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Stadtleben

»Jeder Leipziger müsste mal auf den Wertstoffhof«

In der Garage Ost wird Fair Fashion gefeiert

  »Jeder Leipziger müsste mal auf den Wertstoffhof« | In der Garage Ost wird Fair Fashion gefeiert  Foto: Symbolbild/Magda Ehlers

Am 24.04.2013 stürzt in Bangladesch das Rana ein. Mehrere Bekleidungsfabriken und über 5000 Fabrikarbeiter und Fabrikarbeiterinnen sind dort untergebracht. Das Unglück zählt als die viertgrößte Industriekatastrophe weltweit. Gleichzeitig wirft es ein negatives Licht auf die Produktionsbedingungen für fast Fashion Bekleidung, wie sie auch für den europäischen Markt hergestellt wird. Als Reaktion darauf entsteht in vielen Städten der Welt die Fashion Revolution, eine Bewegung, die über alternative und faire Herstellung von Kleidung aufklärt. Bei der »Modereform Leipzig« am Sonntag können sich Gäste in der Garage Ost im Upcycling, Siebdruck und Nähen selbst ausprobieren und lernen, wie sie ihre Lieblingsstücke reparieren. Zusätzlich stellen Secondhand- und Vintageläden sowie lokale Designer ihre Waren aus. Der kreuzer hat mit Iris Ebel vom »War mal deins«, eine der Initiatorinnen der Veranstaltung, gesprochen.

Bei der Veranstaltung sollen Nachhaltigkeit und Kreativität im Vordergrund stehen. Was bedeutet das?

Viele Menschen haben, glaube ich, ein bisschen die Liebe verloren an den Kleidungsstücken und werfen schneller weg, als dass sie lernen, wie man das zunähen kann. Ich habe mit Alena Gröhn von der Stadtreinigung gesprochen, die auch das »Wiederschøn« am Brühl betreibt und wir sind uns einig, dass jeder Leipziger einmal auf einen Werkstoffhof gehen müsste, um zu sehen, welche Mengen an Textilmüll da nur in einer Woche liegen bleiben.


Damit das nicht passiert, bieten Sie am Sonntag Kurse an, um sich selbst besser um die eigene Kleidung kümmern zu können, richtig?

Genau, wir haben uns Leute eingeladen, die von 12 bis 15 Uhr einen Workshop zu Nähtechniken geben, also wie man die Kleidung reparieren, anpassen und umgestalten kann.
Danach gibt es auch einen Workshop zu Siebdruck. Parallel dazu, zwischen 12 und 18 Uhr gibt es dann das Nähcafé – im Grunde eigentlich nur zwei Sofas und einen Tisch mit Materialien sowie jemanden, der das Ganze begleitet – was dann von dem Verein Kulturgarage Ost veranstaltet wird. Hier werden unter anderem Sticken, Nieten und Handnähen angeboten.


Zusätzlich haben Sie noch andere Designer und Secondhandstores eingeladen, die ihre Kleidung ausstellen. Was möchten Sie damit bezwecken?

Wir möchten den Leipzigerinnen und Leipzigern Alternativen aufzeigen, wo sie faire Kleidung kaufen können – also Kleidung, die umweltfreundlich produziert wurde und für deren Herstellung weder Kinder noch Arbeiterinnen und Arbeiter ausgebeutet wurden. Es gibt hier in Leipzig sehr viele Modedesigner und Secondhandstores, denen das wichtig ist und denen wir im Rahmen der Modereform Verkaufsstände anbieten. Es gibt zum Beispiel das »Musche Bubu«, das ist handgemachte und Second-Hand-Lingerie. Wir bieten aber auch neueren Läden, wie dem »Lack-Secondhand«, »Kiki Vintage« oder der »Lookbookstore« eine Verkaufsfläche. Dazu stellen auch noch viele Upcycling-Designer aus Leipzig, die ihre Kleidungsstücke und Accessoires präsentieren wollen, aus. Das Ganze wird nachmittags umrahmt von einer moderierten Fashion Show.

Auch das »War mal deins« bietet hauptsächlich vintage und secondhand Kleidung an, wo liegt dort der Unterschied?

Secondhand-Ware ist das, was wir von Leipzigern gespendet bekommen
und dementsprechend weiterverkaufen, wenn sie noch gut in Schuss ist.
Vintage heißt eigentlich nur, dass die Kleidung mindestens 20 Jahre alt ist. Wir
haben zum Beispiel einen Vintage-Großhändler, bei dem wir einkaufen.
Entweder kannst du da vor Ort hingehen, Handpicking machen oder du lässt
dir eine riesige Bestellung zukommen und musst dann da nochmal alles
aussortieren. Danach müssen die Sachen gewaschen und gereinigt werden.
Zusätzlich kommt da noch der Einkaufspreis drauf, der in den letzten Jahren
gestiegen ist und den man noch verdreifachen muss. So entsteht das, was Leute als hohe Preise einschätzen, aber eigentlich im Endeffekt sehr faire Preise sind. Wenn du Ware hast, die schon getragen ist, im Laden hängt und nicht auseinanderfällt, dann kannst du davon ausgehen, dass die Ware wesentlich hochwertiger produziert wurde, als so ein Primark-Shirt, was nach dreimal Waschen schon Löcher bekommt.

> Modereform, 26.04., 12–18 Uhr, Garage Ost, Eintritt frei



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