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Kultur

Trauerarbeit

Die Kinotipps der Woche

  Trauerarbeit | Die Kinotipps der Woche  Foto: Filmstill »Sechswochenamt«/ Filmweh, Markus Ott

Der kreuzer gratuliert! Zum 100. Geburtstag der unvergessenen Marilyn Monroe gibt es einen besonderen Klassiker im Juni: Billy Wilders temporeiche, clevere und urkomische Screwball-Komödie »Some Like It Hot« mit Monroe in ihrer strahlendsten Rolle und einem umwerfenden Auftritt von Tony Curtis und Jack Lemmon in Frauenkleidern.

»kreuzer-Klassiker: Some Like It Hot (Manche mögen‘s heiß)«: 24.6., 19 Uhr, Luru-Kino in der Spinnerei (mit Einführung)


Film der Woche

Sechswochenamt
D 2025, R: Jacqueline Jansen, D: Magdalena Laubisch, Gerta Gormanns, Lola Klamroth, 98 min

Mit einem letzten Seufzer scheidet Martha im Erkelenzer Hospiz nach langer Krebserkrankung mit nur 55 Jahren aus dem Leben. Nur ihre Tochter Lore, die die geliebte, freigeistige Mutter in ihren letzten Stunden nicht allein ließ, bekommt es mit und nimmt Abschied, sanft ein Schlaflied summend. Sie durchlebt in den Folgetagen all das, was die meisten in ihrer Situation durchmachen: Realisieren, Funktionieren, Organisieren, unterbrochen von Momenten der Verärgerung und Enttäuschung, wenn es ihren Mitmenschen kaum um echte Unterstützung, sondern hauptsächlich um das Erfüllen von Konventionen und ihre eigene Agenda geht. Dass es bei alledem Frühjahr 2020 ist und die Corona-Pandemie gerade die Welt heimsucht, nimmt Lore nur als Grundrauschen wahr. In statischen Bildern, überwiegend mit Laiendarstellern und ohne jede Filmmusik hat die Autodidaktin Jacqueline Jansen ihr autofiktionales, dokumentarisch anmutendes und ohne staatliche Förderung entstandenes leise tragikomisches Drama inszeniert. Wie die Charaktere, auf die Lore trifft, zwischen hilf-, teilnahms- und pietätlos skizziert werden, verleitet sowohl zum Schmunzeln als auch zum Nachdenken über das »Danach« und vermittelt ein stimmiges Bild einer Kleinstadtgemeinschaft im äußersten Westen Deutschlands. Zusammengehalten wird das von Hauptdarstellerin Magdalena Laubisch, deren Stimmungen sich während ihrer Trauerarbeit auf uns übertragen. PETER HOCH

»Sechswochenamt«: ab 18.6., Passage-Kinos


The Love That Remains
IS/DK/S/F 2025, R: Hlynur Pálmason, D: Saga Garðarsdóttir, Sverrir Gudnason, Ída Mekkín Hlynsdóttir, 109 min

Mit nur drei Filmen hat sich der isländische Regisseur Hlynur Pálmason zur festen Größe im europäischen Kino und zum Dauergast im Wettbewerb von Cannes gedreht. Der schmerzhafte Verlust eines geliebten Menschen in »Weißer, weißer Tag«, die Verlorenheit am Ende der Welt in »Godland« – Pálmason erzählt fast schon beiläufig, mit einem tiefen Verständnis für die Natur des Menschen von einschneidenden Ereignissen. So auch in »The Love That Remains«. Die Ehe zwischen Anna und Magnús ist aus. Seine ständige Abwesenheit durch den Job auf einem Fischkutter mag ein Grund für die Trennung gewesen sein. Wann immer er an Land ist, ist er trotzdem Teil der Familie und für ihre drei Kinder da. Der Schlussstrich unter ihre Beziehung ist für Anna sicherlich deutlicher als für Magnús, der immer noch baggert. Aber beide leben längst unterschiedliche Leben. Während Anna um Anerkennung für ihre Kunst kämpft und nebenher den Haushalt führt, ist Magnús unter Deck mit notgeilen Seemännern. Mit trockenem Humor und menschlicher Wärme erzählt Pálmason von einer Trennung und der Liebe, die bleibt. Wir bekommen einen Einblick in das Leben einer Familie inmitten der rauen Natur Islands, die das Leben der Menschen bestimmt. Mit natürlichen Kinderdarstellern und überzeugenden Erwachsenen entsteht ein Ausschnitt, der fühlbar ein Vorher und Nachher hat und auch auf der Leinwand ewig weiterlaufen könnte.

