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Stadtleben

Die 100 wichtigsten Leipzigerinnen und Leipziger

Eine subjektive Liste

  Die 100 wichtigsten Leipzigerinnen und Leipziger | Eine subjektive Liste  Foto: Picture Alliance/Teutopress


Natürlich kann so eine Liste nicht »richtig« sein, aber sie ist eine prima Grundlage zum Diskutieren – Sie hätten mal bei der Redaktionssitzung zu diesem Heft dabei sein sollen! »Burkhard Jung ist nicht mehr wichtig!«, »Sie wohnt nicht mehr in Leipzig!«, »Der ist nicht wichtig für Leipzig, sondern wohnt nur hier«, »Sein Amt ist wichtig, ja, aber er wird ihm nicht gerecht – also raus!«, »Was heißt denn eigentlich ›wichtig‹?«, »Gibt es am Ende noch eine Quote?«, »Wenn der auf der Liste steht, kündige ich!« … Es war ein schöner Abend. Und jetzt sind Sie dran mit Kopfnicken und -schütteln, Schimpfen und Diskutieren.

Ach ja, selbstverständlich sehen Sie hier Menschen, die nicht alleine etwas auf die Beine gestellt haben, sondern oft Gesichter von Gruppen sind – also den Kopf hinhalten. Ein Beispiel: Sie finden Steffen Kache auf unsererer Liste und mit ihm die Distillery als ganz konkreten und als Symbol-Ort für die Clubkultur Leipzigs – während eine Instanz wie das Conne Island hier nicht auftaucht, weil sie seit Jahrzehnten kollektiv geprägt ist und es eben kein Gesicht für sie gibt. Das gilt auch für viele andere Orte, Vereine und Institutionen Leipzigs, die hier nicht auftauchen und dennoch sehr wichtig für die Stadt sind.


100

Steffen Göpel – Der Gründer der GRK und »König von Leipzig« hatte bei seinem 60. Geburtstag 2025 mehr Prominenz zu Gast als der Leipziger Opernball.

99

Dirk Oschmann – Sein Buch »Der Osten: eine westdeutsche Erfindung« ist ein Bestseller, manche nennen ihn seither Dirk Osch-Osch-Oschdeutschmann.

98

Lisa Angermann – Kann ambitioniert (Frieda) und bodenständiger (Gasthaus Helmut) kochen, ist herzlich und präzise, anspruchsvoll und kreativ. Und im Fernsehen.

97

Malik Yannick – Thematisiert als »Arbeiterkind im Kulturbereich« in den sozialen Medien (»@malik.yannick«) Klassismus und soziale Ungleichheit.

96

Arnold Bartetzky – Beschreibt als Kunsthistoriker und Architekturkritiker Visionen und Träume wie auch Realitäten in der städtischen Baukultur.

95

Schwarwel – Der Comic-Zeichner und Erfinder des Schweinevogels setzt sich heute vor allem empowernd mit ernsten Themen wie Tod und Depression auseinander.

94

Nikita Putilov – Mit technisch feinem Stil und sympathischer Art hat der 1,97-Meter-Schwergewichtsboxer Olympia 2028 fest im Blick.

93

Anne-Cathrin Lessel – Die Lofft-Chefin und Theatervernetzerin lobbyiert erfolgreich für die Freie Szene, etablierte zeitgenössischen Zirkus im Programm – und surft.


92

Petra Klemann – Die gelernte Chemikerin prägte drei Jahrzehnte lang die Kinolandschaft der Stadt: Sie öffnete 1990 das Kino im Grassi und 1997 die Passage-Kinos.

91

Irina Pauls – Die Choreografin und Regisseurin vertanzt Kohlebaggerlandschaften, recherchiert künstlerisch zu Arbeit, Entfremdung und Maschinenbewegungen.

90

Sascha Lange – Bernd-Lutz Langes Sohn machte nicht nur die Leipziger Meuten in der Stadt bekannt, sondern auch eine kleine Band namens Depeche Mode.

