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Kultur

»Musik gibt mir ganz viel, aber nicht unbedingt Geld«

Julius Forster vorm Konzert seiner Band Hotel Rimini auf der Großen Bühne im Schauspielhaus

  »Musik gibt mir ganz viel, aber nicht unbedingt Geld« | Julius Forster vorm Konzert seiner Band Hotel Rimini auf der Großen Bühne im Schauspielhaus  Foto: Christiane Gundlach

Als »singender Schauspieler« war Julius Forster bereits vor zwei Jahren für das Interview des Monats im kreuzer. Mittlerweile könnte man ihn genauso gut als »schauspielernden Sänger« bezeichnen. Mit Hotel Rimini hat er nun das zweite Album veröffentlicht: Auf »Gefährdete Arten« vereint die Band poetische Alltagsbeobachtungen mit atmosphärischem Kammer-Pop. Ein Gespräch übers Unterwegssein, enger werdende finanzielle Spielräume und wie es ist, mit den eigenen Eltern ein Album aufzunehmen.

Ihr Debüt-Album »Allein unter Möbeln« wurde laut Pressetext in einem Hotel an der Adriaküste aufgenommen. »Gefährdete Arten« soll nun an einer verlassenen Autobahnraststätte entstanden sein. Warum dieses Setting?

Ich glaube, niemand von uns war bislang in Rimini … Wir dachten uns fürs zweite Album, dass die Raststätte ganz gut in die Welt passt, die wir mit diesem assoziieren. Auf dem Album kommen Autobahnraststätten vor, Windräder, karge Felder und Autos, die von A nach B fahren. Vielleicht lag es auch daran, dass wir selber viel auf Tour waren …


Wo wurde das Album denn tatsächlich aufgenommen?

Auf dem Spinnereigelände hier in Leipzig im Studio von Sascha Hünermund, mit dem wir auch unser erstes Album aufgenommen haben. Mit ihm und seinem Studio fühlen wir uns sehr wohl.


Das Album klingt sehr nach Roadtrip: Es 
geht viel ums Wegwollen und Unterwegs-
sein. Wo kommt diese Rastlosigkeit her?

Durch meine Arbeit als Schauspieler und Musiker nimmt das Unterwegssein einen großen Platz in meinem Leben ein. Aber es geht dann vielleicht auch darum, dass man sein aktuelles Leben ins Verhältnis setzt zu dem, was man vom Leben will – und das deckt sich ja nicht immer. Und dann will man vielleicht etwas anderes oder fantasiert sich woandershin. Und wenn man dann da ist, ist es doch ganz anders, als man sich das vorgestellt hat, und man projiziert dann wieder etwas an einem anderen Ort … Ich glaube, das ist etwas, womit sich auch viele Leute, die nicht so viel unterwegs sind, identifizieren können.


Warum der Titel »Gefährdete Arten«?

Erstens ist es ein wohlklingender Titel. Er bezieht sich auf einen Song auf dem Album, wo es um zwei Außenseiter geht, die am Rande des Geschehens sind, sich nicht so wirklich zugehörig fühlen – und dadurch auf eine Art gefährdete Arten sind. Man könnte aber auch sagen, dass so eine Art Musik zu machen wie wir oder diese Art von Bands gefährdete Arten sind.


Warum das?

Ich glaube, dass die realen und finanziellen Spielräume für diese Art von Musik immer kleiner werden. Oder dass sich überhaupt sechs Leute treffen und eine Band gründen und Musik machen und Konzerte spielen. Ich kann mir vorstellen, dass so was weniger wird, weil es immer schwieriger wird, damit überhaupt Geld zu verdienen.


Ist es im Vergleich zu Ihrer Arbeit als Schauspieler schwieriger, sich mit Musik finanziell über Wasser zu halten?

Auf jeden Fall. Ich liebe das Musikmachen, das gibt mir ganz viel, was ich woanders nicht kriege, aber Geld ist das nicht unbedingt. Auch als Schauspieler kann es prekär sein, aber du hast zumindest die Möglichkeit, bei ein paar Drehtagen verhältnismäßig viel Geld zu verdienen. In der Musik wüsste ich jetzt gar nicht, wo man solche Möglichkeiten hätte. Ich weiß nicht mal, ob man bei Helene Fischer in der Band an einem Abend so viel Geld verdient wie eine normale Tagesgage bei einem Dreh.


Das Album ist sehr textlastig, trotzdem erhält auch das Instrumentale viel Raum …

Uns ist es sehr wichtig, dass die Musik einen großen Stellenwert kriegt. Dass auch so was wie die Strings nicht nur Beiwerk sind, die das alles noch ein bisschen andicken, sondern auch im Fokus stehen. Wir haben auch Lust, mit Erwartungen zu spielen, dass dann etwa ein Instrumentalteil innerhalb eines Songs auch mal sechs Takte länger geht, als man es vielleicht vermuten würde. Dass die Musik neben dem Text so eine große Rolle spielt, ist ein Grund,
warum wir so viel Freude daran haben.


Auf dem Album wirken auch Gäste mit, unter anderem Ihr Vater und Ihre Mutter. Wie ist es, mit den Eltern zusammen ein Album aufzunehmen?

Das war total schön. Meine Eltern sind auch Musiker und waren zu Besuch, als wir das Album aufgenommen haben – und dann dachte ich: Na gut, wenn die jetzt schon da sind, dann sollen sie da auch mitspielen. Deshalb spielt meine Mutter im ersten Song des Albums Altflöte und mein Vater ist ans Rhodes gegangen.


In Leipzig spielen Hotel Rimini jetzt auf der Großen Bühne des Schauspiels. Das war naheliegend, oder?

Ich habe es eher als ein bisschen riskant empfunden. Ich finde den Raum extrem schön, habe mich aber gefragt, ob wir ihn überhaupt füllen können. Unser Booker hat dann aber gemeint: Das wird schon. Und tatsächlich ist es jetzt schon ausverkauft … Der Raum hat einfach eine tolle Atmosphäre und ich finde, unserer Musik tut es immer sehr gut, wenn wir einen Raum haben, der sie gut umrahmt. Wir bilden uns zumindest ein, dass die Aufmerksamkeit für die Musik in solchen Räumen noch mal höher ist.


> 18.1., 20 Uhr, Schauspielhaus – ausverkauft, eventuell Restkarten an der Abendkasse


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