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Kultur

»Kein Mensch möchte allein sein«

Franziska Wilhelm schreibt in ihrem Buch über die Suche nach Wärme und Freundschaft

  »Kein Mensch möchte allein sein« | Franziska Wilhelm schreibt in ihrem Buch über die Suche nach Wärme und Freundschaft  Foto: Sabine Möbius

An diesem Tag vor der Universitätsbibliothek Albertina trotzen die Sonnenstrahlen wärmend dem Winter. Franziska Wilhelm kommt mit dem Fahrrad und einem Lächeln im Gesicht an. Die Autorin lebt in Leipzig, ist Poetry-Slammerin und Mitglied der Leipziger Lesebühne Schkeuditzer Kreuz. Nach einer herzlichen Begrüßung geht es durch die große Drehtür ins Café Alibi. Dort erzählt sie im Trubel des studentischen Cafés mit einer Tasse Kaffee in der Hand von Frösteln, Wärme und Feminismus in ihrem neuen Buch.

Sie haben sich als Treffpunkt die Bibliothek Albertina ausgesucht. Das Buch »Die Geschichte des Fröstelns« beginnt und endet hier. Warum ist dieser Ort so wichtig in Ihrem Buch?

Es ist ja ein Buch, in dem es um eine Wissenschaftsfamilie geht. Was gibt es da für einen schöneren Ort als eine Bibliothek? Und natürlich ist da gleichzeitig noch meine persönliche Verbundenheit. Ich habe viel, viel, viel Zeit in der Albertina verbracht für mein Studium, zum Lernen. Aber auch zum Schreiben, weil ich hier so eine Ruhe hatte.


Ihr Buch geht um die Suche nach Wärme und nach zwischenmenschlichen Beziehungen. Was ist Ihr Bezug zu dem Thema?

Zwischenmenschliche Beziehungen betreffen uns ja alle. Ich glaube, das Überraschende an dem Buch ist, dass es eigentlich um Kälte und um Wissenschaftler geht, die alle ein bisschen nerdy und introvertiert sind. Die große Geschichte hinter dem Buch ist aber Wärme und freundschaftliche Beziehungen. Gerade der Hauptperson fehlt genau das am Anfang des Buchs. Sie begibt sich deshalb auf eine Suche. Und ich glaube, die Suche nach zwischenmenschlichen Begegnungen ist ein großer Antriebsmotor. Kein Mensch möchte allein sein.


Sie setzen sich für Feminismus und Gleichberechtigung ein. Steht das in einem Zusammenhang mit dem Thema des Buches?

Ein Buch nimmt einen ja immer mit auf die Reise. Anfangs habe ich gedacht, ich schreibe ein Buch über kalte Typen, die frösteln. Dann hat es mich selbst überrascht, dass hinter dem Einstiegsthema Kälte, eigentlich die Themen Freundschaft und zwischenmenschliche Beziehungen stehen. Feministische Ansätze kommen mit der weiblichen Protagonistin. Sie wächst in einer Familie auf, die fast schon misogyn ist. Und im Wissenschaftsbetrieb ist es ja auch nicht immer einfach für Frauen. Die Geschichte zeigt uns auch mit den ganzen prominenten Beispielen aus den vergangenen Jahrhunderten, dass Frauen schon einiges geleistet haben, was einfach übersehen wurde. Das wollte ich mit rein bringen und ich habe darüber viel recherchiert.


Was bedeutet für Sie »frösteln«?

Mir ist einfach oft kalt. Und je mehr ich jetzt mit dem Buch in die Welt gehe, merke ich, dass es zwei Arten von Menschen gibt. Es gibt die einen, die immer irgendwie frieren und es gibt die anderen, denen es immer ziemlich warm ist. Ich gehöre eher zu denen, denen immer kalt ist. In dem Buch geht es um die verschiedenen Bereiche der Wissenschaft mit dem Fokus auf die Kühle. Gleichzeitig ist das Frösteln an sich auch eine mentale Einstellung, die da mitschwingt. Ich wollte gucken: Wo kommt das her? Was kann ich über Kälte erfahren?


Wir haben jetzt gerade einen sehr kalten Winter hinter uns. Die Geschichte des Fröstelns ist draußen und hier in der Stadt wird es langsam wärmer. Was kommt bei Ihnen als Nächstes?

Ich habe natürlich schon eine Idee, die ich aber noch nicht verraten will. Mein Buch kam zu einer sehr, sehr kalten Januarzeit raus. Wenn dann der Sommer erreicht wird, dann habe ich mich wirklich abgearbeitet am Thema Kälte. Dann kann und soll es wieder um etwas anderes gehen.


Franziska Wilhelm: Die Geschichte des Fröstelns. Leipzig: Edition Überland 2026. 296 S., 24 €.

Lesungen:

Mi., 18.03.,19 Uhr, Lange Leipziger Lesenacht, Moritzbastei

Do., 19.03.,19.30 Uhr, Niemerlang Prosa Spezial, Mädlerpassage


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