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Kultur

Mit queeren Geschichten ins neue Jahr

Die Kinostarts der Woche

  Mit queeren Geschichten ins neue Jahr | Die Kinostarts der Woche  Foto: Filmstill »Die jüngste Tochter«/ Alamode Film


Film der Woche: Queere Geschichten, viele davon mit Coming-out-Thema, wurden im Kino inzwischen einige erzählt. Nur selten stehen dabei jedoch Charaktere mit muslimischen Wurzeln im Mittelpunkt und insbesondere für homosexuelle Frauen aus diesem Kulturkreis fehlen filmische Identifikationsfiguren sowie ganz generell fiktionalisierte Einblicke für ein interessiertes Publikum. Basierend auf dem autobiografischen Roman »Die jüngste Tochter« von Fatima Daas, deren Eltern aus Algerien stammen, inszenierte Regisseurin Hafsia Herzi nun einen starken Film, der einer gläubigen lesbischen Muslima eine Stimme verleiht. Wir lernen die Protagonistin als solide Schülerin aus der Pariser Banlieue kurz vor dem Abitur kennen, die gerne Fußball spielt, sich burschikos kleidet und sich überwiegend mit prahlerischen männlichen Schulfreunden umgibt. Fatima ist der Islam wichtig und sie versucht, sich an dessen Regeln zu halten. Das gelingt ihr aber spätestens mit Antritt ihres Philosophiestudiums immer schlechter, als sie sich hadernd eingestehen muss, dass sie ausschließlich auf Frauen steht. Aus dem überwiegend mit Laien besetzten Schauspielensemble sticht Nadia Melliti als echte Entdeckung heraus – in Cannes wurde sie für ihr Debüt prompt mit dem Preis für die beste weibliche Hauptrolle ausgezeichnet. Sie ist die Seele von Herzis Film, der sich mit viel Fingerspitzengefühl einer nicht immer sympathischen, aber stets glaubwürdigen Heldin widmet. PETER HOCH

»Die jüngste Tochter«: u.a. Passage-Kinos

François Ozon hat schon originäre eigene Stoffe verfilmt, etliche Bühnenstücke und immer wieder Romane (»Sommer 85«, »Alles ist gutgegangen«). Nun hat er sich erstmals an einen Jahrhundertroman gewagt, den 1942 erschienenen »Der Fremde« von Albert Camus. Darin geht es um den jungen Franzosen Meursault, der in den dreißiger Jahren im von Frankreich besetzten Algerien unter Mordanklage gerät. Er soll einen Araber erschossen haben. Vom Auftakt im Gefängnis springt der Film zurück zur Beerdigung von Meursaults Mutter, der dieser seltsam teilnahmslos beiwohnt, und zeigt schließlich auch dessen Freundschaft mit dem Zuhälter Raymond, die in einem Mord am Strand gipfelt. Es ist erstaunlich, wie wortkarg die erste Hälfte von »Der Fremde« angelegt ist, gerade weil sie auf einer so eloquenten Romanvorlage basiert. Aber gemeinsam mit seinem Chefkameramann Manuel Dacosse hat François Ozon hier ganz wundervolle Schwarz-Weiß-Bilder gefunden, in denen die Stimmung und die Themen des Buches auch ohne viele Dialoge vorzüglich transportiert werden. In der finalen Gerichtsverhandlung wird das gesprochene Wort dann deutlich wichtiger, und auch hier gelingt es dem vielseitigen Filmemacher, die von Albert Camus angesprochenen Motive deutlich zu machen. Zugehörigkeitsfragen, Rassenkonflikte und der Komplex um Glaube und Religion sind nach wie vor sehr aktuell. FRANK BRENNER

»Der Fremde«: Passage-Kinos, Schauburg


Weitere Filmtermine der Woche

Die Theorie von Allem
D/A/CH 2023, R: Timm Kröger, D: Jan Bülow, Hanns Zischler, Olivia Ross, 118 min

Selbstbewusst inszenierter, hochspannender und atmosphärischer Mystery-Thriller im Stil des deutschen expressionistischen Films der Kino-Frühzeit.

Cinémathèque, 04.01. 20:15 (OmeU, Tatorte)

Ich will nicht wissen, wer ich bin
D 2009, Dok, R: Christoph Rüter, 60 min

Eine dokumentarische Recherche anhand der Texte von Heiner Müller.

Schaubühne Lindenfels, 09.01. 18:00 (mit Regiegespräch, 30. Todestag Heiner Müller)

John Wick
USA 2014, R: Chad Stahelski, D: Keanu Reeves, Michael Nyqvist, Alfie Allen, 101 min

Ein Ex­-Auftragskiller sinnt auf Rache für die Ermordung seines ge­liebten Hundes. Actionfest mit Keanu Reeves.

Cineplex, 06.01. 20:00 (Best of Cinema)

Kurzfilmrolle: Radical Action! Now! Queer in the 90s

Drei kurze und mittellange Dokumentarfilme über queere Subkulturen in den Neunzigern.

UT Connewitz, 09.01. 19:00 (Queere Filmwoche)

The Shining
GB/USA 1980, R: Stanley Kubrick, D: Jack Nicholson, Shelley Duvall, Danny Lloyd, 146 min

Stanley Kubricks kongeniale Adaption des Romans von Stephen King hat etliche ikonische Momente der Horrorgeschichte geprägt.

Passage-Kinos, 05.01. 20:30 (Literatur trifft Film, OmU)


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