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Politik

Das Rennen ums Leipziger Rathaus

Sechs Monate vor der Wahl stehen neun Kandidierende fest

  Das Rennen ums Leipziger Rathaus | Sechs Monate vor der Wahl stehen neun Kandidierende fest  Foto: Christiane Gundlach

In sechs Monaten wird in Leipzig ein neuer Oberbürgermeister oder eine neue Oberbürgermeisterin (OBM) gewählt. Nach 21 Jahren tritt Burkhard Jung (SPD) nicht mehr an. Zum ersten Mal seit 1990 könnte ab nächstem Jahr kein Sozialdemokrat mehr an der Spitze der Stadt sehen. Bis auf die AfD haben inzwischen die meisten Parteien bekannt gegeben, wer für sie ins Rennen geht. Der erste Wahlgang findet am 21. Februar 2021 statt, ein möglicher zweiter Wahlgang am 21. März. Wir haben uns angesehen, wer sich zur Wahl stellt.

Michael Weickert: Recht und Ordnung auch am Hauptbahnhof

Foto: Christiane Gundlach

Nachdem die CDU eigentlich bereits im ersten Quartal 2026 einen Kandidaten oder eine Kandidatin präsentieren wollte, wurde im Juni der Vorsitzende der Stadtratsfraktion, Michael Weickert, für die Rolle nominiert. Der 36-Jährige sitzt seit zwölf Jahren im Leipziger Stadtrat, seit 2023 führt er dort die CDU-Fraktion an. Diese kommunalpolitische Erfahrung sei für den OBM-Posten nützlich, erklärte seine Partei. Zu Weickerts Plänen für Leipzig gehört nicht nur die Verwaltungsreform im Rathaus, die er im Frühsommer groß bewarb, sondern auch ein zweiter City-Tunnel, weniger Graffiti und mehr Recht und Ordnung – eine Vorliebe, die auf seine Zeit in der Bundeswehr zurückgehen könnte. Dennoch sei er für einen schmutzigen Wahlkampf gewappnet und werde nicht zurückweichen, kündigte Weickert – ganz in Militärrhetorik – an. Für eine mögliche Amtszeit die Zusammenarbeit mit Parteien auszuschließen, hält der gebürtige Bornaer für kaum möglich. Es sei nicht klug, »im vornherein irgendwelche Barrieren aufzubauen«, gab Weickert an. Auch das dürfte er aus der Arbeit im Stadtrat gewohnt sein.


Skadi Jennicke: Leipzig bald linke Metropole?

Foto: Christiane Gundlach

Wenn es nach der Linkspartei geht, eifert Leipzig bald New York nach: Mit Skadi Jennicke soll eine linke Kandidatin an die Stadtspitze gewählt werden. Nach zehn Jahren als Kulturbürgermeisterin tritt sie nun für die Wahl als Oberbürgermeisterin an. Mit ihrer Kandidatur stelle Jennicke sich einer Mammutaufgabe, heißt es an dem mit Mamdani-Vergleichen gespickten Abend im März, an dem sie im Felsenkeller als Kandidatin bestätigt wird. Jennicke jedenfalls sei bereit, »Leipziger:innen zu überzeugen, dass wir als LINKE Oberbürgermeisterin können« und die Stadt gemeinsam mit den Anwohnenden zu gestalten. Wichtige Themen für sie seien, unter anderem, bezahlbares Wohnen und gesellschaftliche Teilhabe. Aus ihrer Zeit als Kulturbeigeordnete bringt sie langjährige Verwaltungserfahrung mit. Für öffentliche Aufmerksamkeit sorgten unter anderem der kostenfreie Eintritt in städtische Museen, der Rechtsstreit um die Entlassung von Kulturamtsleiterin Anja Jackes und die geplatzten Filmkunsthaus-Pläne. Übrigens: Sollte Jennicke im kommenden Jahr an die Rathausspitze ziehen, wäre sie nicht nur die erste Linke, sondern auch die erste Frau in dieser Position – und, zumindest seit der Wende, die erste gebürtige Leipzigerin.