89

Annegret Schenkel – Als Maren Glitzer einst nur Dekor, jagt sie im ARD-Vorabendprogramm falsch Antwortende und hält die Fahne des schlauen Leipzigs hoch.

88

Johanna Kaiser – Die Fußball-Innenverteidigerin von Eintracht Leipzig-Süd forscht an der Uni Leipzig zur psychischen Gesundheit im (Nachwuchs-)Leistungssport.

87

Kai Pflaume – Unser Mann im Fernsehen – wurde ohne vorderstes Glied am rechten Zeigefinger mit 14 Zweiter bei der Leipziger Tischtennis-Stadtmeisterschaft.

86

Elmar Schenkel – Anglist, Schriftsteller, Übersetzer, Maler, Ganz-Jahres-Radfahrer und Reisender in Ferne wie Nähe mit Herz für Exzentriker und Mythologie.

85

Almuth Wagner – Steht als Geschäftsführerin des UT Connewitz für den in vielen Augen schönsten Saal der Stadt mit dem in vielen Ohren besten Programm.

84

Christiane Eisler – Von Punks und Jugendwerkhof in der DDR bis heute: Eine museale Retrospektive der engagierten Dokumentarfotografin ist längst überfällig.

83

Rainer Totzke alias Kurt Mondaugen – Philosoph und Steh-Literat in einer Person mit zwei Namen. Inspirierend, vor allem, wenn er ästhetische Anstöße zum Nachdenken gibt.

82

Hannah Suppa – Führt seit 2020 als Chefredakteurin die Leipziger Volkszeitung ins 21. Jahrhundert – mit »Stadtstolz« und im Zeichen der Heiligen Klickzahl.

81

Karsten Peterlein – Gründer und Leiter der Wildvogelhilfe Leipzig; setzt sich ohne viel Federlesens für Vogelschutz ein und klärt über Gefahren auf.

80

Gellért Szabó – Der junge Jazz-Gitarrist komponiert Opern und andere Musikstücke, die er mit seinem Ideal-Orchester vereinnahmend aufführt.

79

Claas Danielsen – Der Dokumentarfilmmacher und Filmnetzwerker prägte zehn Jahre lang Dok Leipzig und war danach Geschäftsführer der Mitteldeutschen Medienförderung.

78

Mira Pöhlker – Herrscht im Leipziger Wolkenlabor über die kleinste Aerosolansammlung der Welt und steigt dem Regenwald aufs Dach – für die Klimaforschung.

77

Mahmoud Dabdoub – Seine Aufnahmen von der schwarz-weißen DDR-Gesellschaft wie aus den palästinensischen Flüchtlingslagern werden immer neu entdeckt.

76

Henriette Lippold – Die Produzentin erhielt 2016 einen Emmy für die Serie »Deutschland 83« und prägt mit »SOKO Leipzig« das Bild der Stadt im deutschen Fernsehen.

75

Friederike Bernhardt – An Theatern in Deutschland, Österreich und der Schweiz gefragte Bühnenmusikerin und Komponistin, die auch als Moritz Fasbender auftritt.

74

Franziska Deutschmann – Vorstand der Louise-Otto-Peters-Gesellschaft, Mitorganisatorin des Frauen-Flinta-Festivals, »nebenbei« Lehrerin für Geschichte und Latein.

73

Michael Kölmel – Ehemaliger Eigentümer des Zentralstadions, Gründer der Filmverleihe Kinowelt und Weltkino, Besitzer des Verlags Zweitausendeins.

72

Dietrich Enk – Der »heimliche Chefkoch« Leipzigs (Pilot, Max Enk, Enk 6, Centralpalast) setzt erfolgreich auf Regionales, frische Ideen und perfektes Handwerk.

71

Sören Pellmann – Seit 2009 im Stadtrat und seit 2017 als Direktkandidat im Bundestag, was seiner Partei 2021 den Wiedereinzug als Fraktion rettete.

70

Karin Wieckhorst – Von der Sprengung der Unikirche übers Kunstfeld in den Achtzigern bis zu Asylunterkünften in den Neunzigern hat die Fotografin festgehalten, was oft vergessen wird.


