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Kultur

Vokal und Nonverbal

Die Kinotipps der Woche

  Vokal und Nonverbal | Die Kinotipps der Woche  Foto: Tandem Films

Ein lauschiges Plätzchen zwischen Bäumen auf dem Hügel im Clara-Zetkin-Park trägt schon seit vielen Jahren die sanften Abdrücke der Reifen des feuerroten Spielmobils. Vor dem werden die passionierten Musiker und Cineasten auch in diesem Jahr wieder die Leinwand aufspannen, um Filme aus den Kindertagen des Kinos musikalisch live zu begleiten. Darunter zwei Abenteuerklassiker mit Douglas Fairbanks, Buñuels »andalusischer Hund« und Murnaus »Nosferatu«.


»Stummfilmtage auf der Warze«: 3.-10.6., Warze im Clara-Zetkin-Park

ww.wanderkino.de


Film der Woche:

Verflucht normal
GB 2025, R: Kirk Jones, D: Robert Aramayo, Maxine Peake, Somerled Campbell, 120 Min.

John Davidson geht nervös an den versammelten Menschen vorbei, um seinen Ritterorden in Empfang zu nehmen. Auf dem Weg ruft er ein beherztes »Fuck the Queen!« in den Raum. Davidson leidet an Tourette und hilft anderen in seiner Situation, damit umzugehen. Der Weg hier her war lang und beschwerlich. Im Jahre 1983 war John ein aufgeweckter 14-Jähriger, der von einer Karriere als Profifußballer träumt, als er plötzlich unkontrollierbare Ticks entwickelt. In seiner Heimat Schottland ist Tourette damals noch kein Begriff. Zunächst unterstellen ihm selbst seine Eltern, er würde allen nur etwas vormachen. In der Schule wird er gehänselt, gerät in Schlägereien. Jahre später trifft er auf Dottie, die Mutter seines früheren Schulfreunds und die erste, bei der er sein kann, wie er ist. Doch der Weg zur gesellschaftlichen Anerkennung seiner Krankheit ist weit und steinig. Regisseur Kirk Jones (»Lang lebe Ned Devine!«) erzählt die Lebensgeschichte von John Davidson als flammendes Plädoyer für mehr Aufklärung und Akzeptanz von Tourette. Die Erforschung steht immer noch am Anfang, Therapien sind chronisch unterfinanziert. Davidsons Geschichte kann da auf der Leinwand für die nötige Aufmerksamkeit sorgen. Robert Aramayo, bekannt aus »Game of Thrones« und der »Herr der Ringe«-Serie, wurde für seine eindrucksvolle Darstellung bereits mit dem BAFTA ausgezeichnet. Er ist das Herz des mitreißenden Films, der es immer wieder schafft, die tragischen Momente mit Situationskomik aufzulockern.

»Verflucht normal«: ab 28.5., Passage-Kinos, Kinobar Prager Frühling, Schauburg, Cineplex, Regina-Palast


Ticket ins Leben
F 2025, R: Jean-Pierre Améris, D: Valérie Lemercier, Gérard Darmon, Patrick Timsit, 90 Min.

Fast sein gesamtes Leben stand Antoine Toussaint (Gérard Darmon) auf der Bühne. Seine Interpretation des Gassenhauers »Mambo Italiano« machte ihn unsterblich. Dachte er zumindest. Nach einem Schlaganfall im Rampenlicht sieht sich Antoine allerdings plötzlich mit der eigenen Sterblichkeit konfrontiert. Er fasst einen Entschluss: Bevor er als Gemüse endet, will er seinem Leben lieber selbst ein Ende bereiten. Die Koffer sind gepackt, der Termin bei einem Institut für Sterbehilfe gebucht. Im Zug nach Genf trifft er allerdings auf Victoire (Valérie Lemercier), die gerade auf Freigang aus dem Gefängnis unterwegs zur Hochzeit ihrer Tochter ist – und natürlich ist sie Antoines größter Fan. Als sie von seinen Plänen erfährt, weicht sie ihm fortan nicht mehr von der Seite. Sicher, die Basis für die Tragikomödie von Jean-Pierre Améris (»Die Anonymen Romantiker«) ist konstruiert und auf dem Weg zum Happy End gibt es allerlei haarsträubende Plot-Twists. Aber das charmante Gespann sorgt für einen ebenso leichten wie höchst vergnüglichen Kinoabend.

