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Stadtleben

Stahl zu Stoff

Das Stoffekontor ist umgezogen und hat sich vergrößert

  Stahl zu Stoff | Das Stoffekontor ist umgezogen und hat sich vergrößert  Foto: Christiane Gundlach


Was haben ein Maserati-Autohaus und ein Leipziger Stoffgeschäft gemeinsam? – Den Standort an der Ludwig-Hupfeld-Straße. Denn dort, wo bis vor einigen Monaten noch italienische Luxusautos verkauft wurden, erstreckt sich jetzt das Sortiment vom Stoffekontor. Statt blank polierter Karosserien und blitzender Felgen also gemusterte Baumwolle und weiche Jerseys. Entsprechend freundlich fällt der Eindruck beim Blick durch die breite Glasfront aus: Hell und bunt ist das Innere, am Eingang lädt gleich eine Cafébar zum Verweilen ein. 

Seit zwanzig Jahren gibt es das Stoffekontor bereits und seine Fläche hat sich nach den beiden vorherigen Standorten im Norden der Stadt mit dem aktuellen Umzug auf tausend Quadratmeter vergrößert. 15.000 Stoffballen und 50.000 Artikel wechselten vor der Neueröffnung Ende November die Adresse. Inhaberin Anja Küthe freut sich über die neuen Räume: »Wir können die ganzen Stoffe viel besser präsentieren«, sagt sie. »Vorher mussten wir sie platzsparend übereinanderstapeln, jetzt liegen sie nebeneinander, so dass man alles auf einmal sehen kann.«

Tatsächlich ist die Auswahl riesig: Neben Dekostoffen, etwa für Sofabezüge, gibt es Bekleidungsstoffe in unzähligen Farben und Mustern, außerdem Zubehör wie Scheren, Knöpfe und Garne – darunter 18 Regalmeter Garne der Firma Mettler. Wer seine Kleidung selbst näht, kann zwischen verschiedenen italienischen Designerstoffen wählen und damit den Modehäusern einen Schritt voraus sein. Denn, so Küthe: »Bevor Konfektionen gefertigt werden können, muss es zuerst die entsprechenden Stoffe geben.«

Auch Freundinnen und Freunde des Stickens sowie Patchwork- und Quilt-Fans finden hier alles, was sie für ihr Hobby brauchen. Und wenn einem gar nichts mehr einfällt, kann man sich Anregungen bei den vielen Regalen mit Büchern und Zeitschriften rund ums Thema Handarbeiten holen. Ein weiterer Schwerpunkt des Ladens sind die Nähmaschinen, besonders die der Schweizer Traditionsfirma Bernina. Das Neun-Meter-Regal mit den modernen computergesteuerten Maschinen sei ein Alleinstellungsmerkmal, sagt Küthe und vergleicht die Bernina mit dem Edelschlitten Maserati. 

Die 51-jährige Leipzigerin wusste schon während ihres Jurastudiums, dass sie beruflich mal etwas anderes machen wollte. Die Liebe zur Nadelarbeit hegte sie schon früh: Küthes Oma war Schneiderin, sie selbst fing mit zwölf Jahren an zu nähen. Schließlich erfuhr sie von einer Frau, die sich von ihrem Stoffbestand trennen wollte – der Grundstock für Küthes Geschäft. Zunächst verkaufte sie von zu Hause aus, während sie ihre drei Töchter großzog. Dabei spielte von Anfang an der Onlineshop eine wichtige Rolle, der sie später auch gut durch die Pandemie brachte. 

Obwohl Handarbeiten und Do it yourself seit Jahren im Trend liegen, findet Küthe, dass sie mit ihrem Geschäft eine Nische bedient. Viele jüngere Menschen seien skeptisch gegenüber Materiellem, was sich unter anderem in den Wohnungen widerspiegele. Während früher beispielsweise Vorhänge selbstverständlich gewesen seien, hätten heute viele Leute keine mehr. »Ich fände es schön, wenn sich die Menschen wieder mehr um ihre Einrichtung kümmern würden.« Ein Laden wie das Stoffekontor ist auf jeden Fall eine Einladung dazu. 


> Stoffekontor, Ludwig-Hupfeld-Str. 30, 04178 (Alt-West), Mo/Di 10–16, Mi–Fr 10–18, Sa 10–14 Uhr, Tel. 03 41/4 68 49 65, www.stoffekontor.de


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