»Nur am Tisch sitzen in der Kneipe und alles blöd finden, ist für mich auf Dauer zu wenig.« – Miriam Paulsen über ihre Stadtrats-Kandidatur für die SPD im Kreuzer 7/24

69

Urs Jäckle – Der künstlerische Leiter des Krystallpalasts hat ein dramaturgisches Händchen dafür, die Hochkaräter der Artistik an die Pleiße zu holen.

68

Neo Rauch – Teures Aushängeschild der Neuen Leipziger Schule. Wenn die Presse den Maler aber mal nicht überauratisiert, zeigt er sich dünnhäutig.

67

Yung Pepp – Junger Rapper mit Herz und Haltung. Der 17-Jährige aus Plagwitz textet über Freundschaft, Liebe, Träume – und ganz klar gegen Nazis.

66

Miriam Paulsen – Sagt seit 2007 mit ihrem Laden für Design, Bücher und alles, was schön ist, Tschau tschüssi – nach mehreren Umzügen nun in der Kolle.

65

Thomas Stuber – Der Regisseur und Drehbuchautor (»In den Gängen«) ist wichtig für Leipzig, für den deutschen und überhaupt für den Film. 

64

Andreas Platthaus – Der FAZ-Literaturchef und Comic-Kenner ist mit dafür verantwortlich, dass das Feuilleton die grafische Literatur endlich ernst nimmt.

63

Eckehart Grundmann – Bei ihm im Maître und im Grundmann kann sich die Leipziger Bohème mit Kaffee und Zeitung in der Hand wie in einer Großstadt fühlen.

62

Wolfram Lotz – Dramatiker, Hörspielautor, Lyriker und Träumer, dessen Texte und Ideen aus Büchern und von Theaterbühnen in ganz Deutschland strahlen.

61

Messemännchen – Dem Handelsreisenden steckt die Welt im Kopf. Der rauchende Bruder vom Sandmännchen sendet seit 1964 etwas Internationalität aus.

60

Nam Duy Nguyen – Made Haustürwahlkampf great again. Der umstrittene Linken-Politiker ist als erste Person of Color im sächsischen Landtag Vorbild.

59

Noah Dejanović – Der »Student des Jahres 2025« setzt sich für Kinder- und Jugendschutz ein, vor allem in der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern.

58

Almut Haunstein – Seit 2009 am Theatrium in Grünau, seit 2017 als Leiterin des Ortes voller theaterpädagogischer Angebote für Kinder und Jugendliche.

57

Anselm Hartinger – Der Direktor des Stadtgeschichtlichen Museums muss zwischen Stadtgeschichten im Detail und Völkerschlachtdenkmal einen guten Ton finden.

56

Ansgar und Benedikt Schulz Wolkenlabor, Trias-Haus und die Achse Probsteikirche, Global Hub am Leuschner- und Schule am Addis-Abeba-Platz – die Architekten-Brüder prägen die Stadt.

55

Christian Fuchs – Der Reporter deckte extrem-rechte Netzwerke auf, schrieb über den NSU und half, eine Datingplattform weißer Suprematisten zu enthüllen.


»Ich denke, ich habe einen kleinen Teil dazu beigetragen, alte Vorurteile aufzubrechen« – Lukas Krzikalla über sein Coming-Out im kreuzer 2/2023

54

Arne Linde – Seit zwanzig Jahren als Galeristin auf der Spinnerei aktiv. Sie findet immer ein letztes Wort auf gesellschaftliche Entwicklungen.

53

Ronny Maik Lederer – Nimmermüder Museumsleiter, der seinem Projekt eines zeitgenössischen Naturkundemuseums im Bowlingtreff langsam näherkommt.

52

Lucas Krzikalla – Als Rechtsaußen seit 2012 Handballer beim SC DHfK und seit 2022 Vorbild als erster offen homosexueller Mannschaftssportler in Deutschlands männlichen Profiligen. 

