sie und berichtet von einem Unfall vergangene Woche.

Dominos ist auf Expansionskurs: Nachdem das Unternehmen 2015 zunächst den früheren Marktführer Joeys Pizza übernommen hatte, ist 2019 auch Hallo Pizza Teil des Unternehmens geworden. Im Pandemiejahr 2020 verzeichnete Dominos Rekordgewinne. Der deutsche Geschäftszweig des internationalen Konzerns machte knapp 290 Millionen Euro Umsatz, 60 Millionen mehr als im Vorjahr. Und auch an den Finanzmärkten jagt das Unternehmen einen Spitzenwert nach dem anderen. Das Hamburger Franchise und seine Anleger konnten so eine satte Rendite für sich einfahren. Auch in Leipzig wächst Dominos, wo es inzwischen neun Filialen gibt. Die Stores werden von unabhängigen Unternehmen geführt, die sich unter der gemeinsamen Marke versammeln. Was die Löhne, Einstellungsverfahren und lokale Werbekampagnen betrifft, haben die Unternehmen vor Ort weitestgehend freies Spiel.

Die meisten Filialen der Stadt sind in der Hand der Effekt GmbH. Deren Geschäftsführer Peter Plaschke war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Insgesamt scheint es schwer zu sein, Kontakt mit ihm aufzunehmen: »Nicht einmal wir haben seine Nummer«, teilen Beschäftigte auf Nachfrage mit. »Wir geben keine Auskunft, da müssen Sie die Presseabteilung in Hamburg fragen«, sagt ein Mann, der immer wieder bei der Demonstration auftaucht und nach dem Rechten schaut. Er will nicht sagen, ob er für das Unternehmen spricht.

Auf eine Anfrage nach dem Kündigungsgrund reagierte die Presseabteilung des Hamburger Unternehmens nicht. Lediglich auf Twitter meldete es: »Unsere Mitarbeiter:innen in unseren Stores sind uns sehr wichtig. Unsere Stores werden eigenständig von unseren Franchise-Partner:innen geführt, was bedeutet, dass sie sich auch um ihr Personal kümmern. Den Vorfall aus Leipzig klären wir gerade intern mit den entsprechenden Kolleg:innen«, erklärte das Unternehmen.

Es ist nicht das erste Mal, dass es Ärger bei der Effekt GmbH gibt. Bereits im April war das Unternehmen zum Ziel einer Kampagne der FAU geworden, als es darum ging, einbehaltene Zahlungen eines Beschäftigten zu erstreiten – mit Erfolg, wie die FAU Leipzig mitteilte. Nun will die Gewerkschaft, dass Aarons Entlassung zurückgenommen wird und die Forderungen nach Corona-Schutzmaßnahmen umgesetzt werden. Die Gewerkschaft kündigte auf der Demonstration am 19. Juni eine ausdauernde Kampagne der neugegründeten Betriebsgruppe an, wenn »die Unternehmensleitung unsere Forderungen ignoriert.«

Nachtrag 30. Juni 2021:

Nachdem die Pressestelle von Dominos Deutschland zunächst nicht zu erreichen war, heißt es in einer Antwort auf eine Anfrage des kreuzer nun: »Die Stores werden von eigenständigen Unternehmen geführt«, weshalb das Unternehmen den Vorgang nicht beurteilen könne. »Wir sind nicht in den Arbeitsverhältnissen der Stores involviert«, schreibt Donika Meinold von Dominos Deutschland.

Weiter heißt es, man habe früh Maßnahmen zum Schutz vor dem Corona-Virus ergriffen: Kontaktlose Bezahlung, kostenlose Masken, Mindestabstand, erleichterte Krankmeldung. Auf die im Artikel zur Debatte stehenden Tests geht Dominos Deutschland indes nicht ein.

Bezüglich der betrieblichen Organisierung sagte das Unternehmen, es sei gut, »wenn es einen Austausch gibt«. Dominos stünde »gewerkschaftlich engagierten Kolleg:innen offen gegenüber«, schreibt Meinold auf Anfrage des kreuzer. »Es liegt in unserem Interesse, wenn Unstimmigkeiten schnell aufgeklärt werden können und unsere Mitarbeiter:innen gerne zur Arbeit kommen«.

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Dein Kommentar

2 Kommentare

  1. am | 27. Juni 2021 | um 08:16 Uhr

    bei der filiale auf der dresdner straße ist nicht mal ein arbeitsvertrag vorgesehen, dh. man hat weder bezahlte urlaubstage noch krankengeld. vllt sollte da einer nachgehen, wie das heutzutage überhaupt möglich ist.

  2. schmetterling | 1. Juli 2021 | um 14:50 Uhr

    Es wird viel schöngeschrieben, wenn der Tag lang ist. Am Ende ist keiner für die an den Haaren herbeigezogene Kündigung verantwortlich. Einfach so betriebsbedingt und fertig. So werden kritische Leute entfernt, die sich für die elementare Rechte wie Gesundheitsschutz einsetzen. Solche Leute will man nicht und braucht man nicht. Betriebsbedingt natürlich. Sagt alles übe den “Betrieb” aus