anzeige
anzeige
Stadtleben

»Die politische Dimension des Sports schwingt in mehreren Vorträgen mit«

Die Ringvorlesung der Uni Leipzig widmet sich ab Februar dem Thema Sport

  »Die politische Dimension des Sports schwingt in mehreren Vorträgen mit« | Die Ringvorlesung der Uni Leipzig widmet sich ab Februar dem Thema Sport  Foto: Turnübungen am Reck 1960 an der DHfk/Bundesarchiv

Luise Georgi arbeitet an der Uni Leipzig im Bereich wissenschaftliche Weiterbildung, sie koordiniert die Ringvorlesung zum Thema Sport, die in diesem Monat beginnt. Wir sprachen über die diesjährige Themenwahl, Schüler und Senioren im Seminarraum und darüber, wie der Sport die Unipraxis beschäftigt.

Die letzten Ausgaben der Ringvorlesung widmeten sich Themen wie Essen und Genuss, Musik oder Wald. Wie kam es nun zum Thema Sport?

Die Ringvorlesung der Universität Leipzig stellt jedes Jahr ein Thema in den Mittelpunkt, das sich aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen betrachten lässt. Dabei greifen wir aktuelle und gesellschaftlich relevante Diskurse auf und bündeln diese in sechs Vorträgen. In einer Sportstadt wie Leipzig liegt es nahe, diesen Schwerpunkt zu wählen.


Was macht die Sportstadt Leipzig für Sie aus und welche Rolle spielt die Uni dabei?

Einerseits die Sportgroßereignisse der letzten Jahre und regelmäßig stattfindende Sportevents, andererseits – auch mit Blick auf internationale Wettbewerbe – Leipziger Sportler:innen als feste Größen im deutschen Team. Eine zentrale Rolle in der sportlichen Entwicklung der Stadt nimmt die sportwissenschaftliche Fakultät der Universität Leipzig ein. Entlang der über 600-jährigen Universitätsgeschichte finden sich frühzeitig Belege für den Themenschwerpunkt Sport. Insbesondere ab Mitte des 19. Jahrhunderts – mit der Gründung des Allgemeinen Turnvereins (ATV) und der Einführung der Vorturnausbildung – prägte die Leipziger Pionierarbeit die nationale und internationale Sportlandschaft. In unserer Ringvorlesung greifen wir sowohl diese Traditionen als auch innovative Impulse auf und geben aktuellen Forschungsschwerpunkten eine Bühne.


An wen richtet sich die Ringvorlesung?

Die Ringvorlesung wird durch die wissenschaftliche Weiterbildung der Universität Leipzig organisiert. Unsere Bildungsangebote richten sich an alle Bürger:innen. Von Schüler:innen über Berufstätige bis hin zu Senior:innen sind alle bei uns willkommen. Vorkenntnisse werden nicht benötigt. Voraussetzung sind lediglich Interesse an Wissenschaft und die Freude am Lernen. Uns ist es wichtig, mit diesem Format die Universität für alle zu öffnen und Menschen unterschiedlichen Alters und mit verschiedensten Bildungshintergründen in die Universität Leipzig einzuladen.


Apropos Uni für alle: Eine Teilnahmegebühr von 15 Euro für eine einzelne Vorlesung bzw. 69 Euro für alle sechs Termine können sich nicht alle leisten, oder?

Wissenschaftliche Bildung für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Leipzig zugänglich zu machen, hat für uns einen hohen Stellenwert. Da unser Angebot jedoch nicht zur grundständigen Lehre zählt, müssen wir eine Teilnahmegebühr erheben, um das hohe Niveau und die Qualität der Lehre sicherzustellen. Es ist möglich, für die Ringvorlesung eine Teilnahmebescheinigung zu erhalten, was insbesondere für Personen attraktiv ist, die die Ringvorlesung im Rahmen ihrer beruflichen Weiterbildung nutzen möchten. Darüber hinaus sind wir Partner von Kulturleben und ermöglichen auf diese Weise Menschen mit geringem Einkommen eine kostenfreie Teilnahme an unserer Ringvorlesung.


In der Ankündigung heißt es, dass Staaten sportliche Erfolge »zur Imagepflege« nutzen. Aber keiner der Vorträge scheint sich direkt auf den Sport als Projektionsfläche oder Politikfeld zu beziehen – eine verpasste Chance?

Dass sportliche Erfolge als politisches Mittel eingesetzt wurden und werden, ist sicherlich kein neuer Befund. In unserer Ringvorlesung war es uns jedoch wichtig, diesen Zusammenhang mit neuen Perspektiven zu verknüpfen und differenziert zu beleuchten. Die politische Dimension des Sports schwingt in mehreren Vorträgen mit. So wird etwa die Rolle des Sports in der DDR anhand der Sportkunst-Sammlung der DHfK aus den Jahren 1950 bis 1990 sichtbar. Auch die Emanzipation von Frauen durch den Frauensport seit dem 19. Jahrhundert zeigt, wie eng Sport und Politik miteinander verknüpft waren und bis heute sind. Im Vortrag »Das Zeitalter der Fitness. Eine Geschichte der Gegenwart« wird zudem die gesellschaftspolitische Rolle des Sports in Deutschland und den USA beleuchtet, insbesondere im Hinblick auf die Entwicklung einer neoliberalen Sichtweise auf Sport und Körper.


Was erhoffen Sie sich von der Ringvorlesung?

Wie immer freuen wir uns vor allem auf eine lebendige, interessierte Atmosphäre mit neuen Erkenntnissen und bereichernden Diskussionen. Eine zahlreiche und aktive Beteiligung der Teilnehmenden ist unser größtes Ziel. Nur so können wir den Zugang zur Hochschulbildung auch jenseits der grundständigen Lehre stärken. Gleichzeitig erwarten sich auch unsere Referent:innen von dem sehr heterogenen Publikum wertvolle Diskussionsimpulse, die sie im universitären Lehralltag nicht immer erhalten. Im Publikum sitzen Menschen mit langjähriger beruflicher Erfahrung ebenso wie junge Erwachsene, die erstmals einen Einblick in wissenschaftliche Arbeit gewinnen möchten. Diese Vielfalt prägt die Ringvorlesung und macht sie aus unserer Sicht besonders attraktiv. 


  • »Frauensport als Mittel der Emanzipation. Vom Turnen im 19. Jahrhundert zur Frauenfußball-WM am Ende des 20. Jahrhunderts« (Thomas Höpel, 17.2.)
  • »Die Sportkunst-Sammlung der Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport (DHfK). Geschichte und Perspektiven« (Rudolf Hiller von Gaertringen, 24.2.)
  • »Kein Platz für Schwäche? Die stille Seite des Leistungssports« (Johanna Kaiser, 3.3.)
  • »Das Zeitalter der Fitness. Eine Geschichte der Gegenwart« (Jürgen Martschukat, 10.3.)
  • »Planet, Power, Performance – Nachhaltig essen im Leistungssport« (Juliane Heydenreich, 17.3.)
  • »›Sport für alle‹? – Über Teilhabe und Diskriminierung im Sport« (Petra Tzschoppe, 24.3.)

> jeweils 17.15 Uhr, Seminarraum 1.25/1.26, Goethestr. 3–5, 04109 (Zentrum), www.uni-leipzig.de


Kommentieren


0 Kommentar(e)