51

Meigl Hoffmann – Das Leipziger Original hatte 1990 ein »Goldenes Herz«, später Gohglmohsch und Central-Kabarett – sowie große Verdienste um das Capa-Haus.

50

Daniela Krien – Erzählt in ihren in Ostdeutschland spielenden Romanen menschliches Verhalten angesichts von Verlust, Schmerz und Neuanfang.

49

Angela Seidel – Langjährige Kulturmanagerin in Werk 2 und Cinémathèque. Entwickelte das Konzept eines Filmkunsthauses und trieb es bis zum Aus des Projekts voran.

48

David Schnell – Der Maler der Neuen Leipziger Schule gestaltete ein Fenster in der Thomaskirche und engagiert sich bei Land in Sicht für Demokratie in Sachsen.

47

Heike Geißler – Die Autorin und Performancekünstlerin schreibt systemkritisch-poetische Romane und Essays, zuletzt über »Verzweiflungen« und »Arbeiten«.

46

Steffen Schleiermacher – Nach elf Klavierlehrern ist der Groschen gefallen: Seit den Achtzigern experimentiert der Pianist, Komponist und Dirigent mit Neuer Musik und Musica Nova.

45

Dieter Rink – Stadtsoziologe, der sich Leipzig genau anschaut und dokumentiert, was die erst schrumpfende und nun wachsende Stadt für uns bedeutet.

44

Eva Inés Obergfell – Die Rektorin der Universität gebietet über 14 Fakultäten und 31.000 Studierende. Doch statt Gestaltungskraft zu entwickeln, schleckt sie »Uni-Eis«.

43

Katja Röckel – Seit mehr als 25 Jahren mit »Mrs Pepsteins Welt« bei Radio Blau auf Sendung und Medienpädagogin für Kinder und Jugendliche – »Radiolegende«.

42

Steffen Kache – Der Grandseigneur der Leipziger Clubkultur ist Kopf, Gesicht und Herz der Distillery sowie der Szene in der Außendarstellung.

41

Andreas Dohrn – Sportiver Pfarrer der Peterskirche ohne Berührungsängste im Pressing gegen Nazis, Wohnungsnot, Ausgrenzung und soziale Ungleichheit.

40

Andreas Schulz – Als Gewandhausdirektor hat er seit 1998 die Fäden am Augustusplatz in der Hand (das Gewandhausorchester bespielt ja auch die Oper).

39

Susanne Siegert – Engagiert sich auf Social Media (»@keine.erinnerungskultur«) für Erinnerungskultur und historische Verantwortung zum Holocaust. 

38

René Reinhardt – Belebte mit der Schaubühne Lindenfels den Leipziger Westen schon, als man die Strohballen noch über die Karl-Heine-Straße wehen sah.

37

Susanne Jallow – Seit fast zwanzig Jahren ist der Südplatzspäti Treffpunkt und Nahversorgung für Kiez, Nachteulen oder die Seniorenresidenz – immer mit Che.

36

Sebastian Krumbiegel – Sänger der Prinzen, ja, aber auch vielseitig, wirklich vielseitig engagiert – für Leipzig zeigt Courage, den Flüchtlingsrat, die Kippe

35

Michael Ludwig – Denkt Spinnerei multidimensional – im Luru-Kino und bei berauschenden Führungen, aber auch in seinen Comics und als Facebook-Micha.

34

Küf Kaufmann – Der Theatermann, Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinde und Direktor des Ariowitsch-Hauses vermittelt jüdisches Leben und interkulturelle Bildung.

33

Patrik Fahrenkamp – Der Kopf der Stadtbau AG wollte auf dem Jahrtausendfeld einen Schul-Campus bauen – nach Protesten der Stadtgesellschaft herrscht dort derzeit Ruhe.

32

Skadi Jennicke – Wenn sie 2027 als OBM kandidiert, wird man sagen: Sie hat drauf hingearbeitet – strategisch und erstaunlich leidenschaftslos für eine Kulturbürgermeisterin.

31

Bertram Schultze – Steht als Geschäftsführer für zwanzig Jahre Spinnerei als Kunststandort mit immer noch großer Wirkung auf Reisebusgesellschaften.


