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Rechter Rand

In Taucha gibt es ein neues rechtes Kampfsportzentrum, eine Initiative hält dagegen

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Seit drei Jahren kämpft der Verein SAfT gegen eine rechte Raumnahme in Taucha. Die Kampagne #SolidarischesTaucha soll nun auch die Stadtverwaltung zum Handeln bewegen. Gleichzeitig beunruhigt der Zuzug eines rechten Kampfsportzentrums viele Akteure vor Ort.

Fährt man mit der S-Bahn von Leipzig Richtung Torgau, ist die neue Trainingsstätte des Imperium Fight Gyms kurz vor Taucha gut zu sehen. In dem lachsfarbenen Flachbau herrscht mittlerweile reges Treiben. Benjamin Brinsa alias »The Hooligan« postet häufig Fotos vom Training vor Ort. Brinsa ist ein bekannter und gut vernetzter Neonazi, Stadtrat in Wurzen und Trainer des Imperium Fight Teams, das sich in Mixed Martial Arts übt, einem Vollkontakt-Kampfsport, der bei Rechten immer beliebter wird. Dass nun ausgerechnet Taucha die neue Heimat des rechten Kampfsportzentrums geworden ist, reiht sich ein in eine dort drei Jahre andauernde Raumnahme von rechts.

Dabei ist die Kleinstadt am nordöstlichen Rand von Leipzig ein beschaulicher Ort. Es gibt einen schönen Altstadtkern, viel Grün und einen bunt besprühten Jugendclub, an dem die Parthe entlangfließt – doch verbreitet sich rechtes Gedankengut bei Jugendlichen hier seit einigen Jahren rasant. »Es gibt keine Entwarnung«, sagt Dani von der Initiative SAfT – Solidarische Alternativen für Taucha. »In letzter Zeit haben wieder vermehrt rechte Pöbeleien stattgefunden und zu Himmelfahrt haben wir im ganzen Stadtgebiet verklebte Zettel entfernt, auf dem ein Vorstandsmitglied als ›Linksterrorist‹ bezeichnet und mit Namen und Adresse genannt wurde.« In der Initiative organisieren sich seit 2019 Betroffene und deren Unterstützerinnen, um auf die Verbreitung von rechtem Gedankengut in Taucha aufmerksam zu machen. Denn in der Stadt ist eine rechte Subkultur seit Langem präsent. Schülerinnen berichten von »Sieg Heil«-Rufen und Hitlergrüßen im Klassenzimmer und auf Stadtfesten. Graffiti 
mit rechter Propaganda sowie »NS-Zone« und »Taucha bleibt rechts«-Aufkleber sind immer wieder in der Stadt zu sehen. Auf offener Straße werden Menschen, die ihrem Aussehen nach nicht in das Weltbild der Rechten passen, bedroht und beschimpft.

»Wir sehen hier eine Verstetigung der Vorfälle mit rechtem Hintergrund«, sagt Steven Hummel von Chronik.LE – eine Initiative aus Leipzig, die rechte Vorfälle auf ihrer Internetseite dokumentiert. »Die Ansiedlung eines rechten Kampfsportzentrums wird die Lage noch verschärfen.« Den Zuzug betrachtet auch Emily Meister mit großer Sorge. Sie ist Sprecherin des Jugendparlaments der Parthestadt. »Bei uns gibt es leider bereits jetzt viele Menschen, die rechtes Gedankengut befürworten.« Deshalb initiierte SAfT bereits 2019 den Runden Tisch Taucha, an dem neben dem Jugendparlament auch das Kulturbüro Sachsen und Sozialarbeiterinnen aus den Schulen und dem Jugendclub teilnahmen und Handlungsempfehlungen für die Verwaltung entwickelten. Doch die reagiert nur schleppend.

Zwar gibt es mittlerweile einen kommunalen Präventionsrat und der Stadtrat positionierte sich öffentlich »für Vielfalt, Toleranz und Demokratie«. Doch steht in dem Positionspapier explizit nichts von rechten Ideologien und auf die konkreten Vorfälle in Taucha wird nicht Bezug genommen. Stattdessen heißt es: »Extremistischen Haltungen wollen wir entschlossen entgegentreten.« Mitunterzeichner ist auch die AfD-Fraktion. »Das Positionspapier war anfangs noch umfangreicher«, sagt Steffi Jentho, Stadträtin der Grünen. »Um es auf breite Schultern zu stellen, mussten wir aber Kompromisse eingehen.«

Auf Extremismus auf beiden Seiten des politischen Spektrums verweist auch Emily Meister. »Dennoch ist es wichtig, Maßnahmen gegen die rechte Ideologie zu ergreifen«, betont sie. Am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Taucha gebe es schon Projekte zu diesem Thema, an der Oberschule jedoch nicht. Drei Jahre lang sei dort zudem der Geschichtsunterricht wegen Lehrermangels ausgefallen. »Kein Wunder, dass es dort an Wissen zu dem Thema mangelt«, sagt Meister. »Da sollte auf jeden Fall nachgebessert werden.«

Im Mai wurde vom SAfT die Kampagne #SolidarischesTaucha ins Leben gerufen. Unter dem Slogan verbünden sich ähnliche Akteure wie bereits beim Runden Tisch Taucha. Zusätzlich können sich alle, die sich für ein offenes und antirassistisches Taucha engagieren wollen, dahinter versammeln. »Wir planen eine Plakatkampagne, verteilen Sticker und wollen langfristig auch wieder Aktionstage veranstalten, um einen gemeinsamen Bezugspunkt zu schaffen«, sagt Dani. »Nachdem der eher formelle Weg zu wenig Konkretem geführt hat, wollen wir so auch in Richtung Verwaltung signalisieren, dass wir bei dem Thema nicht lockerlassen werden.«

Denn auch wenn es in urbanen Blasen schwer vorstellbar erscheint, die Neonazi-Szene ist vielerorts wieder zu 
einer florierenden subkulturellen Bewegung avanciert. Dabei helfen auch rechte Fight Gyms, die bundesweit einen Boom erleben und Jugendlichen vermeintliche Idole und Abwechslung bieten. Auch das Imperium Fight Team rund um »The Hooligan« Brinsa erfreut sich einer immer größeren Beliebtheit. All das stimmt zwar fatalistisch, doch lohnt ein Blick nach Bautzen. Dort hat sich der Bürgermeister zusammen mit der Stadtgesellschaft entschieden gegen den Zuzug eines rechten Treffpunkts gewehrt – mit Erfolg.

Der Text erschien zuerst in der Juni-Ausgabe des kreuzer 06/21.

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Ein Kommentar

  1. Thorsten | 1. August 2021 | um 17:40 Uhr

    Leute,

    hört bitte auf damit, alles was völkisch extremistisch ist immer als “rechts” zu bezeichnen. Rechts hat genau daas selbe Recht wie Mitte und Links im demokratischen Sitzplatzspektrum der Meinungsvertreter. Rechts ist nicht gleich “schlecht”. Das ist einfach politisch irreführend und propagandistisch.

    Ihr seid in meinen Augen teils echt die gleichen Spalter und Demokratie-Nicht-Versteher wie die Nazis und Faschisten.