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Kultur

»Es ist cool, wo man überall Tourist sein kann.«

Das Leipziger Hiphop-Duo Dk.Dando veröffentlicht mit »Tourist« ein neues Album.

  »Es ist cool, wo man überall Tourist sein kann.« | Das Leipziger Hiphop-Duo Dk.Dando veröffentlicht mit »Tourist« ein neues Album.  Foto: Sind gerne Touristen: Das Leipziger Duo DK.Dando/Magnus Krach

Dk.Dando, das Leipziger Hiphop-Duo bestehend aus D.K.Denz (Produktion & Beats) und Dando (Text & Stimme) veröffentlicht am 9. Januar mit dem Album »Tourist« ihr elftes Release. Aufgrund einer schweren Fuß-OP treffen wir uns zu einem Tee beim krückentragenden Dando im Waldstraßenviertel. Dort sprechen wir am WG Küchentisch über Dk.Dandos langjährige Zusammenarbeit, das Fremdsein im eigenen Leben und die Prägung durch die DDR.

Sie machen seit neun Jahren Musik. Wie hat sich die Zusammenarbeit entwickelt?

D.K.Denz: Weil wir schon lange Musik machen, sind wir ganz gut eingegroovt. Wir arbeiten immer nach Gefühl und setzen uns selten Ziele. Aber die Herangehensweise verändert sich von Zeit zu Zeit. Jeder wird in seinen Aufgabenbereichen besser und wir schrauben mittlerweile auch getrennt voneinander an den Tracks rum.

Wie kam es dazu, dass der erste Track – mit dem die Thematik »Tourist« eingeleitet wird – ein Dancetrack wird?

Dando: Weil er ungewohnt und überraschend für die Leute ist, die sonst Dk.Dando hören. Er eröffnet ganz gut die »Tourist«-Thematik. Es ist cool, wo man überall Tourist sein oder sich so fühlen kann. Und gleichzeitig verkörpert es für mich den Zeitgeist, der bedeutet, dass man lieber woanders hinschaut statt auf sich selbst.


Wird Leipzig vom Kleinparis zum Babylon?

Dando: Je mehr die Stadt wächst, desto mehr Probleme wird es geben. Es ist vielleicht ein Babylon-Ding, dass man immer denkt, je moderner, schneller und größer alles wird, desto besser wird es für alle. Aber plump gesagt entspricht das nicht der Wahrheit. Man begibt sich dadurch in Ideen, die weit weg von der Lebensrealität der Menschen sind.


Der Lokalpatriotismus schwindet immer mehr. Man hört die Liebe zur Stadt in Ihren Tracks raus, aber sie ist mit Sorge verbunden.

Dando: Bestimmt sind auch Sorgen dabei. Aber man muss eigentlich froh darüber sein, dass mit Leipzig noch eine Heimat mit wunderbaren Menschen besteht. Es ist schon beabsichtigt, dass ich textlich davon weggegangen bin, viele Leipzig-Insider zu haben. Das funktioniert besser, um Leute zu erreichen, die nicht viel mit Leipzig zu tun haben, aber dennoch mit den Texten relaten können. Kleinparis fühlt sich auf einer Art und Weise nicht durchgespielt, aber schon ganz schön oft gemacht an.

»Tage im Gesicht« hat etwas Liturgisches, ja fast wie eine Beichte. Ist da was dran?

Dando: Das war nichts, was ich erreichen wollte, es ist aber von der Stimmung her ein sehr schwerer, getragener Track. Eigentlich ist die Hook inhaltlich eher positiv: Du machst immer mehr und merkst dabei nicht, wie viele Tage schon in deinem Gesicht sind. Es ist ja bei jedem von uns so, dass man viel zu selten checkt, was man alles erreicht hat.

Wie sehr prägt Sie die DDR, die Sie nie erleben mussten?

Dando: Gedanklich mehr, als man will. Da unsere Eltern in der DDR die Hälfte ihres Lebens verbracht haben, wurden uns viele Narrative über die alten und neuen Bundesländer von DDR-Bürgern weitergegeben. Es fällt uns dementsprechend schwerer, gewisse Vorurteile abzulegen, weil wir durch die Sicht der Eltern eine gemütliche Rechtfertigungsperspektive haben. Deshalb ist »Das sollte mir eigentlich bummsegal sein« ein Stück weit der Sound meines Lebens.

Fühlen Sie sich dazu verpflichtet, politische Musik zu machen?

Dando: Nicht verpflichtet. Da ist immer ein Gefühl, was man mit bestimmten Vokabeln, die politischer oder weniger politisch sind und das Gleiche bedeuten, ausdrücken kann. Ich versuche nicht, Politisches zu forcieren.

Sie haben also keine konkrete Message?

Dando: Vielleicht Folgende: Man muss immer den Kontext betrachten und schauen, wie gut es uns geht.


In »Loch im Zaun« wird zum Ende des Albums ein weniger politisches Thema angesprochen. Es geht um Liebe?

Dando: Es geht um meinen Versuch, eine Freundschaft zu beschreiben. Da ist auch safe Liebe im Spiel. Es ist insofern politisch, als dass ich versuche, in meinem Leben Politik nicht über Freundschaft zu stellen.


Das Album hört sich wie ein Konzeptalbum an.

D.K.Denz: Wir haben nach dem Fertigstellen des Albums festgestellt, dass es bisher unser rundestes Ding ist. Man kann »Tourist« schön durchhören. Wenn sich das nach einem Konzeptalbum anhört, dann ist das umso besser.


Ist das Album ein besonders persönliches Projekt?

Dando: Wahrscheinlich ist es für mich ein Stückchen persönlicher als andere Projekte, weil ich durch Tracks wie »Tage im Gesicht« Sorgen, die mich als Privatperson begleiten, teile. Aber ich verarbeite ja keine Traumata. Dadurch ist es ein Album, mit dem wir sehr zufrieden sind und das wir gerne den Leuten zeigen wollen.


Seit über zwei Jahren sind Sie beim Label »Bagage«. Wie sieht die Arbeit im Hintergrund aus?

D.K.Denz: Intensiver als wir uns das damals vorgestellt haben. Es ist ein kleines Label, das daraus besteht, dass viele Freunde Bock haben, etwas zu bewegen. Alle können ihren Teil beitragen und das funktioniert erstaunlich gut, ohne dass da viel Geld im Spiel ist. Es gibt aber enorm viele Aufgaben rund um einen Album-Release. Da sind wir sehr dankbar für dieses gut funktionierende Netzwerk, ohne das ein solches Release unmöglich wäre.


Am 24.1.
findet die Releaseparty mit Onyon in der UT Connewitz statt.

Dando: Es ist unser Traum, in dieser wunderschönen Location zu spielen. Als Artists, die schon einige Locations in Leipzig bespielt haben, ist es auf jeden Fall nice etwas zu bespielen, wo wir noch nicht waren.


DK.Dando, Album-Releasekonzert: 24.1., 20 Uhr, UT Connewitz



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