»Wenn Sie 215 Millionen haben und schmeißen das Geld zum Fenster raus – dann kommt's zur Tür wieder herein.« – Christoph Gröner 2018 im ARD-Film »Ungleichland – Wie aus Reichtum  Macht wird«

30

Christoph Gröner – In der Stadt vieler exzellenter Schriftstellerinnen und Schriftsteller kommt niemand an den Satz vom Gründer der CG-Gruppe heran.

29

Dirk Panter – Der sächsische Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz sitzt seit 2009 im Landtag und setzt sich dort für Leipzig ein.

28

Martina Hefter – Deutscher Buchpreis 2024 für »Hey guten Morgen, wie geht es dir?«. Ausgebildete Tanzpädagogin, setzt viele Texte auch performativ um.

27

Gerda Matzel – Die Hausärztin engagiert sich ehrenamtlich für queere und marginalisierte Menschen in Sprechstunde und Wissenschaft.

26

Rosi Haase – Seit Jahrzehnten engagiert, um diejenigen sichtbar zu machen, die mit psychischen Problemen an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.

25

Susanne Hampe – Sozialarbeiterin, Mitgründerin und Geschäftsführerin des Opferschutzvereins Bellis, unermüdliche Kämpferin für Frauenrechte.

24

Peter Hinke – Gründer und nach wie vor Kopf der Connewitzer Verlagsbuchhandlung, die by the way auch Keimzelle eines ziemlich guten Stadtmagazins ist.

23

Arndt Ginzel – Der Investigativ-Journalist lüftete mit Thomas Datt den Sachsensumpf und hält die Aufmerksamkeit wach, dass Russland die Ukraine bekriegt.

22

Elke Jäpelt – Immer zu einem Schwätzchen aufgelegt, verschenkt die Kippe-Verkäuferin mit Hut selbst gesuchte Bernsteine, um Freude zu stiften.

21

Gerd Harry Lybke – Mastermind des lokalen Galeriewesens – auch wenn die künstlerische Ausrichtung seiner Galerie Eigen + Art zuletzt eher diffus wirkte.



»Mein politisches Interesse, diesen eigenen Aktivismus habe ich immer mit dem verbunden, was mich persönlich umtreibt« – Gesine Oltmanns im kreuzer-Interview 1/2025