Wolfram Günther: Mit grüner Energie an die Stadtspitze 

Foto: Tom Schulze

Eigentlich galt Jugendbürgermeister Vicki Felthaus als gesetzte Kandidatin für die Leipziger Grünen. Ende Mai gab sie bekannt, aus gesundheitlichen Gründen nicht zu kandidieren. Mitte August warf nun der ehemalige stellvertretende sächsische Ministerpräsident Wolfram Günther seinen Hut in den Ring, seine Kandidatur muss Anfang September noch von den Parteimitgliedern bestätigt werden. Nach einer Ausbildung zum Bankkaufmann studierte der gebürtige Leipziger Rechtswissenschaften, Kunstgeschichte, Kulturwissenschaften und Philosophie. Bei den Grünen ist der überzeugte Naturschützer seit 1994. Ab 2014 saß er für sie im Landtag und dürfte einer größeren Öffentlichkeit als ehemaliger Minister für Energie, Klimaschutz und Umwelt bekannt sein. In der Legislaturperiode von 2019 bis 2024 engagierte sich Günther besonders für die Renaturierung des Leipziger Auwaldes. (Eine ausführliche Bilanz der Legislaturperiode zog der kreuzer im Februar 2024). Im 2004 gebildeten Stadtforum ist Wolfram Günther nicht nur Gründungsmitglied, sondern weiterhin Sprecher. Entstanden aus den Erfahrungen der frühen 2000er, als viele alte Gebäude in Leipzig abgerissen wurden, setzt sich die Initiative für eine nachhaltige Stadtentwicklung ein, um das architektonische Erbe Leipzigs zu erhalten. Im Wahlkampf setzt er auf bewährte grüne Themen wie den Klimaschutz, aber auch auf bezahlbares Wohnen und die Stärkung des Wirtschaftsstandortes Leipzig.


Dirk Panter: In sozialdemokratischer Tradition

Foto: Jürgen Lösel

Nach drei SPD-Oberbürgermeistern und 20 Jahren Jung setzen die Sozialdemokraten im Rennen um das Rathaus auf Dirk Panter, den sächsischen Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz. Panter stammt aus Baden, lebt seit 1995 in Leipzig, seit 2009 vertritt er die Stadt im Landtag. Er habe dort »wie ein Löwe« für die Stadt gekämpft, begründete die Partei seine Nominierung. Außerdem bringe der studierte Verwaltungswissenschaftler Expertise und langjährige politische Erfahrung mit. Panter selbst sieht sich bereit für die Herausforderungen, vor denen er Leipzig sieht. Als wichtige Themen für seinen Wahlkampf nennt er wirtschaftliche Stärke und sozialen Aufschwung. Da er aktuell noch einen Ministerposten innehat, plane er, den Wahlkampf in seiner Freizeit zu führen – da heiße es dann »auch mal Urlaub nehmen«. Einen Vorgeschmack darauf gab es kürzlich in Form von »Dirk Panter«-Eis in der Innenstadt. Auf welche Goodies mit Pant(h)er-Logo man sich in Leipzigs Fußgängerzone in den kommenden Monaten noch freuen darf, bleibt abzuwarten – vielleicht, bis Panters Kandidatur auch ganz formell in trockenen Tüchern ist: Er muss am 26. September noch offiziell von seiner Partei als Kandidat bestätigt werden.


Eric Recke: Keine Aufrüstung in Leipzig

Foto: Holger Schulz

Ganz früh mit dabei bei den Nominierungen der OBM-Kandidierenden war das BSW. Die Partei schickte schon Anfang März Fraktionsvorsitzenden Eric Recke ins Rennen um das Rathaus. Der 38-Jährige ist seit 2024 Mitglied der Partei, davor war er nach eigenen Angaben erst Mitglied der JU, dann der Linkspartei. Seit 2024 sitzt er für das BSW im Leipziger Stadtrat, im Januar 2026 rückte er außerdem als Mitglied des sächsischen Landtages nach. Er fühle sich mit Leipzig tief verbunden, erklärte der gebürtige Schweriner bei seiner Bewerbung um die Kandidatur und kenne sich außerdem gut in der Leipziger Kommunalpolitik aus. Das größte Problem der Stadt, das er angehen wolle, sei die Finanzkrise der Kommunen, so Recke, um gleich im Anschluss den Stopp »sinnloser« Rüstungsausgaben, eine vernünftige Energie- und Handelspolitik mit Russland, China und dem Iran und ein großes Investitionsprogramm in Industrie, Bildung und Daseinsvorsorge zu fordern. Für das BSW ist es das erste Mal, dass die Partei an der Wahl um Leipzigs Stadtspitze teilnimmt.


