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Kinder & Familie

»Ein ruhiger und sicherer Ort zum Lernen war kein Nice-to-have, sondern Grundversorgung«

Nach Schließung der Study-Hall in Grünau brauchen die Jugendlichen eine Alternative

  »Ein ruhiger und sicherer Ort zum Lernen war kein Nice-to-have, sondern Grundversorgung« | Nach Schließung der Study-Hall in Grünau brauchen die Jugendlichen eine Alternative  Foto: Jonas Fritzsche

2022 entstand mit der Study-Hall ein außerschulischer Lerntreff im Allee-Center in Grünau. Drei Nachmittage pro Woche, für jeweils fünf Stunden konnten Jugendliche der 5. bis 12. Klasse spontan vorbeikommen – für Hausaufgabenhilfe, zum Drucken oder weil ein Laptop gebraucht wurde. Nach drei Jahren endete die Projektfinanzierung, im November 2025 wurde die Study-Hall geschlossen. Laurine Lutter begleitete die Study-Hall von Anfang an und ist jetzt an einem Übergangsprojekt beteiligt während sie ehrenamtlich nach einer Finanzierungsmöglichkeiten für ein Nachfolgeprojekt sucht. Wir haben uns in den Räumlichkeiten des Heizhauses mit ihr getroffen, wo sie seit zwei Wochen arbeitet.

Die Study-Hall war ein offener Lernort im Allee-Center. Wie kam es dazu?

Während der Pandemie wurde in Grünau klar, wie groß die Bedarfe sind: beengte Wohnungen, kein Internet, keine Technik. Jugendliche versuchten, Aufgaben auf dem Smartphone im öffentlichen Raum zu erledigen. Ein ruhiger und sicherer Ort zum Lernen war kein Nice-to-have, sondern Grundversorgung. Die Stadt Leipzig hat ein Konzept erarbeitet und konnte den Verein Ein Herz für Kinder für eine Projektfinanzierung über drei Jahre gewinnen.


Wie sah der Start aus?

Es wurden zwei ehemalige Büroräume im Allee-Center ausgestattet. Dort konnten Jugendliche allein oder in Gruppen arbeiten. Es gab einige Laptops, Lernmaterial und Honorarkräfte als Lernbegleiter:innen, sowie zwei festangestellte Mitarbeitende, die für die Projektorganisation, Pädagogische Konzeption sowie für Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit verantwortlich waren.


Wie wurde das Angebot angenommen?

Zunächst waren nur wenige Jugendliche da. Solche Projekte brauchen Zeit. Wir haben Schulklassen eingeladen, Kooperationen aufgebaut, Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter:innen informiert. Im dritten Jahr wurden die Plätze dann regelmäßig gut genutzt. Wer einmal kam, kam fast immer wieder.


Warum wurde die Study-Hall trotz des Erfolgs geschlossen?

Die Finanzierung war von Anfang an auf drei Jahre befristet. Ein Herz für Kinder versteht sich als Anschubfinanzierer – starten ja, verstetigen muss die Stadt oder ein Träger. Aber in der aktuellen prekären Haushaltslage sind freiwillige Leistungen kaum möglich. Ein ganzes Projekt zu übernehmen, ist auch nicht möglich. Das wurde frühzeitig kommuniziert, auch weil wir es pädagogisch begleiten mussten. Die Jugendlichen hat die Schließung sehr getroffen. Viele waren wütend oder enttäuscht. In den letzten Wochen ging es viel darum, das aufzufangen.


Wie ging es nach dem Aus weiter?

Wir haben viele Gespräche geführt und um Unterstützung im lokalen Netzwerk gebeten. So wurde das Heizhaus auf uns aufmerksam und hat kurzfristig einen Raum zur Verfügung gestellt. Daraus entstand das Projekt »Skill-Up!« – allerdings in deutlich kleinerem Rahmen: nur einmal pro Woche, mit weniger Ausstattung. Trotzdem wird es gut genutzt. Zuletzt haben sieben Jugendliche die kleinen Räumlichkeiten zum Lernen genutzt und die Lernbegleiter:innen aus der Study-Hall machen jetzt hier weiter. Das Projekt wird auch zukünftig nur eine kleine Übergangslösung bleiben, solange es keine sichere Finanzierung dafür gibt. Wir sind also weiterhin dringend auf Unterstützung angewiesen.


Und parallel arbeiten Sie an einem echten Nachfolgeprojekt?

Ja, das Projekt trägt bisher den Arbeitstitel »Lern:Praxis«. Der Verein Leipziger Modell ist als Träger vorgesehen, er kooperiert eng mit der Leipziger Modellschule. In der alten Post, die gerade umfassend saniert wird, könnte es zukünftig geeignete Räumlichkeiten geben – zentral, sichtbar, direkt neben dem Allee-Center. Das wäre ideal für ein niedrigschwelliges Angebot. Die Förderanträge sind gestellt, aber Zusagen gibt es noch nicht. So ein Projekt mit mehreren Öffnungstagen, Personal und Technik kostet viel Geld. Und die Konkurrenz um Fördermittel ist groß. Dass wir mit Skill-Up bereits eine kleine Alternative aufgebaut haben, freut uns deshalb umso mehr.


Was braucht ein funktionierendes Nachfolgeprojekt unbedingt?

Sichtbarkeit, einen unkomplizierten Zugang und vor allem Verlässlichkeit. Und Netzwerkarbeit ist entscheidend: Stadtteilfeste, Kooperationsrunden, gemeinsame Aktionen. Dort erreicht man die Jugendlichen am besten, manchmal über Umwege. Inhaltlich geht es hier in Grünau vor allem um Grundlagen: eine ruhige Atmosphäre, ein Arbeitsplatz, funktionierende Technik und jemanden, der freundlich fragt: »Kann ich dir helfen?« Mehr braucht es gar nicht.


> SKILL UP! - Lern- und Hausaufgabenhilfe: 14.01., 21.01., 28.01., 04.02.2026, 15:30 – 18:30 Uhr, 
, Ladenzeile, Alte Salzstr. 54, Leipzig-Grünau


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