20
Jörg Steinmetz
© Jörg Steinmetz

Michael Wollny – Als international gefragter Jazzmusiker fernab des Gefälligen in der Kunst hätte er ab 2014 als Klavier-Professor an der HMT nur ab und an hier sein können – ist aber in Szene und Stadt präsent und nahbar.
19
Andreas Pein
© Andreas Pein
Ludwig Koehne – Kaufte die Kirow-Werke Anfang der Neunziger für eine Mark und ist seitdem Herr tonnenschwerer Eisenbahnkrane – sowie seit 2020 der luftig-leichten Architektur-Utopie von Oscar Niemeyer als Leipziger Landmark.
18
Opere in Chiaroscuro
© Opere.in.Chiaroscuro
Johannes Herwig – Der Connewitzer schreibt Jugendbücher über Widerstand, Freundschaft und (Leipziger) Geschichte. Sein Debütroman »Bis die Sterne zittern« von 2017 über die Leipziger Meuten ist Schullektüre in Sachsen.
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Matthew James Wilson
© Matthew-James Wilson
Anna Haifisch –Erste Comiczeichnerin mit Gutenberg-Preis. Ihre Figuren erzählen vom Alltag, dem trotz Mühe der Humor nie abhandenkommt. Schon vor dem Auftrag vom New Yorker Museum of Modern Art im Millionaires Club.
16
Christiane Gundlach
© Christiane Gundlach
Ralf Donis – Prinzen sind andere, er ist der König der Leipziger Subkultur. Wusste schon in den Neunzigern, dass Liebe kälter als der Tod ist und es lohnt, über Mutation nachzudenken. DJ, Ilses-Erika-Inventar, alles.
15
Enrico Meier
© Enrico Meyer
Tino Neufert – Seit 15 Jahren als Streetworker in Leipzig unterwegs. Bietet mit seinem Team Gespräche, Kaffee und Unterstützung für Menschen auf der Straße an. Kämpft für Akzeptanz und Miteinander in der Gesellschaft.
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Susann Jehnichen
© Susann Jehnichen
Michael Creutzer – Als Teilauto-Geschäftsführer prägt er seit 26 Jahren das Stadtbild. Und ist schuld, dass sich immer mehr Menschen kein eigenes Auto mehr anschaffen. Sein Unternehmen ermöglicht flexiblere Mobilität und ein wenig weniger zugeparkten Stadtraum.
13
Christiane Gundlach
© Christiane Gundlach
Christoph Ruckhäberle – Ein Tausendsassa – engagiert, dezent im Hintergrund bleibend. Er unterstützt den Verein Land in Sicht, betreibt das Luru-Kino und den Lubok-Verlag – und findet dennoch Zeit, um fleißig künstlerisch zu arbeiten.
12
Christiane Gundlach
© Christiane Gundlach
Gesine Oltmanns – 2025 als zweite Ehrenbürgerin der Stadt ausgezeichnet, trommelt die Bürgerrechtlerin mit der Stiftung Friedliche Revolution unaufhörlich für das Freiheits- und Einheitsdenkmal auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz. [als großes Zitat] »Mein politisches Interesse, diesen eigenen Aktivismus habe ich immer mit dem verbunden, was mich persönlich umtreibt.« – Gesine Oltmanns im kreuzer-Interview 1/2025
11
Christiane Gundlach
© Christiane Gundlach
Svante Pääbo – Der Nobelpreisträger revolutionierte die Archäologie durch molekularbiologische Mittel, kam dem Erbgut des Neandertalers auf die Spur und identifizierte mit seinem Team am Max-Planck-Institut den Denisova-Menschen – eine dritte Homo-Art.

»Feminismus heißt ganz einfach: Gerechtigkeit für alle.« – Christine Rietzke im kreuzer-Interview des Monats 10/2022

10
Christiane Gundlach
© Christiane Gundlach
Nora Pester – Seit 2010 Inhaberin und Verlegerin des Verlags Hentrich & Hentrich mit Sitz im Capa-Haus, also verantwortlich für Bücher zur jüdischen Kultur und Zeitgeschichte. Als Sprecherin des »Tacheles«-Themenjahres zu jüdischer Kultur in Sachsen engagiert sich die gebürtige Leipzigerin für sichtbare jüdische Kultur in den Städten und auf dem Land im Freistaat – auch über 2026 hinaus.
9
Christiane Gundlach
© Christane Gundlach
Christine Rietzke – Seit Mitte der Achtziger in Leipzig, da hatte sie schon einen Brief an den Staatsrats-Vorsitzenden Erich Honecker geschrieben. 1988 Mitgründerin der Zaunreiterin, der ersten unabhängigen Frauenzeitschrift der DDR. Seit 1992 arbeitet sie im soziokulturellen Zentrum Frauenkultur und engagiert sich mit zahlreichen Projekten im Bereich der politischen Bildung und Geschlechtergerechtigkeit.
8
© Bürgerstiftung Leipzig/Winfried Kurzke
Michael Berninger – Ohne den langjährigen Geschäftsführer von Culturträger sähe manches in Stadt und Region anders aus. Per Rad ist er unterwegs in Garten und Landschaft, Kunst und Baukultur, Parks und Flussauen, kümmert sich um alte Obstsorten und Landschaftspflege, Gemeinschaftsgärten und Exkursionen, regionale Ernährung und Artenvielfalt. Und sorgt für Öffentlichkeit, Zugänge und Begegnungen.
7
© Gaby Gerster
Clemens Meyer – Der schreibende Lautsprecher hat mit »Als wir träumten« das Standardwerk für alle jung nach Leipzig Ziehenden vorgelegt. Wie jedes Enfant terrible sonnt er sich zu sehr in dieser Rolle (looking at you, Verleihung des Deutschen Buchpreises 2024) – sein Jubelschrei über den Preis der Leipziger Buchmesse 2008 hallt in seiner ehrlichen Freude aber noch heute durch die Glashalle.
6
© Christiane Gundlach
Torsten Bonew – Würde er wollen, könnte er Oberbürgermeister werden. Doch Leipzigs Finanzdezernent ist seit 16 Jahren eh schon zweitmächtigster Mann im Rathaus – und lässt das andere auch spüren. In fetten Jahren konnte Links-Grün seinen drohenden Finger überm Etat weglächeln. Da diese Zeit nun vorbei ist, macht Bonew CDU-Politik am Rechenschieber. Den Kulturkampf gibt’s aufs Haus.
5
© Zoo Leipzig
Jörg Junhold – Veterinärmediziner mit großer Vision: Sein »Zoo der Zukunft« soll 2028 – zum 150. Geburtstag des Leipziger Zoos – nach über 25 Jahren fertig sein und wird etwa 250 Millionen Euro gekostet haben. Junhold ist seit 1997 als Zoodirektor verantwortlich für eins der wichtigsten Aushängeschilder der Stadt: 1,66 Millionen Menschen kamen 2025, um »Elefant, Tiger & Co.« live zu sehen.
4
© Christiane Gundlach
Lina E. – Antifaschistin, die seit April 2025 wieder im Chemnitzer Gefängnis sitzt. Auf das vom Oberlandesgericht Dresden 2023 gefällte Urteil von fünf Jahren und drei Monaten Haft wegen gefährlicher Körperverletzung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung werden die 2,5 Jahre U-Haft angerechnet. Selbst die »Tagesschau« bezeichnete sie als linke Symbolfigur.