»The Love That Remains«: ab 18.6., Passage-Kinos


Nulpen
D 2026, R: Sorina Gajewski, D: Bella Lochmann, Pola Geiger, Cedric Eich, 81 min

Ramona und Nico haben gerade ihr Abi geschafft und wissen nichts mit sich anzufangen. Es ist Hochsommer in Berlin. Sie haben kein Geld, um sich beim Späti Chips und Spaßgetränke zu kaufen, in der Nachbarschaft gibt es nur Stress und auf die Klimademos vor ihrer Tür haben sie keine Lust. Dabei gehören sie zur Generation Hoffnung, auf ihren Schultern liegt die Zukunft der Welt. Ramonas Bruder Noah ist wesentlich wütender und bestürzt über die Lethargie seiner großen Schwester. »Die Erde brennt«, denkt er und hält in einer Szene einen brennenden Luftballon in Globusoptik in der Hand, um das Bild zu verdeutlichen. Die einzigen Dinge, die Ramona interessieren, sind Magie und Nico. Ihre teilweise improvisiert wirkenden Gespräche tragen den Film, dessen Handlung im gleißenden Sommerlicht jedoch eher verschwimmt, genauso wie Realität und Eskapismus sowie die Grenzen der Handlung selbst. Der konsequente Schwebezustand der Erzählung kippt schnell in erzählerische Leere, und was als sensibles Porträt einer überforderten Generation anmutet, verliert sich in seiner eigenen Trägheit und lässt das Publikum eher unberührt zurück. Dabei setzt Regisseurin Sorina Gajewski auf Atmosphäre statt Plot. »Nulpen« ist ihr erster Langspielfilm, nachdem sie an der DFFB in Berlin Regie studierte. Seine Premiere feierte der Film 2025 auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis. GRETA JEBENS

»Nulpen«: ab 18.6., Passage-Kinos, Luru Kino in der Spinnerei


Weitere Filmtermine der Woche

Bärbel Bohley – Tagebuch einer Auflehnung 
D/CH 2026, Dok, R: Fosco Dubini, Barbara Marx, 96 min

Der Dokumentarfilm beleuchtet die prägende Phase der DDR-Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley zwischen 1988 und 1989.

Kinobar Prager Frühling, 20.6.,17 Uhr (Premiere mit Regiegespräch)


Der Drecksack bin ich 

D 2024, Dok, R: Marcel Schreiter, M. Kruppe, 86 min

Doku über den Autor, Fotografen und Herausgeber der Berliner Literaturzeitschrift »Der DreckSack«, Florian Günther.

Luru-Kino in der Spinnerei, 18.6., 18 Uhr (Premiere mit dem Regisseur und mit Livemusik)


Einhundertvier 
D 2023, Dok, R: Jonathan Schörnig, 93 min

Die Rettung von 104 Geflüchteten von einem Schlauchboot im Mittelmeer, eindringlich gefilmt in sechs gleichzeitigen Perspektiven.

Nikolaikirchhof, 20.6. 15 Uhr (Eintritt frei, Open-Air-Kino, mit Regiegespräch)

Moria Six 
D 2024, Dok, R: Jennifer Mallmann, 82 min

Dokumentarfilm über den Prozess gegen die Brandstifter des Lagers in Moria.

Nikolaikirchhof, 20.6., 18 Uhr (Eintritt frei, Open-Air-Kino)

Herzensbrecher – Les amours imaginaires 
CAN 2010, R: Xavier Dolan, D: Monia Chokri, Niels Schneider, Xavier Dolan, 95 min

Marie liebt Nicolas und auch ihr bester Freund Francis fühlt sich zu dem Schönen hingezogen. In kunstvollen Bildern und klar im Geiste der Nouvelle Vague erzählt das junge kanadische Regie-Genie Xavier Dolan von einer unfreiwilligen Dreiecksbeziehung.

7 cl – Sommerkino, 26.6., 21 Uhr (mit Einführung, OmU)


Inception 
USA/GB 2010, R: Christopher Nolan, D: Leonardo DiCaprio, Marion Cotillard, Cillian Murphy, 148 min

Dom Cobb und sein Team sind darauf spezialisiert, in Träume anderer Menschen einzudringen und so deren Geheimnisse zu stehlen. Ein neuer Auftrag sorgt aber dafür, dass sie nichts klauen, sondern eine Idee einpflanzen müssen. Christopher Nolans Science-Fiction-Thriller ist einer der besten Vertreter seines Genres.

Passage-Kinos, 21.6. 20.30 Uhr (OmU, Retrospektive Christopher Nolan)


Joyland
PA 2022, R: Saim Sadiq, D: Ali Junejo, Alina Khan, Sania Saeed, 126 min

Der verheiratete Tagträumer Haider, jüngster Sohn einer konservativen pakistanischen Großfamilie, bekommt einen Job als Background-Tänzer in der Show der charismatischen Trans-Tänzerin Biba. Aus Haiders anfänglicher Faszination für Biba entwickeln sich schnell tiefere Gefühle.

Ost-Passage-Theater, 24.6. 20 Uhr (OmU)

Kein Land für Niemand
D 2025, Dok, R: Maximilian Ahrens, Maik Lüdemann, 112 min

Doku über den Rechtsruck in Deutschland.

