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Kultur

Sichtbar machen

Die Kinostarts der Woche

  Sichtbar machen | Die Kinostarts der Woche  Foto: Filmstill »Kuchen für den Präsidenten«/ Vuelta


Im Februar wird weltweit der Black History Month gefeiert, der dazu aufruft, die reichhaltige Geschichte und Leistungen der Schwarzen Community zu würdigen. Ursprünglich von Carter G. Woodson in den USA ins Leben gerufen, dient dieser Monat seit 1926 als Anlass, um auf die Marginalisierung der Schwarzen Geschichte aufmerksam zu machen. Die Schaubühne Lindenfels und das Ost-Passage-Theater schließen sich an mit sorgfältig kuratierten Filmprogrammen.

»Black History Month«: 4.-25.2., Ost-Passage-Theater, 7.-28.2., Schaubühne Lindenfels



Film der Woche: Während der Irak vom Krieg erschüttert wird, lässt Saddam Hussein seinen Geburtstag landesweit feiern. Auch die neunjährige Lamia erlebt den staatlich verordneten Jubel hautnah: In ihrer Schule wird sie ausgelost, zu Ehren des Präsidenten einen Kuchen zu backen. Ihr bester Freund Saeed soll frisches Obst besorgen. Was harmlos klingt, wird für die beiden Kinder zu einer kaum zu bewältigenden Aufgabe. Denn Lebensmittel werden immer teurer, wenn sie überhaupt noch verfügbar sind. Doch wer seinem Auftrag nicht nachkommt, riskiert harte Strafen – nicht nur für sich selbst, sondern für die ganze Familie. Und so begeben sich die beiden in die Stadt, auf der Suche nach Mehl, Zucker, Eiern und Backpulver. Ohne explizit auf die politischen Verhältnisse einzugehen, schildert »Ein Kuchen für den Präsidenten« die Situation im Irak zu Beginn der 90er Jahre aus der Perspektive der Kinder. Lebensmittelknappheit, verwundete Soldaten, überlastete Polizeistationen und Krankenhäuser ohne Medikamente – das alles findet am Rande statt, gibt dem Film aber die perfekte Balance aus kindlichem Abenteuer und großer Ernsthaftigkeit. Seine Premiere feierte Hasan Hadis Film in Cannes, und wurde in seiner Sektion mit dem Publikumspreis und der Camera d’Or ausgezeichnet. Selten genug ist ein irakischer Film in den deutschen Kinos zu sehen. Schön, dass es gerade dieser auf die große Leinwand geschafft hat. HANNE BIERMANN

»Ein Kuchen für den Präsidenten«: ab 5.2., Passage-Kinos, Kinobar Prager Frühling


2009 gab Park Chan-wook (»Old Boy«) bekannt, er wolle den Roman »Die Axt« von Donald E. Westlake adaptieren. Nach eigener Aussage wusste er damals nichts von der Adaption, die Costa-Gavras bereits einige Jahre zuvor in Frankreich realisiert hatte. Es sollte 16 Jahre dauern, bis dieser Plan tatsächlich Realität werden würde und es erscheint folgerichtig, dass »No Other Choice« nun, sechs Jahre nach dem koreanischen Überhit »Parasite« von Bong Joon-ho erscheint, denn beide Filme scheinen verwandt, ohne dass sie einander gleichen. »No Other Choice« ist eine bitterböse Gesellschaftssatire über Status und den Wert des Materiellen. Man-su hat alles, was er sich erträumt hat. Das macht die Eröffnungssequenz mit seinem unwirklichen Himmel über dem Designerhaus überdeutlich, in dessen Garten der Familienvater, seine bildhübsche Frau, seine beiden Kinder und die beiden Hunde gruppenkuscheln. All das wird bedroht, als Man-su seinen Job verliert. 25 Jahre hat er in der Papierindustrie gearbeitet. Nun werden er und seine Kollegen wegrationalisiert. Der finanzielle Druck wächst und die Bewerbung in anderen Unternehmen scheint aussichtslos. Also beschließt Man-su kurzerhand, die Konkurrenz auszuschalten. So breit die Umrisse erscheinen, in denen Park die Geschichte rahmt, so unberechenbar ist ihr Verlauf. Jede Szene ist eine Wundertüte an Ideenreichtum, sowohl erzählerisch als auch inszenatorisch ein irrer Ritt.

