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Stadtleben

Schloss und Schnee

Meiningen glänzt mit besonderer Atmosphäre gerade im Winter

  Schloss und Schnee | Meiningen glänzt mit besonderer Atmosphäre gerade im Winter  Foto: Weihnachtszauber in Meiningen/Meiningen GmbH: Peter Steinwachs


Großzügige Straßen, prächtige Bauten in Historismus, Jugendstil und Neuem Bauen, reich verzierte Bürgerhäuser in fränkischer Fachwerkbauweise, und still liegen die Parks im englischen Stil. Sie erinnern an die Zeit, als Meiningen zu einem der wichtigsten kulturellen Zentren Deutschlands aufsteigen konnte, als kleine Schwester Weimars. Mitten im Stadtzentrum befindet sich der Englische Garten, am Schloss Elisabethenburg der Schlosspark. Die Werra durchfließt ihn und wird von gusseisernen Brücken überspannt – romantisch. 

Vom Barockschloss Elisabethenburg aus verbreitete sich übrigens der Weihnachtsbaum nach Großbritannien. Also vielleicht. Die Ausstellung in den südlichen Eckräumen der Mittleren Galerie im Schloss erzählt es so: Prinzessin Adelheid Louise Theresa Caroline Amelia von Sachsen-Meiningen war ab 1830 Königin von Großbritannien und Irland sowie Königin von Hannover. Im Vereinigten Königreich nannte man sie nicht Adelheid, aber dafür ist das australische Adelaide nach ihr benannt. In diesem Jahr 1830, kurz nachdem Gatte William IV. König geworden war, veranstaltete Adelheid ein großes Weihnachtsfest im Palast von Brighton und stellte auch einen geschmückten Weihnachtsbaum auf. Für die Kinder im Palast gab es Spielzeuge, Süßigkeiten und alles, was zu einer Meininger Bescherung dazugehört. Nach dem Festessen wurde Musik gespielt und es wurde getanzt. So lässt es sich einer Tagebuchnotiz der 12-jährigen Victoria entnehmen, die später Königin werden sollte und außerdem Adelheids Nichte war. Der Weihnachtsbaumbrauch verbreitete sich dann unter dem Einfluss von Victorias Ehemann Albert von Sachsen-Coburg und Gotha über das ganze Land. Und sommers wie winters steht heute in der Ausstellung im Meininger Schloss ein (künstlicher) Weihnachtsbaum.

Im Schloss gibt es insgesamt fünfzig Ausstellungsräume mit Kunstsammlungen, die teilweise historische Raumnutzungen veranschaulichen; wechselnde Ausstellungen zeigen, was die umfangreichen Sammlungen zu Literatur, Musik und sonstiger Regionalgeschichte im Angebot haben. Unter anderem präsentiert aktuell die Bauerngalerie »freie Kunst für freie Bauern«, nämlich eine zwischen 1987 und 1990 angelegte Sammlung von Objekten aus Malerei, Plastik, Grafik und Fotografie.

Die Haupt- und Residenzstadt des Herzogtums Sachsen-Meiningen wurde international im 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert vor allem durch ihr Theater und ihre Hofkapelle bekannt, dank der Theaterreform unter Herzog Georg II. Richtung Regietheater als Gesamtkunstwerk und durch Dirigenten wie Hans von Bülow und Max Reger. Im höchsten Denkmal der Stadt, der imposanten (neo-)gotischen Stadtkirche Unserer lieben Frauen am Marktplatz, komponierte Reger an der Orgel.

Die profanierte Schlosskirche dient als Konzertsaal Johannes Brahms. Der war hier oft zu Gast. Jean Paul und Ludwig Bechstein lebten in Meiningen, Friedrich Schiller im nahen Bauerbach, wo heute eine Begegnungsstätte eingerichtet ist. Lohnend ist das Theatermuseum »Zauberwelt der Kulisse«, wo die berühmten illusionistischen Bühnenbilder aus der Coburger Werkstatt der Gebrüder Brückner präsentiert werden. Zu sehen sind außerdem eigenhändige Bühnenbild- und Kostümentwürfe des »Theaterherzogs« Georg, der sich von den Historienmalern Wilhelm Lindenschmit d. Ä., Wilhelm Kaulbach und Peter von Cornelius beeinflussen ließ. Das Museumsgebäude diente einst als herzogliche Reithalle. Ebenfalls lohnend ist das heutige Meininger Staatstheater selbst. Dessen gesamte Spielzeit 2025/26 steht im Zeichen des 200. Geburtstages von Theaterherzog Georg, den die Stadt feiert. Das Georgjahr 2026 umfasst unterschiedliche Veranstaltungen von Themenführungen über Workshops für Kinder bis zur Ausstellung von Zeichnungen des Herzogs mit Dinos und Drachen.

Das südthüringische Meiningen ist übrigens nicht weit von der Rhön und dem Thüringer Wald entfernt – beides gute Ziele für den Skilanglauf, zur leichten Piste mit Lift auf dem Gebaberg sind es nur 11, zum Wintersportort Oberhof nur 30 Kilometer. Wer nicht so weit fahren will, kann in Meiningen bis 11. Januar noch die Echteisbahn rund um den Heinrichsbrunnen nutzen.

> www.georgjahr2026.de

> www.meiningermuseen.de


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