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Kultur

Das Gaminghaus sieht fertig aus

Nach langem Warten eröffnet das R42. Sogar Michael Kretschmer freut sich

  Das Gaminghaus sieht fertig aus | Nach langem Warten eröffnet das R42. Sogar Michael Kretschmer freut sich  Foto: JAN BOJARYN

Das Motto des Abends hat Christopher Siebenhüner, Initiator des sogenannten R42 Games Hub: »Wer hätte daran geglaubt? Manchmal nicht mal mehr ich.« An den amüsierten Gesichtern einiger angereister Gäste aus Branche und Politik ahnt man: Stimmt, die auch nicht. 2019 haben Siebenhüner und sein Mitinitiator Tom Potutschek erstmals ein Konzept für ein Gaminghaus bei der Stadt Leipzig vorgestellt. Endlich ist es fertig.

Nachgeschärft

Was aber ist eigentlich ein Gaminghaus? Das R42 ist ein denkmalgeschütztes siebengeschossiges Haus, zentral gelegen in der Ritterstraße 42 in der Leipziger Innenstadt. Eine ganze Menge passiert darin. Unten eine Bar, oben Ferienwohnungen, dazwischen Meetings und Miet-PCs und Coworking und multimediale Produktionsräume, das meiste davon ist bereits über die Website zu buchen oder öffentlich zugänglich. Hier soll sich die Gamingbranche treffen, vernetzen und weiterbilden. Hier sollen aber auch Leute privat und niedrigschwellig zum Zocken oder zu Events herkommen, in die Bar gehen oder eine Etage weiter oben Spielzeit am Gaming-PC buchen. Und hier werden junge Entwicklerinnen und Entwickler in einem Inkubator-Format gefördert, das bereits seit Jahren läuft.

Viel Geld ist geflossen, lange hat es gedauert, und das nicht nur wegen einer Pandemie zwischen Start- und Ziellinie (s. kreuzer 09/25). Wirtschaftsbürgermeister Clemens Schülke erinnert sich an Beratungsrunden mit der Stadt und vergleicht frühe Pläne für das Haus mit »Leipziger Allerlei« – da merken die überregionalen Gäste gleich, wo sie sind. Inzwischen ist das Allerlei hoffentlich zu einem klareren Menü strukturiert, zumindest appetitlich sieht es aus. Die Eröffnung startet in einem knackvollen Veranstaltungsraum im Erdgeschoss, auf einer tief liegenden Bühne in einem holzvertäfelten Raum. Die Sicht ist auch von ganz oben gut, nur geht der Blick dann eher auf Scheitel als auf die Gesichter. Allgegenwärtige Monitore, Studiotechnik und vor allem die üppigen Schallschutzapplikationen erzeugen ein Gefühl, als könnte hier jederzeit ein Podcast aufgezeichnet werden. Natürlich gibt es auch ein Podcaststudio, ein paar Etagen weiter oben.

Was die Branche braucht

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer erscheint sichtlich gut gelaunt zum feierlichen Anlass und erklärt in seinem Grußwort, die Aufgabe des Staates sei es, solchen tollen Projekten »nicht im Wege zu stehen«. »Deregulierung in allen Bereichen« tue not. Das klingt entschlossen und kommt in dem Business-Setting nicht schlecht an, passt aber womöglich nicht zu einem durch Beratung nachgeschärften und natürlich auch finanziell geförderten Projekt.

Die aus Berlin angereiste Maren Raabe vom Bundesverband der Gamesbranche hat in der anschließenden Podiumsdiskussion dann auch die Ehrenrolle, auf die insgesamt nötige Unterstützung hinzuweisen. Viele in der Branche wünschen sich gerade eine steuerliche Förderung für Spieleentwicklung; noch ist das Spielemachen in Deutschland vergleichsweise teuer, weil andere Länder es nachhaltiger unterstützen. Und tatsächlich, Kretschmer sagt zu: An Sachsen werde die Einführung des Instruments nicht scheitern.

Bei der anschließenden Führung durch die Etagen des Hauses gibt es dann doch ein gewisses Allerlei mit Knusperflocken. Kretschmer spielt den sächsischen Spielehit »Dome Keeper«, Vertreter vom Leipziger PC-Ausstatter XMG, der Snackfirma Zetti und DHL machen Business-Smalltalk, und spätestens unterm Dach wirkt es noch etwas unfokussiert. »Marios Mansion« entpuppt sich als moderne, aber wie frisch von Airbnb gecastete Ferienwohnung inklusive einer etwas spärlich befüllten Besteckschublade. Hier kann man ahnen, dass auch ein Gaminghaus nur ein Haus ist und Gamer einfach Menschen sind. Die wollen gar nicht immer zocken, sondern auch essen und schlafen. Und so stellt sich beim Besuch des R42 die Frage, was mit Gaming eigentlich gemeint ist. Menschen spielen allein oder gemeinsam, sie studieren Spiele und das Spielemachen, sie entwickeln, produzieren und verkaufen Spiele. Das ist alles Gaming. Was genau die Initiatoren des R42 darunter verstehen, was sie hier noch alles veranstalten werden, das können sie jetzt zeigen. Das Haus ist offen.


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