»No Other Choice«: ab 5.2., Passage-Kinos, Cineplex


Bebende Schnauzen, leicht zuckende Ohren. Meist zeigt Regisseurin Eliza Petkova ihre sechs Protagonisten, Pferd, Hund, Ziege, Katze, Schaf und Esel in aufmerksamer Haltung. Geduldige Kameraeinstellungen, oft in Nahaufnahme, lassen die Zeit vergessen: wenn erste Schneeflocken in das weiß-schwarz gefleckte Fell der Katze Marga einsinken, oder die Pferdemähne von Tonka im Herbstwind weht. Die oft bedrohliche Soundkulisse aus Trommeln und dissonanten Tönen scheint erst dann passend, wenn die Menschen auftreten. Zwar leben die Einwohnerinnen und Einwohner des bulgarischen Bergdorfs Pirin in enger Beziehung zu den Tieren. Doch in ihrer Fürsorge liegt auch Gewalt. Der Esel Doncho schleppt Waren über weite Bergstrecken. Während der Hirte sanft über das Fell der Ziege Valya streicht, sagt er: »Ich möchte, dass du 30 Kilo bis Dezember wiegst.« Gleichzeitig scheint die menschliche Herrschaft fragil. Katze Marga ist eine Vampirin, seit sie über ihren toten Ehemann gesprungen war, teilt ihre Besitzerin benachbarten Frauen mit. Sie verhexe jeden, der ihr begegnet. Still scheinen die Tiere den Gesprächen zu lauschen. Der Film schreitet fragmentarisch voran, es gibt keinen roten Faden zu fassen. Zunehmend lässt »Stille Beobachter« die Zuschauenden ihre eigenen Annahmen über die Handlungen der Tiere infrage stellen. Am Ende bleibt neben der Beunruhigung die Demut, abseits des Bildschirms genauer auf die mit uns lebende Natur zu schauen. YI LING PAN

»Stille Beobachter«: ab 5.2., Cineding


Weitere Filmtermine der Woche

Falsche Bekenner
D 2004, R: Christoph Hochhäusler, D: Constantin von Jascheroff, Manfred Zapatka, Victoria Trauttmansdorff, 94 min

Ein junger Mann gesteht Taten, die er nicht begangen hat.

Cineding, 05.02. 19:00 (Reihe Grenzgänger)

Lonig und Havendel
D 2025, R: Claudia Tuyết Scheffel, D: Tri An Bui, Nano Nguyen, Volker Scheffel, 116 min

In ihrem Debütfilm erzählt Claudia Tuyết Scheffel von Fremdheit, Alltagsrassismus und familiärem Erwartungsdruck im Erzgebirge.

Cineding, 06.02. 19:00 (OmeU)

Ungeduld des Herzens
(D 2025)

Ein intensives Psychodrama über die Sehnsucht nach Nähe, die Grenzen von Empathie und die Unmöglichkeit, für andere zu leben. Frei Stefan Zweigs Roman.

Schaubühne Lindenfels, 06.02. 20:30 (Filmgespräch mit Hauptdarstellerin, Reihe Newcomer)

Au cimetière de la pellicule
F/SEN/GN/SA 2023

Ein vielschichtige Bild des Landes Guinea, dem eine Pionierrolle im afrikanischen Kino zugesprochen wird.

Schaubühne Lindenfels, 09.02. 18:30 (Black History Month, OmeU, Soirée cinéma)

21 Gramm
USA 2003, R: Alejandro González Iñárritu, D: Sean Penn, Naomi Watts, Benicio Del Toro, 120 min

Ein tödlicher Autounfall verknüpft das Leben dreier Menschen. Der brillant inszenierte und montierte Film wirft existenzielle Fragen auf und beeindruckt vor allem mit Stimmungen und Gefühlslagen, in die er den Zuschauer einbezieht.

Passage-Kinos, 13.02. 19:00 (Psychoanalyse trifft Film)

Auf der Kippe
D 2023, Dok, R: Britt Beyer, 86 min

Porträt der Lausitz vor dem Kohleausstieg und wie sich die Gegend im Namen des Strukturwandels neu erfinden muss.