»Ticket ins Leben«: ab 28.5., Passage-Kinos, Schauburg


Weitere Filmtermine der Woche

Salonika – A City with Amnesia
D 2019, Dok, R: Mario Forth, Max Geilke

Einst eine kosmopolitische Stadt und ein religiöser sowie kultureller Schmelztiegel, erlebte das ehemalige Jerusalem des Balkans (Thessaloniki) im 20. Jahrhundert seinen Niedergang. Ein Schock, der die Stadt bis heute prägt.

Luru-Kino in der Spinnerei, 28.5. 19 Uhr

A jumpin‘ Night in the Garden of Eden
USA 1987, Dok, R: Michal Goldman, 75 min

Der Dokumentarfilm fängt gegen Ende der achtziger Jahre die Bemühungen zweier wegweisender Gruppen ein – Kapelye und Boston Klezmer Conservatory Band – ,verlorene Geschichte der Klezmer-Musik wiederzubeleben.

Cinémathèque, 29.5. 19 Uhr (OV)

Adam 
MAR/F 2025, R: Maryam Touzani, D: Lubna Azabal, Nisrin Erradi, Douae Belkhaouda, 98 min

Abla betreibt eine bescheidene lokale Bäckerei von ihrem Haus in Casablanca, wo sie allein mit ihrer achtjährigen Tochter Warda lebt. Als Samia, eine junge schwangere Frau, an ihre Tür klopft, ist Abla weit davon entfernt, sich vorzustellen, dass sich nun ihr Leben für immer verändern wird.

Cinémathèque, 30.5. 19 Uhr (OmU)

Das Blau des Kaftans 
F/M 2022, R: Maryam Touzani, D: Lubna Azabal, Saleh Bakri, Ayoub Missioui, 124 min

Der marokkanische Schneider Halim betreibt mit seiner Frau Mina ein Atelier für Gewänder. Mina weiß, dass ihr Mann homosexuell ist, und man hat sich miteinander arrangiert. Doch als sie an Krebs erkrankt und ein junger Lehrling eingestellt wird, kommt es zu Veränderungen.

Cinémathèque, 30.5. 21.15 Uhr (OmU)

Aferim!
RO/BG/CZ 2015, R: Radu Jude, D: Teodor Corban, Mihai Comănoiu, Toma Cuzin, 108 min

Der historische Spätbalkan-Western in Schwarz-Weiß thematisiert die Verfolgung eines entlaufenen Roma-Sklaven im Jahr 1835 in der Walachei.

Cinémathèque, 05.6. 19 Uhr (OmeU, Latcho Dives Festival)

Kurdische Filmtage

Filme aus Kurdistan und der kurdischen Diaspora.

Cineding, Ost-Passage Theater, 03.–06.6., OmeU)


Born to fake 
D 2026, Dok, R: Erec Brehmer, Benjamin Rost, 92 min

Der Dokumentarfilm rekonstruiert einen der größten Medienskandale der deutschen Fernsehgeschichte rund um den Journalisten Michael Born.

Passage-Kinos, 04.6. 18.30 Uhr (mit Regiegespräch)

Ehrenamt – Eine Kulturreise im ländlichen Raum
D 2025, Dok, R: Daniel Hofmann, 113 min

Anhand der Erfolgsgeschichte des 2013 gegründeten Metal Diver Festivals zeigt der Dokumentarfilm in Form einer Musik- und Kulturreise, wie eine einfache Idee von Freunden durch gelebte Gemeinschaft und Ehrenamt zu einem Festival mit deutschlandweitem Einfluss werden kann.