3. Juliane Nagel

© Christiane Gundlach

Geht es um politisches Engagement in Leipzig, kommt man um Jule Nagel nicht herum. Die Linken-Abgeordnete sitzt seit 2009 im Leipziger Stadtrat, seit 2014 vertritt sie außerdem den Leipziger Süden im sächsischen Landtag. Dort erhielt sie in der aktuellen Legislaturperiode zum dritten Mal das Mandat als Direktkandidatin und sicherte gemeinsam mit Nam Duy Nguyen den Einzug der Partei in den Landtag. Auch die Zeit abseits vom »Parlamentsoverkill« (Zitat Nagel) widmet die 1978 geborene Connewitzerin der politischen Arbeit. Nagel ist oft auf Demonstrationen vor Ort, ist in der linken Szene gut vernetzt und seit der Gründung Teil des linken Abgeordnetenbüros Linxxnet. Sie positioniert sich gegen Diskriminierung, für soziale Stadtentwicklung und für Antifaschismus. Unter anderem meldete sie die »Wir sind alle LinX«-Demo zur Solidarisierung mit Lina E. an. Durch ihr Engagement machte sie sich nicht nur bei konservativen und rechten Akteuren unbeliebt, sondern auch weit über Leipzig hinaus bekannt. So stellte die Zeit bereits 2015 die Frage: »Ist diese Frau wirklich so gefährlich?«. Und auch innerhalb der linken Szene polarisiert Nagel. Überregionale Schlagzeilen gab es zuletzt wegen einer Demonstration in Connewitz am 17. Januar, bei der pro-palästinensische Gruppen wegen Nagels Haltung im Nahostkonflikt auch gegen die Politikerin mobilisierten. Nagel selbst teilte im Voraus Aufrufe zur Solidarisierung in Connewitz. Im Umgang mit Gegenwind ist sie inzwischen geübt. ANNIKA ZEGOWITZ


