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Kultur

Neuer Opernintendant

Nach dem gescheiterten Auswahlverfahren im letzten Jahr glänzt die Stadt Leipzig nun auch bei der Verkündung des neuen Intendanten und Operndirektors nicht gerade.

  Neuer Opernintendant | Nach dem gescheiterten Auswahlverfahren im letzten Jahr glänzt die Stadt Leipzig nun auch bei der Verkündung des neuen Intendanten und Operndirektors nicht gerade.  Foto: Marco Sommer


Kulturbürgermeisterin Skadi Jennicke ist Kandidatin der Linken bei der OBM-Wahl im Februar 2027. Das hat ihre Partei am Abend des 12. März entschieden. Nur ein paar Stunden zuvor konnte sie Vollzug melden: »Das Auswahlverfahren zur Neubesetzung der Intendanz der Oper Leipzig hat zu einem Ergebnis geführt«. Erst danach kommt die eigentliche Info: »Ab Sommer 2028 soll Peter Heilker zum Intendanten und Operndirektor der Oper Leipzig berufen werden und die künstlerische Leitung übernehmen.«

Das Foto, das der Pressemitteilung zugefügt ist, zeigt Heilker auf einem Flur – mit abgeschnittenen Beinen und viel Platz über dem Kopf. Dasselbe Bild war schon im Magazin des Wiener Bühnenverein abgedruckt, wurde also mindestens schon im April 2025 geschossen. Warum kein frisches Porträtfoto für den künftigen Chef von rund 740 Angestellten? Hatte man keine Zeit dafür? Und warum nennt die Pressemitteilung nicht den Zeitraum, für den Heilker als Intendant berufen werden soll? Normalerweise ist die Vertragsdauer ein Standard. Wurde hier »mit heißer Nadel gestrickt« (damit die OBM werden wollenden Kulturbürgermeisterin einen Erfolg vermelden kann)?

Als die Stadt Leipzig die Suche nach einem neuen Intendanten für die Oper und die musikalische Komödie startete, suchte man in der Ausschreibung »eine Persönlichkeit mit weitreichenden Erfahrungen … sowie internationaler Vernetzung« und malte das Bild einer Oper Leipzig unter den »führenden Opernhäusern« Deutschlands auf einem »exzellenten, künstlerischen Niveau.« Dieses Qualitätsniveau gelte es auch in Zukunft zu erhalten und auszubauen. Inzwischen heißt es im Wirtschaftsplan der Oper kleinlaut: »Der Eigenbetrieb verfügt perspektivisch spätestens ab 2028 nicht mehr über die notwendige Liquidität, um den geregelten Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten.«

Startet der neue Intendant also in einem ungeregelten Betrieb? Und wie fände die Oper in einen geregelten Betrieb zurück? Wäre das dann ein neuer? Das Theater an der Wien, wo Heilker jetzt arbeitet, ist ein »Stagione-Haus« – grob gesagt folgt hier eine Produktion auf die andere. Das Haus stellt dafür die Infrastruktur samt Technik bereit. Die Ensembles werden für die Produktionen jeweils neu zusammengestellt. Man arbeitet mit dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien oder mit den Wiener Symphonikern. Als Chor kommt der Arnold-Schoenberg-Chor ins Spiel. Man kooperiert mit anderen Häusern von Rang und gewinnt auch mal einen schönen Preis, darf sich dann »Opernhaus des Jahres« nennen. Neben Intendant Stefan Herheim, einem renommierten Regisseur, ist Heilker hier sein Stellvertreter sowie Programm- und Castingdirektor.

In Leipzig soll er nun Intendant und Operndirektor werden, was vom Aufgabenbereich dem Programm- und Castingdirektor nahekommt. Sind also schon Weichen Richtung Stagione gestellt? Könnte in der Oper Leipzig künftig neben dem Gewandhausorchester auch ein MDR-Sinfonieorchester oder das Orchester der Musikalischen Komödie spielen? Werden Opernchor und Ballett perspektivisch ausgegliedert? Wird das bestehende Solistenensemblepeu à peuabgewickelt und für jede Produktion neu gecastet? Das Stagione-Prinzip wird einem Repertoire-Prinzip, dem die Oper derzeit folgt, gerne gegenübergestellt. Stagione sei kostengünstiger, heißt es oft. Entscheidend ist: Würde eine Stagione-Spielweise auch ausreichen, um das strukturelle Defizit der Oper Leipzig aufzulösen, das daraus resultiert, dass Leipzigs Haushalt immer mehr Lasten schultern muss, ohne das Finanzmittel adäquat gestiegen sind.

Vielleicht wäre eine Stagione-Oper für die Musikstadt Leipzig eine gute Lösung, vielleicht sogar überlebensnotwendig. Es wäre aber ein radikaler Bruch mit der bisherigen Struktur des Repertoire- und Ensembletheaters – allerdings auch nicht der erste in der Geschichte der Musikstadt Leipzig.

Transparenz ist schön. Viele unbeantworteten Fragen stehen im Raum. Gilt ein Stagione-Prinzip auch für die Musikalische Komödie und das Ballett? Welchen Kurs wird Lydia Schubert während ihrer Interimsintendanz von Sommer 2026 bis Sommer 28 steuern, denn das ist auch ein Resultat der Intendanzfindung: Sie wird ein Jahr länger am Ruder stehen. 

Der Stadtrat soll Ende April die Personalie Heilker bestätigen.



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