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5. Juli: Die Stadtverwaltung will nicht schlafen

Ein Antrag von Thomas Kumbernuß sorgt für hitzige Debatte

  5. Juli: Die Stadtverwaltung will nicht schlafen | Ein Antrag von Thomas Kumbernuß sorgt für hitzige Debatte

Vorsicht, Unterstellung: Die Stadt Leipzig hat weder Humor, noch schläft sie im Dienst. So lässt sich die Reaktion auf einen Antrag des Stadtrats Thomas Kumbernuß (Die Partei) deuten. Dieser fordert, durch ein Modellprojekt die Auswirkungen von Mittagsschlaf auf die Mitarbeitenden in der Stadtverwaltung zu prüfen – und diesen langfristig einzuführen

Schon im Vorfeld der Sitzung sorgte der Antrag für Furore: Viele Medien berichteten, der Leipziger Verwaltungsbürgermeister Ulrich Hörning (SPD) zeigte sich erzürnt. Dabei gibt es für den Antrag verschiedene Lesarten: Die eine handelt von einem Stadtrat, der sich um das Wohl der Verwaltungsmitarbeitenden sorgt: Um Überlastungen entgegenzuwirken, soll ein »von allen geschätztes und sogar kostenloses Naturheilmittel« eingeführt werden, der Mittagsschlaf. Regeln zur Gestaltung des Pilotprojekts liefert Kumbernuß gleich mit: So sei der Mittagsschlaf als Arbeitszeit zu erfassen und schlaffördernde Maßnahmen, etwa das Abspielen von Hörbüchern, zu erlassen. Soweit Lesevariante Eins.

Eine zweite mögliche Variante bleibt an der Partei des Antragstellers und den Worten »offiziell einführen« kleben: Nach dieser könnte die Forderung des offiziellen Einführens, eine inoffiziell bereits gängige Praxis in der Verwaltung unterstellen. So scheint es Verwaltungsbürgermeister Hörning zu lesen: Von einem Affront ist in seiner Stellungnahme die Rede, sowie von der Inkaufnahme von Schäden am Ansehen der Mitarbeitenden der Stadt zur eigenen satirischen Inszenierung Kumbernuß’.

Nun also die Ratssitzung: »Weil er ausgeschlafen ist heute Mittag, ist er sehr dynamisch«, kommentiert Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) den energisch ans Rednerpult laufende Kumbernuß. »Ich bin immer dynamisch«, kontert dieser. So harmonisch bleibt es nicht lang. In seiner Rede kritisiert der Stadtrat die mangelnde inhaltliche Auseinandersetzung mit seinem Antrag. Dass dieser darauf angelegt sei, das Ansehen der Stadtmitarbeitenden zu beschädigen, sei eine gewollte Fehlinterpretation.

Glückwünsche an Kumbernuß zu einem vermeintlichen »bundesweiten PR-Erfolg« gibt es daraufhin von Hörning. Man habe gegoogelt: Für »Stadt Leipzig Mittagsschlaf« gebe es 173.000 Treffer, für die Kombination mit »Radspuren« – ebenfalls schon Ratsthema – nur 12.000. Man müsse natürlich über mentale Gesundheit sprechen, sagt Hörning. Ein Personalbericht der Verwaltung soll am gleichen Tag noch vorgestellt werden.

Googlen kann auch Michael Schmidt (Die Grünen), »Stadt Stuttgart Mittagsschlaf«: etwa, 157.000 Treffer soll es dafür geben. So dünnhäutig, wie Hörning in seiner Rede mit dem Sachverhalt umgehe, tue er sich und den Verwaltungsmitarbeitenden keinen Gefallen, meint Schmidt. »Ich glaube, Sie machen hier aus einer Mücke einen Elefanten«. Erwartbar eindeutig ist die Abstimmung: Mit nur zwei Fürstimmen wird der Antrag mehrheitlich abgelehnt – eine letzte Unterstellung – möglicherweise zur Enttäuschung manch mittagsmüder Stadtverwalter.


Illustration: Stefan Ibrahim.


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