2. Burkhard Jung

© Christiane Gundlach

Der »Nachfolger von …« zu sein, ist sehr oft sehr undankbar. Insofern war beim Nachfolger der angesehenen Leipziger Nachwende-Oberbürgermeister Hinrich Lehmann-Grube und Wolfgang Tiefensee nicht unbedingt davon auszugehen, dass er ganze 21 Jahre im Amt bleiben würde. Doch genau das wird Burkhard »Forever« Jung in ziemlich genau einem Jahr gewesen sein. Dass der ehemalige Deutsch- und Religionslehrer schon jetzt den einen oder anderen Gedanken im Futur II fasst, werfen ihm im Stadtrat eigentlich alle Parteien außer seiner SPD vor. Anerkennen müssen dieselben Leute aber auch, dass es kaum ein besseres Symbolbild für das Verhältnis von Leipzig zu Sachsen gibt, als Burkhard Jung auf einer Bühne mit dem Ministerpräsidenten des Freistaats: Hier der wortgewandte, weltoffene, kulturell interessierte Staatsmann mit Haltung, den man im Gewandhaus eine Buchmesse eröffnen lassen oder ohne Angst vor Peinlichkeiten zum Bundespräsidenten schicken kann – und da, nun ja, Milbradt/Tillich/Kretschmer. Als Pegida nach Leipzig schwappte, sagte vor allem die Stadtgesellschaft entschieden Nein, aber auch dem OBM nahm und nimmt man dieses Nein ab, das mit vielen Jas an anderer Stelle verbunden ist. Von den Fehlern Jungs in zwei Jahrzehnten wird aber als der größte gelten, dass er, der Sonnenkönig Leipzigs, niemanden neben sich duldete und die Thronfolge nun völlig unklar ist. So oder so: Die Nachfolgerin oder der Nachfolger von Burkhard Jung wird es schwer haben – was nicht nur an diesen Zeiten liegt, in denen wir leben, sondern auch am Vorgänger. Vielleicht trauen sich deshalb die Herren Rosenthal und Bonew nicht zu kandidieren. BENJAMIN HEINE


1. Sandra Hüller

© Christian Hüller

Unsere Frau in Hollywood. Und in Cannes. Und: in Leipzig. Seit ihrem internationalen Durchbruch 2016 – zehn Jahre nach ihrem Leinwanddebüt in Hans-Christian Schmids »Requiem« – mit der Hauptrolle in Maren Ades »Toni Erdmann« ist Sandra Hüller in aller Munde. Der Film wurde in den Wettbewerb um die Goldene Palme gewählt und ging im Anschluss für Deutschland ins Rennen um den Auslands-Oscar. Mit dem Doppelerfolg von »The Zone of Interest« und »Anatomie eines Falls«, die 2023 mit den Hauptpreisen in Cannes ausgezeichnet wurden, und Hüllers Oscar-Nominierung als beste Hauptdarstellerin erreichte der Hype um sie seinen bisherigen Höhepunkt: Nicht nur ganz Thüringen fieberte bei der Oscar-Verleihung mit – das Ortsschild von Friedrichroda, wo Hüller aufgewachsen ist, wurde mit »Hülleroda« überklebt und ihre Geburtsstadt zur »Oscar-Stadt Suhl« ernannt. Die 1978 geborene Hüller wurde mit 17 – noch vor dem Abitur – an der Schauspielschule Ernst Busch angenommen. Nach ihrem Studium war sie Ensemblemitglied in Jena und Leipzig, später in Basel, München und Bochum. In der Spielzeit 2024/25 gab sie mit »Penthesile:a:s« am Neuen Theater in Halle ihr Regie-Debüt. Dass auch ihre Musik-EP »Be your own Prince« aus dem Jahr 2020 toll ist, ohne glatt zu sein: geschenkt! In diesem Jahr kommt Sandra Hüller an der Seite von Ryan Gosling in der bislang größten Amazon-Produktion auf die Leinwand: »Der Astronaut«. Was sie aber nicht davon abhält, in Leipzig, wo sie seit rund zehn Jahren lebt und seit 2023 an der HMT Dozentin ist, Texte der Buchkinder vorzulesen oder auf Demos für Demokratie zu sprechen. Ein wenig überraschender, aber würdiger Platz 1 auf dieser Liste. LARS TUNÇAY U. BENJAMIN HEINE



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