Budde-Haus, 08.02. 16:00 (mit Regiegespräch)

Blame
CH 2025, Dok, R: Christian Frei, 122 min

Der gefeierte Dokumentarfilmer Christian Frei widmet sich in seinem bildgewaltigen Essay der Corona-Pandemie und der Rolle der Wissenschaft zwischen Forschung und Verleumdung.

Passage-Kinos, 08.02. 13:00 (EinBLICK)

Dakan
F/GN 1997, R: Mohamed Camara, D: Cécile Bois, Mamady Mory Camara, Muhammad Camara, 89 min

Manga und Sori sind noch Schüler, als sie sich ineinander verlieben. Als sie ihren Eltern von ihrer Liebe erzählen, stoßen sie auf Unverständnis. Soris Vater sorgt dafür, dass die beiden Liebenden in getrennte Klassen versetzt werden. Beide Jungs versuchen, gegen ihr Schwulsein anzugehen.

Ost-Passage-Theater, 11.02. 20:30 (Black History Month, OmeU)

Der grüne Kakadu
AT 1932, R: Franz Hohenberger, 68 min

Armut, Unterdrückung, Mord, Gewalt, Liebe – der packende Krimi thematisiert alles Weltbewegende in der zum zwielichtigen Lokal umdekorierten Werkstätte des Ottakringer Rauchfangkehrers. Der Amateurstummfilm steckt voller Geschichte(n) und spannenden Ansichten des alten Wien.

Ost-Passage-Theater, 11.02. 20:30 (Black History Month, OmeU)

Luru Archive: Der Tod ritt dienstags / Von Mann zu Mann
D/I 1967 R: Tonino Valerii, D: Giuliano Gemma, Lee van Cleef, Christa Linder, 114 Min
I 1967 R: Giulio Petroni, D: Lee van Cleef, John Phillip Law, Luigi Pistilli, 116 Min

Ein alternder Pistolenheld lehrt in »Der Tod ritt dienstags« einen Jungen sein Handwerk. Als der Schüler erkennt, dass sein Lehrer ein Mörder ist, kommt es zum Duell. In »Von Mann zu Mann« rächt sich ein Überlebender fünfzehn Jahre nach der Ermordung seiner Familie mithilfe eines betrogenen Banditen an den Mördern.

Luru-Kino in der Spinnerei, 09.02. 20:00

Nur die Füße tun mir leid
D 2019, Dok, R: Gabi Röhrl, 90 min

Gabi Röhrl dokumentiert ihre Reise auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela.

Cineplex, 11.02. 15:00 (Reisefilm)

Prinzessin Mononoke
J 1997, R: Hayao Miyazaki, 128 min

Prinzessin Mononoke lebt zusammen mit Wölfen in einem riesigen Wald. Doch die Zivilisation frisst sich immer weiter in die Natur hinein und die Menschen machen Jagd auf den mächtigen Waldgott. Mitten hinein in diesen Konflikt gerät der junge Krieger Ashitaka. In einer einnehmenden Abenteuergeschichte thematisiert Miyazaki die Umweltzerstörung und die Frage, ob es eine echte Koexistenz von Mensch und Natur geben kann.

Passage-Kinos, 12.02. 20:30, CineStar, 20:00 (OmU)

Streik
F 2018, R: Stéphane Brizé, D: Vincent Lindon, Mélanie Rover, Jacques Borderie, 109 min

Als im französischen Anges ein Werk geschlossen werden soll, ziehen die Mitarbeiter in den Arbeitskampf. Ein wütender Film über den verzweifelten Kampf gegen die Ungerechtigkeit.

Cineding, 12.02. 19:00 (OmU, Reihe »Gewerkschaftskino«)

Young Soul Rebels
GB/F/D/E 1991, R: Isaac Julien, D: Valentine Nonyela, Mo Sesay, Dorian Healy, 105 min

Mischung aus Thriller und schwuler Liebesgeschichte im London des Jahres 1977.

Ost-Passage-Theater, 11.02. 19:00 (Black History Month, OmeU)


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