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Stadtleben

»Wir haben ein Wohnzimmer aufgebaut«

Alexander John über Leipzigs ersten Parking Day

  »Wir haben ein Wohnzimmer aufgebaut« | Alexander John über Leipzigs ersten Parking Day  Foto: Wohnzimmer in der Parkbucht: Alexander John (weißes Shirt) und Mitstreiter/Privat

Gestaltete Parklücken, Oasen im öffentlichen Raum. Seit 2011 – so der Öko­löwe – wird der Parking Day in Leipzig gefeiert. Doch gab’s den schon früher, erklärt Alexander John.

Das Ordnungsamt warf Ihnen 2009 vor, im öffentlichen Raum zu essen. Wie kam’s?

»Gemäß ihren Angaben wohnten und aßen sie dort.« Wir haben nicht nur gegessen, sondern ein Wohnzimmer in einer Parklücke aufgebaut. Wir, das waren Felix Cremer, der später mit mir im ADFC-Vorstand war, und Marco Böhme, späterer verkehrspoli­tischer Sprecher der Linken im Landtag. Marco war damals mein Praktikant beim Ökolöwen. So schließt sich der Kreis im kleinen Dorf.


Sie taten das privat?

Das war eine Graswurzelbewegung. Felix hatte die Idee aus München mitgebracht. Spontan suchten wir von jetzt auf gleich Sofa, Teppich, Tisch zusammen und bewegten den Krempel in die Innenstadt, um dort ein Stück Straße zu gestalten.


Sie wollten eine Autoabstellfläche Menschen zugänglich machen?

Genau. Wir schenkten frisch gebrühten Espresso aus, es gab Kuchen und Couscous-Salat. Zahlreiche Gäste unterhielten sich angeregt mit uns. Mit Guido Westerwelle hatten wir einen prominenten Gast – auch wenn er uns nur von der Laterne zusah. Unser Wohnzimmer wurde überwiegend positiv aufgenommen. Nur einige ältere Herren beschimpften uns. Von den Ordnungshütern scherte sich niemand darum.


Dennoch gab es Ärger?

Kurz bevor wir abbauen wollten, kam eine Vollzugsbedienstete vom Ordnungsamt und nahm meine Personalien auf.


Beklagt wurde, Sie hätten eine »öffentliche Straße über den Gemeingebrauch hinaus benutzt« ...

Wir haben den öffentlichen Raum so genutzt, wie man es heute zum Glück häufiger erlebt. Man muss diese Aktion 2009 im damaligen Kontext sehen. 2009 diskutierte die Stadtgesellschaft das Konzept »autoarme Innenstadt«. Schwerpunkt der Diskussion war aber nicht der Kfz-Verkehr, sondern der Radverkehr. Wir hatten im Sommer daher schon eine Gehzeugparade durch die Innenstadt organisiert und im November gab es eine Fahrraddemo.


Das war der erste Parking Day hier?

Eine frühere Aktion ist mir nicht bekannt. Es entwickelte sich daraus eine kleine Bewegung. 2011 haben VCD, ADFC und Ökolöwe den Parking Day gemeinsam gepusht, so dass es viele gestaltete Parklücken gab. Das war ein Impuls, um überhaupt einmal über öffentlichen Raum nachzudenken.


Was taten Sie, als das Ordnungsamt um Stellungnahme bat?

Ich rief an und erklärte der Sachbearbeiterin, dass das eine Spontandemonstration war. Dementsprechend wurde das Verfahren eingestellt – nach sechs Monaten.


Hat sich seitdem Ihrer Wahrnehmung nach etwas geändert?

Der Parking Day gehört fest zu den regelmäßigen Veranstaltungen in der Mobilitätswoche. Öffentlicher Raum wird viel mehr als ein Ort der Begegnung verstanden. Das Stadtplanungsamt achtet zum Glück sehr darauf, dass beim Straßenumbau Straße auch als Ort der Begegnung und des sozialen Miteinanders gedacht wird. Auch wenn dafür Parkplätze wegfallen.


> Parking Day 2026: 20.9., 12–18 Uhr, Eisenbahnstraße


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