anzeige
anzeige
Kultur

»Von Inklusion profitieren im Grunde alle Menschen«

Beim inklusiven Musikfestival Inmusicon geht es um mehr als nur Musik

  »Von Inklusion profitieren im Grunde alle Menschen« | Beim inklusiven Musikfestival Inmusicon geht es um mehr als nur Musik  Foto: Eindrücke vom Inmusicon 2025/Inmusicon

Bei der fünften Ausgabe des inklusiven Musikfestivals »InMusiCon 2026« diesen Samstag in Connewitz geht es wieder darum, Menschen zusammenzubringen, gemeinsam Musik zu genießen und dabei Vorurteile abzubauen. Veranstaltet wird das Festival von der Diakonie und der Hörfunk- und Projektwerkstatt Leipzig. Im Vorfeld hat der kreuzer mit Mitorganisator Erik Tenzler gesprochen.

Am kommenden Samstagabend steigt das Inmusicon. Was macht für Sie eine gute Party oder ein gutes Festival aus?

In erster Linie natürlich eine gute Künstler:innen-Auswahl und die Gelegenheit zu tanzen, aber auch, dass sich alle Leute wohlfühlen können.


Spielt es dabei eine Rolle, dass die Party möglichst inklusiv ist?

Auf jeden Fall. Wenn man bei einer Party oder einem Festival die Inklusion nicht mitdenkt, dann können viele Leute nicht teilnehmen und dort keinen Spaß haben. Dann schließt man Menschen aus und das sollte nicht der Sinn der Sache sein.


Wie schaffen Sie es, dass sich beim Inmusicon niemand ausgeschlossen fühlt?

Ich glaube, das Allerwichtigste ist, dass das Festival partizipativ geplant ist. Der Grundgedanke war, Inklusion nicht erst am Ende, sondern von vornherein mitzudenken. Wir wollten nicht erst ein Festival planen, um danach zu überlegen, wie man es noch möglichst inklusiv machen kann. Bei der Planung haben deshalb Menschen mit und ohne Behinderung zusammengearbeitet. Dadurch wurden Aspekte der Inklusion von Anfang an mitbedacht und in das gesamte Konzept integriert.


Und wie spiegelt sich das konkret im Programm des Festivals wider?

Wir haben darauf geachtet, dass das Verhältnis zwischen Menschen mit und ohne Behinderung auf der Bühne und hinterm DJ-Pult ausgeglichen ist. Zum Beispiel spielt das Therapieorchester, eine Band von Menschen mit und ohne Behinderung. Und bei den DJs ist es ähnlich. DJ Mütze, DJ Hanni-Mix und DJ DiaSax sind drei junge Männer mit Behinderung, die an dem Abend auflegen. Außerdem spielt noch Mrs. Pepstein, eine DJ ohne Behinderung. 
Zusätzlich gibt es ein buntes Mitmach-Angebot für alle Gäste. Wir haben Unterhaltungsstände, man kann sich die Nägel lackieren, sich schminken und mit Glitzer verzieren lassen. Besucher:innen können sich Schlüsselanhänger basteln und viele andere tolle Dinge ausprobieren.
Außerdem gibt es ein Awareness-Team vor Ort sowie einen Awareness-Raum, in den man sich zurückziehen kann, wenn es einem zu viel wird. Das Werk 2 ist ein barrierearmer Ort, der auch über behindertengerechte Toiletten verfügt. Es gibt Aushänge mit Informationen in einfacher Sprache. Und es gibt Möglichkeiten, sich leicht und ohne großen Weg etwas zu Essen zu besorgen. Das ist auch sehr wichtig.


Also auch Dinge, die sich eigentlich jeder auf einer Party wünschen würde?

Ja, total. Von Inklusion profitieren im Grunde immer alle Menschen. Da bin ich ein großer Verfechter von.


Haben Sie das Gefühl, dass es bei anderen Veranstaltungen in Leipzig in Sachen Inklusion noch Nachholbedarf gibt?

Ich denke, da geht auf jeden Fall noch mehr. Andererseits merkt man, dass immer mehr Veranstalter:innen darauf achten. Wir bekommen immer mal wieder Anfragen, auch von größeren Festivals, die sagen: »Wir haben gesehen, ihr macht da schon ganz viel, wollen wir uns mal austauschen?« Es bewegt sich also schon einiges, aber in Leipzig ist es noch nicht so richtig dolle.


Gleichzeitig sind Kürzungen im sozialen Bereich aktuell ein großes Thema. Kommt das bei Ihnen auch schon an?

Wir haben zwei Förderanträge gestellt. Da hat man gemerkt, dass nicht so viel Geld vorhanden ist. Wir mussten spontan Dinge streichen, damit wir einen Antrag durchkriegen. Die Anträge für das kommende Jahr werden jetzt eingereicht, aber wir wissen noch gar nicht, was daraus wird.
Das ist alles total offen, weil man nicht weiß, welche Mittel die Stadt hat und worauf sie ihren Schwerpunkt legt. Ist Inklusion für die Stadt ein Nice-to-have oder erkennt man an, dass es da um Menschenrechte geht?


Zum Abschluss: Was verpasst man, wenn man nicht zur Inmusicon kommt?
Man verpasst einen total schönen Abend, an dem es um Liebe, Solidarität, Gemeinsamkeit und Inklusion geht. Gerade in Zeiten, in denen viel gekürzt wird, wo viele Leute Angst haben, ist das ein Gegenprogramm. Das ist ein Abend, aus dem alle Leute total selig rausgehen. Wer Lust hat, seinen Akku mal wieder aufzuladen, der sollte vorbeikommen. Das ist einfach eine schöne Veranstaltung für alle Menschen.


> Inmusicon: 19.9., 16–23 Uhr, Werk 2

> Mehr Infos auf der Homepage der Diakonie


Kommentieren


0 Kommentar(e)