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Stadtleben

Genug ist genug

Beschäftigte protestieren gegen geplante Kürzungen an der Universität Leipzig.

  Genug ist genug | Beschäftigte protestieren gegen geplante Kürzungen an der Universität Leipzig.  Foto: Streik vor der Uni Leipzig/Annika Zegowitz


»So geht es nicht weiter!«, schallt es auf dem Kurt-Masur-Platz von einer kleinen Bühne. Die Protestierenden, die sich davor versammelt haben, applaudieren zustimmend. Beschäftigte, Studierende und Lehrende der Universität Leipzig streiken hier, nach einem Aufruf der ver.di, für bessere Arbeitsbedingungen. Im Rahmen des Warnstreiks am 28. Januar findet auch der »Hochschulaktionstag 2026« statt, bei dem ein Bündnis aus Gewerkschaften, Studierenden und Initiativen gegen geplante Kürzungen an der Uni protestiert. Er steht hier unter dem Motto »Gegen Kürzungen an der Universität Leipzig«. Trotz Kälte und Schneematsch sind nach Schätzung von Verdi-Gewerkschaftssekretär Max Leurle fast 800 Personen zu der Kundgebung vor der Uni-Mensa gekommen.

Anlass des Warnstreiks ist ein Tarifkonflikt im öffentlichen Dienst. Die Streikenden setzen sich nach Angaben von Verdi für die Forderungen von sieben Prozent mehr Lohn, mindestens aber 300 Euro mehr, ein. »Nehmen Sie uns wahr«, fordert beispielsweise Henriette Habelt, die an der Universität im wissenschaftsunterstützenden Bereich als Sekretärin arbeitet, in ihrer Ansprache: »Wir wollen angemessen bezahlt werden«.

Verschärft wird die Situation durch die geplanten Kürzungen an der Universität Leipzig, gegen die beim Hochschulaktionstag protestiert wird. Denn: Der Uni fehlt Geld. Es gäbe ein strukturelles Defizit von 16 Millionen Euro, gab ein Sprecher der Universität an. Besonders im Personalbereich seien Einsparungen nötig: »Aber ausschließlich durch reguläre Fluktuation sowie Veränderungen in der Organisationsstruktur.« Das Budget für Personalkosten sei deshalb auf 94 Prozent gedeckelt worden. Betriebsbedingte Kündigungen werde es nicht geben, so der Sprecher der Universität weiter, allerdings einen Verzicht auf vorgezogene Nachbesetzung von Stellen bei Altersabgang oder Befristungsende, eine sechsmonatige Stellenbesetzungssperre für alle Professuren sowie eine Reduktion des Sachmittelbudgets. Wie viele Stellen nicht nachbesetzt werden, könne man aktuell noch nicht sagen.

Laut Angaben von Verdi sind es in mehreren Fakultäten bis zu 20 Stellen, die nach Ende der Befristung nicht verlängert werden. Die Gewerkschaft führt in ihrer Pressemitteilung aus, dass Promovierende besonders hart von den Kürzungen betroffen seien. Sie seien oft befristet für zwei bis drei Jahre angestellt, erklärt Gewerkschaftssekretär Leurle, und deshalb auf eine Verlängerung ihres Vertrags angewiesen. Diese Folgeverträge würden allerdings für viele nicht mehr ausgestellt werden: »Das sind Leute, die ihren Job verlieren – sie werden halt nicht gekündigt, sie bekommen nur keine Stellen mehr«, führt er aus. Das sei mit Lethargie und Zukunftsängsten verbunden: »Viele fragen sich, ob sie überhaupt einen Platz in der Wissenschaft finden können.«

Im Rektorat und in der Zentralverwaltung werde aktuell kritisch geprüft, welche Aufgaben in Zukunft nicht mehr erbracht werden können und wie Prozesse effizienter und mit weniger Personal bearbeitet werden können, heißt es von Seiten der Universität Leipzig. Leurle kritisiert, Beschäftigte vor vollendete Tatsachen zu stellen. Das Bündnis Hochschulaktionstag fordere von der Uni, in die Nachverhandlungen zu gehen, erklärt er: »Die Universitätsleitung muss klar in Kritik und in den Konflikt mit der Landesregierung gehen, die Kürzungen kritisieren und nachverhandeln über das Budget.« Es sei wichtig, zu verhindern, dass Nachwuchswissenschaftler in der Promotionsphase ohne jede Unterstützung alleine gelassen werden.


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