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Stadtleben

Wenn es direkt klickt

Ein Tandemprojekt verbindet Menschen in Leipzig durch gemeinsame Aktivitäten

  Wenn es direkt klickt | Ein Tandemprojekt verbindet Menschen in Leipzig durch gemeinsame Aktivitäten  Foto: Bei diesem Tandem hat es direkt geklickt/Marco Brás dos Santos

Die Kontaktstelle Wohnen begleitet seit 2016 geflüchtete Menschen in Leipzig dabei, von Gemeinschaftsunterkünften in eine eigene Wohnung zu ziehen. Eine eigene Wohnung, das ist die Idee dahinter, ist der erste Schritt in Richtung Selbstbestimmung. Aber was kommt danach? Eine Idee bietet das Projekt »Mi:connect – Integration durch Begegnung«

Mine Hänel von der Kontaktstelle lacht, als sie erklärt, warum das Abschlusstreffen von »Mi:connect – Integration durch Begegnung« nicht in den eigenen Räumen an der Georg-Schwarz-Straße stattfindet. »Wir würden da gar nicht reinpassen.« Also wird es der Westflügel in Lindenau – ein Jugendstil-Tanzsaal von 1900, acht Meter hoch, mit Gewölbedecke und dem morbiden Charme eines Gebäudes, das zwischenzeitlich Ofenrohrfabrik war und seit 2003 wieder Kulturort ist. An diesem Abend Treffpunkt für zwölf Tandems. Vierundzwanzig Menschen, die sich vor sechs Monaten kaum kannten. Wer kommt, bekommt ein Klebband mit dem Namen auf die Brust. Manche kleben es auf die Stirn.

Das Projekt »Mi:connect – Integration durch Begegnung« bringt Menschen zusammen, die Leipzig kennen, mit Menschen, die es gerade kennenlernen. Sechs Monate lang können sie alle zwei Wochen immer wieder an kostenlosen Aktivitäten teilnehmen. »Beim Matching spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, zum Beispiel fragen wir ab, was die Interessen sind. Beim letzten Durchlauf kam so ein sehr sportliches Tandem zustande«, erklärt Hänel von der Kontaktstelle Wohnen. »Außerdem können Interessierte angeben, dass ihr Tandem das gleiche Geschlecht wie sie haben soll oder in etwa das gleiche Alter. Zudem versuchen wir, dass die Tandems in etwa im gleichen Viertel leben.« Beim anschließenden Tandem-Treffen lernen sich die zwei Personen kennen, während eine dritte Person aus der Kontaktstelle das Gespräch leitet. Danach wird entschieden, ob es wirklich ein Match ist.

Wichtig ist, dass die Teilnehmenden keine Betreuerinnen oder Mentees sind, sondern gleichberechtigte Tandempartnerinnen. So wie Royce aus Kamerun und Lara aus Berlin. Das besondere bei diesem Tandem: Beide leben noch nicht lange in Leipzig und konnten die Stadt so gemeinsam entdecken. Auf die Frage, ob sie neben Deutsch und Englisch noch andere Sprachen spreche, antwortet Royce: »Französisch« und erklärt direkt ein Wort. »Le déclic« – auf Französisch, weil es auf Deutsch keinen besseren Ausdruck gibt. Der Klick. Den habe sie gespürt, als sie von dem Projekt gehört habe. Davor hatte sie schon Freunde in Leipzig, war nicht allein. Aber etwas habe gefehlt. »Das war wichtig für mich. Für mehr Integration in Leipzig.«

Was die beiden konkret gemacht haben, klingt nach Leipziger Alltag: Salsa-Workshop, Panometer, Kino, Theater der jungen Welt. Einmal im Monat kam eine Liste mit Angeboten, die die Tandems kostenlos nutzen konnten. Man suchte sich aus, was passte. »Mein Highlight war der Salsa-Workshop«, erzählt Lara. »Zusammen etwas Neues lernen, über die eigenen Füße stolpern.« Royce nickt. Sie sei ein bisschen schüchtern gewesen. Aber mit Lara habe sie sich wohl gefühlt.

Lara erzählt, wie sie durch Royce Leipzig anders kennengelernt habe. Nicht dramatisch anders, aber mit erweitertem Blick. Beide wohnen in ähnlichen Gegenden, haben sich auch zwischen den Programmpunkten hin und wieder auf ein Getränk getroffen. Und trotzdem: sie nutzen im Alltag andere Orte, sind in unterschiedlichen Kreisen unterwegs.

Warum das Projekt nicht mehr Menschen nutzen? Lara überlegt kurz. Integration werde so oft als politisches Schlagwort benutzt, dass dabei verloren gehe, was es eigentlich bedeutet. Freundschaften. Gemeinsame Erfahrungen. Das Zwischenmenschliche. Gerade läuft der Matchingprozess für die zweite Runde des Projekts, Plätze sind noch frei – auf beiden Seiten, gestartet wird dann gemeinsam im August. Hänel betont, dass das Projekt auf Freitickets von Leipziger Kultureinrichtungen angewiesen ist – ohne die funktioniert das Programm nicht. Für das Engagement im Bereich Teilhabe und soziale Nachhaltigkeit wurde die Kontaktstelle Wohnen im Mai dieses Jahres mit dem Leipziger Zukunftspreis ausgezeichnet. Trotzdem ist das Budget knapp, wie es mit dem Tandemprojekt nach 2027 weitergeht, ist bislang offen.


> mi:connect – Integration durch Begegnung. Weitere Infos unter: www.kontaktstelle-wohnen.de


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