anzeige
anzeige
Stadtleben

Maultaschen und syrischer Thymian

Das Stern & Weinmann in der Südvorstadt ist ein gemütlicher Ort zum Essen, Trinken und Verweilen

  Maultaschen und syrischer Thymian | Das Stern & Weinmann in der Südvorstadt ist ein gemütlicher Ort zum Essen, Trinken und Verweilen  Foto: Kocht noch lieber für Gäste als für sich: Aboud Najem/Marcus Korzer


Die Ofenkartoffel im Stern & Weinmann hat nichts mit dem zu tun, was man üblicherweise als Ofenkartoffel serviert bekommt. Sie gleicht eher einem Eintopfgericht: Kartoffeln in Scheiben, gebratenes Hackfleisch, Tomaten, Paprika, Zwiebeln, Hummus. Der Hummus, der auch als Vorspeise auf der Karte steht, ist von einer geschmacklichen Tiefe, wie sie in Leipzig selten zu bekommen ist. Das Stern & Weinmann gibt es seit letztem Februar. Der Name setzt sich aus zwei Nachnamen zusammen: Weinmann heißt der Eigen­tümer der Räumlichkeiten, der gleichzeitig Geschäftspartner ist. Stern ist die Übersetzung des arabischen Wortes Najem. Und Aboud Najem ist es, der hier im Laden die Geschäfte führt. Najem stammt aus Syrien, genauer von der kleinen Mittelmeerinsel Arados. Vor sieben Jahren kam er nach Deutschland. Eigentlich ist er Kapitän zur See, war Erster Offizier auf einem Handelsschiff. »Alle, die auf der Insel leben, arbeiten auf dem Schiff«, erzählt Najem. »So auch in meiner Familie: Mein Vater ist Seekapitän, mein Opa ist Reeder, zwei von meinen drei Schwestern sind mit Kapitänen verheiratet.« Seefahrt studierte Najem auch, weil er immer den Traum hatte, anderswo zu leben, »da, wo ich meine Freiheit habe«. Diese Freiheit bot die Seefahrt, weil er auf dem Schiff stets einen Neun-Monats-Vertrag hatte und in dieser Zeit nicht in Syrien war. Ein weiterer Traum von Najem: eine Bar mit Bistro zu eröffnen. Er fand sie schließlich in der Südvorstadt, im Souterrain eines Wohnhauses, in einem ehemaligen Architekturbüro.

Dort hat er einen gemütlichen Ort geschaffen, mit verschiedenen Farben im Raum, Zeichnungen an den Wänden, dezenter Beleuchtung. Eine gute Handvoll Tische verteilt sich in drei Räumen, man sitzt bequem. Es laufen Popcharts vergangener Jahrzehnte, Französisches und Jazz. Zur Atmosphäre tragen auch Geschenke von Freunden bei, etwa die Kirschbaum-Kommode, auf der ein Leuchtturm und ein rosa Schweinchen Platz finden. Geschenke aus dem Freundeskreis waren auch der Teppich in einem der Räume und ein etwa vierzig Jahre altes Gemälde von Gerda Lepke aus der Zeit, als sie ihr Atelier noch in Pillnitz hatte. »Ich hatte wirklich Glück in Deutschland«, sagt Najem, »und viel Unterstützung von lieben Menschen.«

Neben der Seefahrt liegt auch die Sache mit dem Kochen in der Familie von Najem, der stets gelobt wurde, wenn er für andere kochte: »Das habe ich von meinem Vater und meiner Großmutter mitbekommen, die können beide super kochen.« Die Speisekarte im Stern & Weinmann ist grundsätzlich syrisch: Da ist von Spezialgewürzen zu lesen, von Spinat mit Limettensaft und Nüssen, von Bulgur mit Tomaten. Die Ofenkartoffel wird in Syrien genau so zubereitet und serviert wie hier, ebenso Hummus oder Reis und Bohnen. »Reis und Bohnen« mag unspektakulär klingen. Es ist tatsächlich ein wunderbarer – und riesiger – Teller mit kleinen weißen Bohnen, die sich in Tomatensauce mit sehr gut gewürzten Köfte, Paprika und Zwiebeln vereinen, dazu gibt es Reis und Nüsse. Die Sauce ist geschmacklich komplex und hat nichts von der Eindimensionalität, in der die Verbindung von Paprika und Tomate manchmal endet.

Den Einflüssen und Ideen, die Najem in seinem Leben zusammengesammelt hat, ist es zu verdanken, dass die Karte aber nicht nur syrisch ist. Zu den vorzüglichen Maultaschen, die ein Produzent aus dem Schwarzwald liefert, bereitet Najem die Brühe und den schwäbischen Kartoffelsalat – beides ebenfalls vorzüglich. Die Penne mit Knoblauch-Käse-Sauce und Trüffelöl erhalten einen syrischen Twist mit Zatar, dem syrischen Thymian, der übrigens auch der Würze für die ausgebackenen, knusprigen Brotscheiben dient, die zum Knabbern serviert werden. Richtung Frühjahr wird wieder die Bärlauchina interessant, Hackfleisch mit Reis, Nüssen und Bärlauchsauce.

Für den Durst bereitet Najem eine gute Auswahl an Limonaden, Longdrinks und verschiedenen Spritzen zu, außerdem serviert er Kaffee, Pfeffi, Weine und Biere. Zum Thema Kochen sagt er übrigens auch: »Mehr noch, als wenn ich für mich selbst zu Hause koche, macht es mich glücklich, wenn ich hier für die Gäste koche und es ihnen schmeckt.« Aus diesem Grund sei hier noch auf den Schoko-Pistazien-Kuchen verwiesen, ein Highlight von der Dessertkarte. Dieser besteht aus so viel Schokolade, dass er feucht-fluffig auf dem Teller fast zerfällt. So wird Aboud Najem glücklich. Und die Gäste auch.


> Stern & Weinmann, August-Bebel-Str. 51, 04275 (Südvorstadt), Tel. 01 74/6 14 56 23, Instagram: sternundweinmann, Hauptgerichte 8,50–19,50 €


Kommentieren


0 Kommentar(e)