Tom Rodig: Heckenschere und Bierbrunnen

Foto: Die Partei

Auch die Satirepartei Die Partei schickt einen Kandidaten ins Rennen: Der 36-jährige Tom Rodig ist in Leipzig aufgewachsen, hat Nahostwissenschaft, Politik, Philosophie und Kulturwissenschaften in Halle und Leipzig studiert und wurde 2019 zum Landesvorsitzenden der Partei in Sachsen gewählt. Seit 2024 ist er zudem stellvertretender Bundesvorsitzender der Partei. Neben dem Ziel, Leipzig raus aus Sachsen zu holen, möchte er die Wirtschaft ankurbeln, unter anderem mit der Umwandlung von Trinkbrunnen zu Bierbrunnen, die Einführung eines jährlichen Trichterfestes und THC-Verkaufsstellen in jedem Konsum. Und wie könnte es bei dem Namen anders sein, möchte er das Dickicht der Regelungen und Satzungen in der Stadtverwaltung roden. Erfahrung damit hat er als Referent der Partei in Dresden und Leipzig gesammelt. 2023 musste er sich vor dem Amtsgericht Aue-Bad Schlema für einen Aufkleber der Partei verantworten, der auf eine Parkbank geklebt worden war. Darauf zu sehen war ein aus weißem Pulver gestreutes Hakenkreuz mit dem Text: »So geht sächsisch. Ein Volk zieht’s durch.« Der Prozess endete mit einem Freispruch.


Alexander Türpe: Neu dabei

Foto: Privat

Auch die FDP hat sich schon Ende März auf einen Kandidaten geeinigt: die Freien Demokraten schicken Alexander Türpe ins Rennen. Der 42-Jährige ist Geschäftsführer des Start-up-Accelerators Excite-Lab und Teil des Spin-Lab-Managements – versuchen Sie mal, das dreimal schnell hintereinander zu sagen. Außerdem hat er einen Podcast. Nach LVZ-Angaben ist der Unternehmer erst seit 2025 Mitglied der Partei, konnte sich für den Posten als FDP-Kandidat allerdings mit großer Mehrheit gegen einen Gegenkandidaten durchsetzen. Zentrale Themen für Türpe sind Haushaltskonsolidierung, Unternehmensansiedlung, Verwaltungsdigitalisierung und Bildung. Seine Partei lobte, Türpe sei »pragmatisch, kompetent und voller Elan«. Für eine FPD, die bei den letzten Kommunalwahlen an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte, braucht es davon auch jede Menge.


Dirk Thärichen: Unternehmergeist im Rathaus

Foto: Ron Kuhwede

Als erster OBM-Kandidat brachte sich Ende 2025 Dirk Thärichen in Stellung. Der 57-jährige Leipziger war zu dem Zeitpunkt gerade als Vorstand der Konsumgenossenschaft ausgeschieden – einen Posten, den er seit 2014 innehatte. Weiterhin im Amt ist er als Vorstandsvorsitzender des Leipziger Stadtbades und als Honorarprofessor für Medienmarketing an der Hochschule Mittweida. Praktische Erfahrung dafür sammelte er wohl auch in seinem Beruf als MDR-Unternehmenssprecher sowie als Geschäftsführer für die Leipziger Olympia-Bewerbung 2012. Ebenfalls als Vorstand war er maßgeblich für die Entwicklung des Leipziger Stadthafens verantwortlich. Thärichen tritt nicht für eine Partei an und stützt sich in seinem Wahlkampf vor allem auf seine Erfahrung als Wirtschaftsmanager. In seinem »Leipzig-Plan« spricht er vor allem über aus seiner Sicht mangelnde Führungsqualität und Behäbigkeit in der Stadtverwaltung. Als Mann ohne Parteibuch möchte er die Stadt »handlungsfähig« machen.


Falk Fiebig: Europa in Leipzig

Foto: Mark Püchler

Der 52-jährige Falk Fiebig ist im sächsischen Wermsdorf geboren und lebt seit 1994 in Leipzig. Er studierte Kommunikationswissenschaften, BWL und Archäologie und ist Geschäftsführer von Mytholon, einem Ausrüster für Live-Rollenspiele. Seit 2024 ist Fiebig Mitglied bei Volt und wollte 2025 für die Partei in den Bundestag einziehen, Volt erreichte in Leipzig allerdings nur knapp ein Prozent. Damals sagte Fiebig noch von sich, er sei kein guter Redner und nicht besonders mitreißend. Für seinen Oberbürgermeister-Wahlkampf klingt er pointierter und hat zwei Visionen ausgerufen: »Leipzig als Zukunftsstadt« und »Gemeinsam statt einsam«. Er will das wirtschaftliche Potential der Stadt stärken und europäische Beispiele wie die Wiener Wohnungspolitik und Superblocks aus Barcelona auf Leipzig übertragen. Gegen die soziale Isolation soll eine Taskforce eingerichtet werden. Sein Slogan: »Ein starkes Europa, eine starke Zukunft«. Im Wahlkampf möchte er mit einem lila Sofa durch die Stadt ziehen und mit Menschen ins Gespräch kommen.


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