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Kultur

Dem Krieg Menschlichkeit entgegensetzen

Die Ausstellung »Barriere:Zonen« zeigt die Perspektive von Menschen mit Behinderungen im Krieg.

  Dem Krieg Menschlichkeit entgegensetzen | Die Ausstellung »Barriere:Zonen« zeigt die Perspektive von Menschen mit Behinderungen im Krieg.  Foto: Ausstellung in der unteren Wandelhalle/Marcel Noack

Menschen mit Behinderungen sind oft die meist Betroffenen des Krieges und genauso oft ist Krieg die Ursache ihrer Behinderung. Was dies für den einzelnen Menschen bedeuten kann, zeigt die Wanderausstellung »Barriere:Zonen – Leben und Überleben mit Behinderung weltweit«, die vom 3. bis 27. August 2026 in der Unteren Wandelhalle des Neuen Rathauses kostenlos besucht werden kann. Autor der Ausstellung ist der Fotojournalist Till Mayer, der in Zusammenarbeit mit der Hilfsorganisation Handicap International behinderte Menschen aus allen Teilen der Welt porträtiert hat. 19 Porträts, die aus Fotografien und Reportagen bestehen, sind Teil der der Ausstellung geworden. Die Porträtierten erzählen, wie sie mit den Barrieren in ihrem Umfeld umgehen, in Kriegs- und Krisengebieten wie die Ukraine, Syrien oder der Demokratischen Republik Kongo. Außerdem bietet die Ausstellung Zugang zu den ursprünglich im Spiegel veröffentlichten Reportagen sowie einer Übersetzung der Texte in leichte Sprache.

Am 6. August besuchte Mayer das Neue Rathaus und erzählte über seine Arbeit, die darin besteht, weltweit aus Kriegsgebieten zu berichten. Seit 2017 reist der Korrespondent regelmäßig in die Ukraine, doch auch in anderen Teilen der Welt hält er als Fotojournalist den Schrecken des Krieges fest. Besonders wichtig sei es ihm dabei, so erzählt er, die Perspektive von Menschen mit Behinderung in Kriegsgebieten zu zeigen, denn diese hätten »keine große Lobby«.

Voller Ehrfurcht berichtet er von den unzähligen Geschichten, die er begleiten durfte und die häufig von Leid geprägt sind. In den Gesichtern der Zuhörerinnen und Zuhörer spiegelt sich Anteilnahme. Viele beschäftigt zudem, dass Mayer einen Beruf ausübt, der mit Lebensgefahr und psychischen Belastungen einher geht. Wie in vielen Berufen sei es laut Mayer wichtig, Distanz zur Arbeit zu wahren. Er betont: »Für mich ist das eine Entscheidung. Ich kann jederzeit gehen. Und ich habe viele Menschen kennengelernt, die das nicht können.«

Mayers Fotografien sind Aufnahmen aus dem privaten Umfeld der Porträtierten. Diese gewähren Einblicke in ihre persönlichen Erfahrungen und sie teilen, wie Krieg und Barrieren in ihren Alltag eingedrungen sind. Sie zeigen sich mit ihrer Familie oder in ihrem Zuhause. In manchen Gesichtern spiegelt sich Angst, in anderen Melancholie und in einigen Wut auf die Schuldigen. Zum Ausdruck bringt diese Wut Phet Laktasabout, die an Schulen in Laos über Blindgänger aufklärt. Unter ihrem Porträt steht ein Zitat: „Wie kann man nur ein Land und seine Menschen so heimsuchen? Bis heute weigern sich die USA, Streubomben zu ächten.« Die 2014 als 60-jährige Porträtierte, ist selbst auf eine Bombe getreten und hat dabei ein Bein verloren.

Nour und seine Familie (Till Mayer, HI)

Auf dem im Jahr 2023 in Gaza aufgenommenen Titelbild der Ausstellung lachen der damals fünfjährige Nour und seine Geschwister den Betrachtenden triumphierend an. Jeden Tag wird Nour von seinem Vater »wie ein König« durch die Stadt gefahren. Damit setzt die Familie den Grundton der Ausstellung: »Es sind tolle Menschen, die den Barrieren die Stirn bieten und genau das tun, was man nicht erwarten würde«, findet Mayer.

Die Bilder und Texte geben Antwort darauf, wie man dem menschlichen Versagen namens Krieg wieder Menschlichkeit entgegensetzen kann. Das zeigt die Geschichte von Boniface Kapindo aus Uganda, den seine Nachbarn aus einem Feld voller Landminen gezogen haben. Oder das Engagement von Abdi Karshe, der aus Somalia nach Deutschland floh und nun ehrenamtlich IT-Kurse für andere Geflüchtete mit Behinderung gibt. Oder Svetlana, die für ihre Flucht in den Westen der Ukraine in einer ehemaligen Geburtsklinik dank ehrenamtlichen Helfenden stabilisiert wurde. Mayer verweist trotzdem in seinem Vortrag darauf, dass in Deutschland Stimmen gegen die Teilhabe von Menschen mit Behinderung immer lauter werden. »Deshalb freue ich mich besonders über die Möglichkeit, heute hier zu sein.«


>»Barriere:Zonen – Leben und Überleben mit Behinderung weltweit«: bis 27. August 2026, Neues Rathaus, geöffnet Mo–Do 7–18 Uhr, Fr, 7–16 Uhr. 

Mehr Informationen zur Ausstellung.


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