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Stadtleben

Geteiltes Auto, geteilte Verantwortung

Der Carsharingdienst Teilauto wird zur Genossenschaft

  Geteiltes Auto, geteilte Verantwortung | Der Carsharingdienst Teilauto wird zur Genossenschaft  Foto: Im geteilten Auto durchs Stadtgebiet/Teilauto

Der Carsharingdienst Teilauto gehört für viele Menschen in Leipzig längst zum Alltag. Jetzt ändert sich die Struktur grundlegend: Aus der GmbH wird eine Genossenschaft und Nutzerinnen und Nutzer können sich beteiligen.

Wer braucht schon ein Auto in der Stadt? Eine Frage, die sich viele Leipzigerinnen und Leipziger gern mit einem selbstbewussten »Niemand« beantworten – bis der nächste Baumarktbesuch oder der Einkauf im schwedischen Möbelhaus ansteht. Spätestens dann wird der Verzicht auf vier Räder zur Herausforderung. Das Carsharing-Modell von Teilauto gehört mittlerweile zum Stadtbild und bietet mit kurzfristig buchbaren Cityflitzern für spontane Fahrten und länger planbaren Teilautos für größere Vorhaben eine Alternative zum eigenen Auto. Mit fast 49.000 Kunden ist Leipzig aktuell der größte Standort von Teilauto, seine Wurzeln hat das Unternehmen aber in Halle. 1992 gründeten zehn Menschen den Verein, um gemeinsam ein Auto zu nutzen. Umwelt und Geldbeutel sollten damit geschont werden. Lag der Schlüssel damals noch in einem Rohrtresor mit Reservierung per Anrufbeantworter, erfolgt heute alles nur noch per App und Schlüssel im Handschuhfach. Denn das Unternehmen expandierte und gründete 2004 die Mobility Center GmbH. 2025 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 33 Millionen Euro.

Doch nun ist Schluss – zumindest mit der GmbH. Teilauto ist jetzt eine Genossenschaft und ab dem 1. Mai können Mitglieder Geschäftsanteile kaufen. Damit will das Unternehmen zu seinen Wurzeln zurückkehren und die Verkehrswende der »Nutzergemeinschaft« überlassen, heißt es in einer Pressemitteilung von Teilauto. Vorstand Michael Creutzer betont dort, dass eine Genossenschaft »uns vor kurzfristigen Renditezielen und Übernahmen schützt. Ein wichtiger Teil der Verkehrswende ist für uns, dass diese demokratisch organisiert ist.«

Dieser Schritt ist also mehr als ein formaler Wechsel. Er verändert, wem das Unternehmen gehört und wie darüber entschieden wird. Künftig können Nutzerinnen und Nutzer selbst Anteile erwerben und damit Miteigentümer werden. Jeder Kunde von Teilauto kann Genossenschaftsanteile für je 300 Euro kaufen. Diese bieten Vorteile: So muss beim Anmelden keine Kaution hinterlegt werden, man erhält ein Stimmrecht bei weitreichenden Entscheidungen und einen Anteil am Gewinn, sollte dieser erwirtschaftet werden. Je mehr Anteile, desto mehr Vorteile. Ab zwei spart man zusätzlich den Fixpreis im Rahmentarif, sodass nur noch Kilometer- und Zeitpreis anfallen. Ab zehn Anteilen entfällt im Vielfahrertarif der monatliche Grundpreis. In diesem Tarif zahlt der Kunde in der Regel mehr, um dafür bei Kilometer- und Zeitpreis zu sparen. Doch eines bleibt immer gleich: Egal, wie viele Anteile man erwirbt, bei der Mitgliederversammlung hat jedes Mitglied nur eine Stimme.

Auf diesen Versammlungen wird über Punkte wie Vorstandswahlen, Satzungsänderungen oder Investitionsentscheidungen abgestimmt. Der Vorstand regelt dann – kontrolliert vom Aufsichtsrat – das laufende Geschäft.

Um all das auf den Weg zu bringen, musste viel Papierkram erledigt und eine Satzung entworfen werden. »Das war scheinbar eine ganz besondere Sache – auch im juristischen Kontext, da das ganz selten passiert«, erzählt Josephine Michalke, Pressesprecherin von Teilauto. Wer neu zu Teilauto kommt und einen Vertrag abschließt, muss nicht zwingend Genossenschaftsmitglied werden, denn es bleibt eine freiwillige Entscheidung.

Und auch für Bestandskunden gilt: Wer Teilauto einfach wie bisher weiter nutzen möchte, ohne sich mit dem Wechsel zur Genossenschaft zu beschäftigen, kann das problemlos tun. An den bestehenden Verträgen ändert sich nichts, sie laufen unverändert weiter. 


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