anzeige
anzeige
Kultur

Eigenartiges Jubiläum

Der Salon Similde feiert am 26. Februar mit einer Mitmachausstellung zehnten Geburtstag

  Eigenartiges Jubiläum | Der Salon Similde feiert am 26. Februar mit einer Mitmachausstellung zehnten Geburtstag  Foto: Ein Abend im Salon Similde/Kay Brudy


Die 260. Veranstaltung in zehn Jahren absolviert der Salon Similde am 26. Februar in der Connewitzer Simildenstraße Nummer 9. Eingeladen wird zur Ausstellung »X! Jubiläumsshow: 2016–2026=#260«. Der Ausstellungs-, Vortrags- und Aktionsraum oder auch »einer der wenigen komplett unabhängigen Kunsträume in der Stadt«, wie es Mitinitiator Alexander Pehlemann im Gespräch mit dem kreuzer erklärt (für den er bekanntlich auch ab und an schreibt), ruft aus dem Anlass das künstlerische Umfeld des Salons auf, mit dem X – der Zehn, dem Kreuz oder was auch immer Einzelne darin sehen mögen – zu arbeiten, um dann pünktlich an dem Donnerstagabend Werke mitzubringen. Denn die Jubiläumsschau setzt sich direkt vor Ort zusammen – und dauert wie alle Ausstellungen hier nur diesen einen Abend lang.

Der Vorläufer des Salons befand sich bis 2014 im Hinterhaus der Bornaischen Straße 31. Dies stellt wiederum keinen unbeschriebenen Ort in der Leipziger Subkultur dar – daher ein kurzer Ausflug in die lokale Kunstgeschichte: Anfang 1985 – die Straße hieß damals noch Fritz-Austel-Straße – mieteten Akos Novaky und Gerd Harry Lybke die ehemaligen Fabrikräume im Hinterhaus der Nummer 31 an. Hier sollte eine Selbsthilfe- oder auch Produzentengalerie entstehen. Das Stifterfest für die Sanierung der verschlissenen Fabrikräume fand am 27. Juni 1985 in der Gaststätte Marienburg (heute bekannt als Frau Krause) in der Simildenstraße 8 statt – unter anderem mit Werken von Lutz Dammbeck, Klaus Elle, Günther Firit, Frieder Heinze, Michael Kuhnert, Akos Novaky, Peter Oehlmann, Gudrun Petersdorff, Ingo Regel und Olaf Wegewitz.

Die erste Ausstellung eröffnete vor Ort am 25. Oktober 1985 als Galerie Eigen+Art. Bis zu deren Umzug in die Zentralstraße 1990 fanden fast 60 Ausstellungen hier statt.

Als Alexander Pehlemann 2009 nach Leipzig zieht, sieht er sich eine Wohnung im Vorderhaus an. Das leer stehende, etwas sanierte Hinterhaus hätte auch zur Miete gestanden – Pehlemann erkennt es wenig später als die ehemalige Galerie Eigen+Art im Film »Behauptung des Raums. Wege unabhängiger Ausstellungskultur in der DDR« von Claus Löser und Jakobine Motz (2009), der mit Originalmaterial aus der Zeit arbeitet – unter anderem dem Eigen+Art-Videoarchiv.

Später zieht Pehlemann in das Hinterhaus – und sieht es in Anbetracht der Geschichte des Ortes »als Verpflichtung und Chance, diesen öffentlich zu nutzen«. Unter der Bezeichnung Kultúrny dom B31 (slowakisch Kulturhaus) organisiert er Veranstaltungen, die erste Ausstellung widmet sich der Neuen Slowenischen Kunst – NSK, ein 1984 gegründetes interdisziplinäres Künstlerkollektiv aus Ljubljana, dem unter anderem Laibach und das Malerkollektiv IRWIN angehören. Bei dieser Ausstellung trifft Pehlemann auf die Leipziger Künstler Carsten Busse und Jens Pfuhler, die zuvor das Mobile Büro für Erdangelegenheiten mitinitiiert haben und wie Pehlemann sehr an der NSK interessiert sind. Es folgen im Wohnzimmer Veranstaltungen, unter anderem auch eine Ausstellung von IRWIN im Jahr 2014. Unmittelbar danach endet das Kapitel Bornaische Straße und findet sich in der Simildenstraße 9, einem Haus der Alternativen Wohngenossenschaft Connewitz, ein neuer Ort. Er eröffnet 2016 mit einer Ausstellung zu 100 Jahren Dada. Jeden Donnerstag soll es von da an eine Veranstaltung geben, mit der Zeit entwickelt sich daraus ein 14-tägiger Rhythmus. Neben dem Interesse an der slowenischen Kunst entsteht eine Hinwendung zur Neuen Sorbischen Kunst mit dem Einstieg von Bernhard Schipper in den Kreis um Pehlemann, Busse und Pfuhler. Von der früheren Galerie Bipolar schließen sich Kay Brudy und Ulrike Lux dem Team in der Simildenstraße an. Ausgestellt werden neben den Arbeiten der Residenz-Pilotenküche »historische« Positionen wie Jörg Herold oder Florian Merkel, aber auch Studierende der HGB. Die Website des Salons listet alle Veranstaltungen der letzten zehn Jahre im Detail auf.

»Mehr Mehrgenerationswirken wäre für die nächsten Jahre gut«, betont Pehlemann, Jahrgang 1969, nach der Zukunft des Salons befragt. Den Raum bewirtschaftet das Kollektiv aus eigener Kraft ohne beantragte Kulturamtsgelder.

Auch nach der Jubiläumsschau gibt es wie gewohnt jeden zweiten Donnerstag um 20 Uhr eine Ausstellungseröffnung – unter anderem Anfang Mai Dorit Löffler und Kurt Mondaugen, die 2025 »Vom Verschwinden – zu Poesie und Philosophie der Insekten« gemeinsam erkundeten. Im bereits erwähnten und auf Spendenbasis erhältlichen Katalog von vor drei Jahren schließt Carsten Busse seinen Text mit den Worten: »Unser Ziel ist es, diesen Raum für Kunst und (Sub-)Kultur so lange wie möglich zu erhalten und weiter kontinuierlich mit Leben zu erfüllen.« 


>»X! Jubiläumsshow: 2016–2026=#260«: 26.2., 20 Uhr

> www.salon-similde.de


Kommentieren


0 Kommentar(e)