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Schwarz als Lieblingsfarbe ist nicht alles

Warum das WGT nicht ins Beuteschema der Metaller passt – und wo die Pfingsten lieber hingehen

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»Sonne macht albern« – auch in diesem Jahr werden einige Schwarzroben, die das Wave-Gotik-Treffen besuchen, diesen mediokren T-Shirt-Spruch spazieren tragen. Und auch wenn Metal und schwarzer Szene immer wieder Berührungspunkte nachgesagt werden, hier liegt ein großer Unterschied: Metal-Shirts mögen monströs und blutrünstig sein, knapp am Kitsch vorbei schrammen und auch mal vor Schlamm strotzen. Sie versuchen aber niemals, infantil lustig zu sein. Und nicht nur das unterscheidet Metal- und WGT-Fans.

So witzig die schwarzen Produkte auch sind, die etwa zwei pfiffige Leipziger Firmen in diesem Jahr der konsumberauschten schwarzen Szene unter die Nase reiben – bei Metallern hätten sie kaum Erfolg. Mit »Komm süßer Trunk / Denn aller Durst will Ewigkeit« wird ein Schwarzbier namens Totengräber umworben, das im Brauhaus zu Röglitz, zwischen Leipzig und Halle, gebraut wird. Eine Metallerin würde es für seinen zugegeben fein herben Geschmack und die ausgelösten Umdrehungen erstehen – aber nicht wegen dem Spatenschwinger auf dem Etikett. Und so praktisch der Kaffeesachsen-Kaffee »Gaffee dodal finsdor« und der dazu gelieferte limitierte, schwarze (natürlich!) Porzellan-Pott auch sind, ein Metaller greift zur Arabica-Mischung, um wieder auf die Beine zu kommen und Slayer & Co. nicht schon wieder zu verpassen. Metaller sind eben nicht so leicht zu ködern: ein Bier, eine Wurst, ein Pfeffi – vielleicht noch ein Band-Shirt abgestaubt –, jut is. Eine geteilte Lieblingsfarbe bedeutet eben noch keine Charaktergleichheit.

Und wenn im »heidnischen Dorf« die Security-Leute nicht mal in der Lage sind, Absurd-Shirts als Nazi-Kram zu identifizieren und den Träger gar nicht erst rein zu lassen in die mittelalterlich angehauchte Marktstand-Ansammlung, braucht Mensch Metaller auch nicht aufschlagen. Vielleicht schauen die achso »unpolitischen« – was soll das eigentlich sein? – WGT-Veranstaltenden mal ins thüringische Schlotheim. Dorthin ist das Extrem-Metal-Fest Party.San Open Air (PSOA) im vergangenen Jahr hingezogen: Mitgenommen haben sie ihre Türpolitik. »Hell is open«, aber nicht für alle: Erkennbare Nazi und Träger von solchem Mist wie NS-Black-Metal-Devotionalien kommen gar nicht aufs Gelände oder fliegen raus, wenn sie später erwischt werden. Als Grund gab PSOA-Mitveranstalter Mieze im kreuzer-Interview kurz und bündig an: »Gesunder Menschenverstand.« Recht hat er!

Sonne, Sommer, Extrem-Metal: Freuen wir uns also schon einmal aufs PSOA (9.-11. 8.). Das (über-)regionale Must dieser Saison stellt wieder so einiges auf die Beine: Ich sage nur Bolt Thrower, Immortal, Malignant Tumour. Das Metalfest umschiffen wir freilich, um dann das In Flammen Open Air in Torgau (5.-7.7.) anzupeilen, wo nicht Obituary locken. Und weil der Helheim-Crew die PSOA-Warm-Up-Party am 30. Juni nicht genug ist, zünden sie pünktlich zu Pfingsten ihr zweitägiges Sommerfestival. Im Bandhaus laufen auf: Tank86, Rogash, Mimosis, Spirit Descent, … Days of Grace, Human Prey, Guts & Guns. Wer die mitreißenden Deserted Fear aus Eisenberg letztens beim Extrem-Drummers-Festival verpasst hat, bekommt eine neue Chance. Horns up!

Helheim Sommerfestival, 25./26.5., 20 Uhr, Bandhaus Leipzig,
http://www.bandcommunity-leipzig.org

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Dein Kommentar

4 Kommentare

  1. klong | 29. Mai 2012 | um 18:36 Uhr

    Immerhin warens in diesem Jahr massig weniger Leute beim WGT, also weniger nervig. Aber da wurde man als Metaller gleich doppelt denen zugerechnet. schwarz is eben schwarz; von au0en betrachtet…