UT Connewitz, 02.06. 20:00, 03.06. 20:00

How I became a partisan
SK/CZ 2021, Dok, R: Vera Lacková, 89 min

Der Film beleuchtet den weitgehend vergessenen Widerstand von Roma und Sinti gegen den Nationalsozialismus im Zweiten Weltkrieg.

Cinémathèque, 03.6. 19.30 Uhr (mit Regiegespräch, OmeU)

In Case we never meet again 
UKR 2025, Dok, R: Noaz Deshe, 100 min

Ein poetischer, radikal unmittelbarer Dokumentarfilm über Leben, Liebe und Kindheit im Krieg in der Ukraine.

Passage-Kinos, 03.6. 18.30 Uhr

Los sueños que compartimos
MEX 2025, Dok, R: Valentina Leduc Navarro, 102 min

Doku über die Europareise einer Delegation indigener Menschen aus Mexiko, die im Kampf gegen die Zerstörung ihrer Heimat um Mitstreiter werben.

Kinobar Prager Frühling, 01.6. 19 Uhr (Filmgespräch mit Aktivisten und Aktivistinnen aus Lützerath, OmU)

Nulpen 
D 2026, R: Sorina Gajewski, D: Bella Lochmann, Pola Geiger, Cedric Eich, 81 min

Die besten Freundinnen Ramona und Nico haben gerade ihr Abitur fertig. Statt Zukunftspläne zu schmieden, lassen sie sich lieber träge durch den heißen Berliner Sommer treiben. Die Zerrissenheit der »Generation Z« zwischen Klimakrise, Zukunftsängsten und politisch aufgeladenem Alltag.

Passage-Kinos, 04.6. 18 Uhr (Premiere mit Gästen)

Spaceballs 
USA 1987, R: Mel Brooks, D: John Candy, Rick Moranis, Mel Brooks, 96 min

Wiederaufführung des irren »Star Wars«-Spoofs.

Cineplex, 02.6. 18 Uhr (Best of Cinema, OmU), 20 Uhr (Best of Cinema)
Cinestar, 02.6. 19 Uhr (Best of Cinema)
Regina-Palast 02.6. 20 Uhr (Best of Cinema)

Tampopo 
J 1985, R: Juzo Itami, D: Ken Watanabe, Koji Yakusho, Tsutomu Yamazaki, 114 min

Die junge Witwe Tampopo führt eine Suppenküche in Tokio und ist nicht gerade für die Qualität ihres Essens bekannt. Als der etwas kauzige Fernfahrer Goro ihre Suppe probiert, wagt er vorsichtig Kritik – und bald machen sie sich gemeinsam daran, das Geheimnis der perfekten Suppe zu lüften. Ein intelligenter, satirischer, umwerfend witziger Film um Essen, Erotik und die japanische Gesellschaft.

Sommerkino vor der Plagwitzer Markthalle, 05.06. 22:00 (Apero Kino, OmU)

That Boy 
PL 2025, Dok, R: Toby Gorniak, 42 min

Dokumentarfilmer führt ein ehrliches, aufschlussreiches Gespräch mit einem ehemaligen Neonazi.

Polnisches Institut, 01.6. 19 Uhr (Latcho Dives, mit Regiegespräch)

The amazing digital Circus: The last Act
USA/AUS 2026, R: Gooseworx, 93 min

Abschluss der enorm erfolgreichen, skurilen YouTube-Animationsserie »Der unglaubliche digitale Zirkus«.

CT-Lichtspiele Taucha, 04.6. 17.30, 05.6. 17.30 Uhr
Cineplex, 04.6. 18, 18.30 (OmU), 18.45 (OmU)

The Spies who ruined our Lives
GB 2024, Dok, R: Justyn Jones, Madoc Roberts, 90 min

Der Dokumentarfilm behandelt den sogenannten »Spycops«-Skandal in Großbritannien um eine geheime Abteilung der britischen Polizei, die über 40 Jahre lang mehr als 1.000 linke, antirassistische und Umweltschutz-Gruppen infiltrierte – auch in Deutschland.

Ost-Passage-Theater, 05.6. 20 Uhr (Film & Forum, OmU)


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