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Absturz eines Popsternchens

Der Leipziger Nachwuchsfilmer Konrad Kästner im Porträt

Manchmal macht man kleine Entdeckungen, die Großes vorausahnen lassen. Beim vergangenen Filmfest Kurzsuechtig gab es einen solchen Moment, als Konrad Kästners Dokfilm »Etwas ich« über die Leinwand flackerte. So tief reicht Kästners Blick in die Seele seiner gebrochenen Heldin. So nah geht sein Film über die junge Frau am Scheideweg ihres Lebens.

Manchmal macht man kleine Entdeckungen, die Großes vorausahnen lassen. Beim vergangenen Filmfest Kurzsuechtig gab es einen solchen Moment, als Konrad Kästners Dokfilm »Etwas ich« über die Leinwand flackerte. So tief reicht Kästners Blick in die Seele seiner gebrochenen Heldin. So nah geht sein Film über die junge Frau am Scheideweg ihres Lebens.

Mit ihrer Leipziger Band Etwas wurde der Teenager Pauline, Tochter von Prinzen-Sänger Tobias Künzel, zum exzentrischen Popstar Sidney und damit zum gefundenen Fressen für die Medienmeute. Doch nach dem plötzlichen Aus für die Band darf Pauline nun ganz alleine an den Nachwirkungen des jungen Popstarlebens knabbern und zerrissen zwischen zwei Identitäten sich ihren eigenen Weg im Leben bahnen. Konrad Kästner hat diesen flüchtigen Lebensmoment in eindringlichen 15 Minuten festgehalten, die beweisen, welch enormes Potenzial im Leipziger Filmnachwuchs steckt.

Filmemacher Konrad Kästner

Seinen Heimatort hat der erst 22-Jährige inzwischen für ein Regiestudium an der HFF Konrad Wolf in Potsdam aufgegeben. Gerade das macht ihn so typisch für Leipziger Nachwuchsfilmer, die der KREUZER nun monatlich vorstellen wird. Denn wer wirklich Filmemacher werden will, muss Leipzig verlassen. Ob man zurückkehrt, hängt davon ab, ob hier ein Klima fürs Filmschaffen herrscht, das parallel zum ausgeprägten Fernsehfilm-Milieu talentierte Leute an die Stadt zu binden mag. »In Leipzig fehlt das soziale Umfeld von Filmschaffenden«, meint Kästner. Doch dafür müssten die hiesigen Filminstitutionen an einem Strang ziehen, Ausbildungseinrichtungen besser vernetzt und gezielte Angebote an Nachwuchsfilmer gemacht werden. Aber das kann nicht allein von unten geschehen.

Filmszene

Zum Filmemachen kam Konrad Kästner über eine Videokamera, die seine Mutter einmal gewonnen hatte. Mit 11 Jahren persiflierte er bereits Werbefilme, mit 14 konnte er durch eine AG am Evangelischen Schulzentrum schon an einem richtigen Schnittplatz arbeiten, wodurch sein erster Film »Déjà-vu« entstand, ein preisgekröntes Porträt über HipHopper aus mehreren Perspektiven. Es folgte die Verfilmung einer Theateraufführung von »Romeo & Julia«, nach dem Abitur eine Regie-Hospitanz am Schauspielhaus, ein Praktikum bei einer Produktionsfirma in Südafrika und schließlich der Bewerbungsfilm für die HFF »Iphigenia in orem«, basierend auf Neil LaButes Theaterstück »Bash«.

Zurzeit schneidet Kästner den Spielfilm »Das Versteckspiel«, der mit »Etwas ich« sein Vordiplom bildet. »Wenn es genauso erfolgreich wie bisher weitergeht, könnte es tatsächlich was werden als freier Filmemacher«, formuliert er vorsichtig seine Perspektiven. Tatsächlich aber könnte Konrad Kästner mit seinem kritischen Geist, stilistischen Mut und seiner beeindruckenden Instinktsicherheit für gewagt-intensive Momente schon bald eine ernst zu nehmende Größe im Filmgeschäft werden. Sollte es in der hiesigen Filmszene endlich zum Klimawandel kommen, könnte es ein Leipziger Name bleiben.


Film

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