anzeige
anzeige
Kultur

Neue Welten erschließen

Hipp-Hipp, Hurra: Die Leipziger Band Welten begeht ihren zehnten Geburtstag standesgemäß im UT Connewitz

  Neue Welten erschließen | Hipp-Hipp, Hurra: Die Leipziger Band Welten begeht ihren zehnten Geburtstag standesgemäß im UT Connewitz  Foto: Dovile Sermokas


Passender könnte ein Titel nicht gewählt sein: »Embrace« heißt das neue Album der Leipziger Band Welten. Und in der Tat gleicht die darauf zu hörende Musik einer Umarmung, einer besonders innigen obendrein.

Man kann nur mutmaßen, doch vielleicht umarmt sich die Band mit dem Werk insgeheim auch selbst. Verdient hätte sie es jedenfalls, begeht sie mit dem Album doch ihr mittlerweile zehntes Jubiläum. Was 2016 als spleeniges Projekt von Gleichgesinnten im Leipziger Osten – genauer im dortigen Laden auf Zeit – begann, hat sich seitdem längst auch jenseits der Stadtgrenzen als Aufsehen erregendes Musikexperiment etabliert.

Im Jazz geschult und verankert, sprengt die Formation mit ihren elegischen Klangflächen seit jeher alle herkömmlichen Genre-Definitionen. Atonal-wüste Saxofonsoli sucht man in ihren Stücken jedenfalls ebenso vergeblich wie synkopisch-swingende Triolen. Stattdessen gibt es Anleihen an Ambient, Post-Rock und Klassik, die auf behutsame wie zugleich unentwirrbare Weise miteinander verflochten werden. Mit ihrem leisen Sound setzen Welten damit in einer immer lauter scheinenden Welt einen willkommenen Kontrapunkt.

Zugleich kann ihr unorthodoxer Soundansatz durchaus als symbolisches Ebenbild der umtriebigen Leipziger Jazz-Szene betrachtet werden, die seit jeher als besonders experimentierfreudig und durchlässig gilt und gern Wahlverwandtschaften mit anderen subkulturellen Nischen eingeht.

Dass sich der Welten-Sound den algorithmischen Gesetzmäßigkeiten der leichten Konsumerabilität entzieht, liegt auf der Hand. Ohne die notwendige Geduld können die komplexen Klangflächen unmöglich durchdrungen werden. Bringt man sie jedoch mit, wird man mit einem in dieser Intensität nur selten vorzufindenden, mitunter gar cineastischen Musikerlebnis belohnt, das einen weit fortträgt – in ferne Orte, und neue Welten. Oder eben ins UT Connewitz.


> 21.02., 20 Uhr, UT Connewitz


Kommentieren


0 Kommentar(e)