Kinobar Prager Frühling, 20.6., 14.45 Uhr (Zum Weltflüchtlingstag)
Luru-Kino in der Spinnerei, 20.6., 18 Uhr (OmU, Zum Weltflüchtlingstag)


Klarnet
PL 2025, R: Tola Jasionowska, D: Weronika Humaj, Andrzej Chyra, Maciej Cymorek, 101 min

An einem abgelegenen Haus lebt eine Familie, die rein aus Frauen besteht – Müttern, Töchtern und Schwestern. Seit Generationen prägen Verschlossenheit, Unbeugsamkeit und tief gehütete Familiengeheimnisse das Zusammenleben.

Polnisches Institut, 23.6., 20 Uhr (Jüdische Woche, OmU)


Korczak
D/PL 1990, R: Andrzej Wajda, D: Wojciech Pszoniak, Ewa Dalkowska, Teresa Budzisz-Krzyzanowska, 118 min

Bericht über die letzten Lebenstage des legendären polnischen Pädagogen Janusz Korczak und seinen heroischen Einsatz für den Schutz jüdischer Waisenkinder während des Krieges.

Polnisches Institut, 25.6. 20 Uhr (Jüdische Woche)

Kurzfilmprogramm zur kürzesten Nacht des Jahres

Sechs kurze Filme zur längsten Nacht aus Deutschland, Australien und Frankreich.

Kinobar Prager Frühling, 21.6., 20 Uhr (OmU)

Luru Archive: Für eine Handvoll Diamanten / Gesetz der Hölle
D/F / USA/E 1966 / 1967, R: Michel Drach / Bernard Glasser, D: Marie-José Nat, Jean-Louis Trintignant, Horst Frank / Kieron Moore, Ina Balin, Keenan Wynn, 184 min

Zwei 1960er-Jahre-Krimis nacheinander.

Luru-Kino in der Spinnerei, 22.6., 20 Uhr

Malina 
D/AT 1990, R: Werner Schroeter, D: Isabelle Huppert, Mathieu Carrière, Can Togay, 125 min

Eine Schriftstellerin und ihre Beziehungen zu zwei verschiedenen Männern. Basiert auf dem gleichnamigen Roman von Ingeborg Bachmann, adaptiert von Elfriede Jelinek.

Passage-Kinos, 22.6. 20.30 Uhr (Literatur trifft Film, mit Einführung)


Manche mögen‘s heiß 
USA 1959, R: Billy Wilder, D: Marilyn Monroe, Tony Curtis, Jack Lemmon, 121 min

Temporeicher, cleverer und urkomischer Screwball-Komödien-Klassiker mit umwerfender Besetzung.

Luru-Kino in der Spinnerei, 24.6., 19 Uhr (kreuzer-Klassiker mit Einführung, OmU)

Pick Me Girls 
D 2026, R: Maximilian Duwe, Christina Tscharyiski, 85 min

Autorin, Moderatorin und Podcasterin Sophie Passmann hat ihren gleichnamigen Bestseller in ein Theaterstück umgewandelt, welches bis Ende 2024 im Berliner Ensemble zu sehen war.

Cinestar, 24.6.. 19.30 Uhr, 19.45 Uhr


The Activist
LT 2025, R: Romas Zabarauskas, D: Robertas Petraitis, Vaslov Goom, Simas Kuliesius, 94 min

Ein junger Mann infiltriert eine radikale Neonazi-Gruppe, um den Mörder seines LGBT+-Aktivistenfreundes zu finden.

Passage-Kinos, 24.6., 20.30 Uhr (mit Regiegespräch, QueerBLICK, OmU)

Vergiftetes Erbe – Auf der Suche nach jüdischen Eigentümer:innen
D 2023, Dok, R: Sharon Adler

Der NS-Staat versteigerte auf sogenannten »Juden-Auktionen«, was in Wohnungen vertriebener jüdischer Menschen verblieb. So auch 1941 in Karlsruhe eine Halskette. Woher sie kam, darüber schwieg der Käufer in seiner Familie. Nach seinem Tod suchte seine Enkelin die rechtmäßigen jüdischen Erbinnen und Erben.

Frauenkultur, 25.6., 18 Uhr (mit Vortrag und Diskussion zur Provenienz-Forschung)

Vom Traum, unsinkbar zu sein
D 2025, Dok, R: Tom Fröhlich, 87 min

Der Dokumentarfilm beleuchtet die bewegte Geschichte und den Verbleib der DDR-Hochseefischereiflotte.

Passage-Kinos, 26.6. 18 Uhr (Preview mit Regiegespräch)


Warum Frauen Berge besteigen sollten
D 2016, Dok, R: Renata Keller, 85 min

Dokumentation über die Historikerin Dr. Gerda Lerner, die als Erste über ein frauengeschichtliches Thema promovierte und Frauengeschichte auf die Stundenpläne vieler Universitäten brachte.

Cineding, 25.6., 19 Uhr (Jüdische Woche)


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