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Essen & Trinken

»Macht nicht schlank, aber satt«

Ohne böhmische Blasmusik: Tschechische Kost in der Kleinen Fleischergasse

  »Macht nicht schlank, aber satt« | Ohne böhmische Blasmusik: Tschechische Kost in der Kleinen Fleischergasse

Kräftig-deftig: Wenzel Prager Bierstuben setzen auf Pivo, Knödel und böhmische Braten

Was gab es in Warnemünde, Zwickau und Halle an der Saale lange vor Leipzig? Wenzel Prager Bierstuben! In Dresden hatten sächsische Unternehmer 1998 das erste Restaurant dieser Art etabliert. Magdeburg war dann 2005 an der Reihe und in Leipzig eröffnete nun in der Nähe des Barfußgässchens in der historischen Passage »Kleines Joachimsthal«, Haus Nummer sechs. »Jedes unserer Restaurants liegt an einem außergewöhnlichen Standort«, weiß Michael Möckel, Mitgesellschafter und Geschäftsführer der 1998 in Dresden gegründeten Wenzel Prager Bierstuben GmbH zu berichten. Das ausgetüftelte tschechisch-böhmische Restaurantkonzept orientiert sich am lebenden Beispiel des Brauereirestaurants U Fleků in Prag. Wer je dort eingekehrt ist, setzt fortan seine eigenen Maßstäbe. Leider gibt’s bei Wenzel nicht das berühmte Prager Bier, sondern die Marke Staropramen, gebraut von einem großen internationalen Konzern. Doch die Betreiber haben allein in Leipzig 600.000 Euro investiert, um hinter und vor den beiden Tresen »Kultstimmung« aufkommen zu lassen. Entstanden sind insgesamt 250 Plätze in verschiedenen Räumen und Lichthöfen plus 50 auf der Terrasse. Das Sagen vor Ort hat Restaurantleiterin Daniela Kerber, die zuvor schon den Wenzel in Halle an der Saale zum Laufen gebracht hat.

Die einzelnen Bereiche sind rustikal eingerichtet, auf kitschige Folklore-Utensilien wird glücklicherweise verzichtet. Dafür hinterließ an den Wänden der georgische Künstler Aleko Adamia seine Handschrift, wie in allen anderen Wenzel-Outlets auch. Statt Prager Hradschin und Karlsbrücke ersann er Geschichten um den Heiligen Wenzel. Die Speisekarten sind in allen Restaurants gleich, dafür sorgt Küchendirektor Sven Bruch. Seine Rezepturen orientieren sich an böhmisch-tschechischen Vorlagen, und so lautet das Motto der Küche denn auch »Macht nicht schlank, aber satt«. Die Preise für die Hauptgerichte, unter ihnen Hirsch- und Biergulasch, Schweinebraten oder Haxe mit Böhmischen Knödeln, bewegen sich zwischen 9,20 und 16,80 Euro. Wer mag, bestellt Sauer- oder Rotkraut für 1,95 Euro dazu. Den kleineren Hunger stillt man am besten mit mariniertem Camembert, Knoblauchbrot mit Paprikabierkäse oder böhmischem Wurstsalat. Und wie erwartet fehlen auf der Karte weder Buchteln mit Vanillesauce noch Hefeklöße mit Pflaumenmus oder gar die berühmten Palatschinken mit Schokoladensauce und Sahne. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag sind Wenzel-Tage, an denen die Küche Gulasch oder Rauchhaxen samt 0,3 Liter Bier unter 10 Euro offeriert.

Gezapft wird wie schon erwähnt Staropramen Premium, Granat und Dark. Größere Gästerunden können Halblitergläser auch vom Meter- oder Rundbrett ordern, an einem Tisch mit eingebauter Säule samt Zähler sogar selbst zapfen. Ansonsten gibt das Getränkeangebot auch Hefeweizen und alkoholfreies Bier, einige deutsche Weine und sächsischen Sekt her. Alles solide, aber wie beim Prager Original sollte man da nicht zu viel erwarten. Die Bedienung hingegen überrascht positiv. Während in Prag die Touristen schon mal reihenweise abgefertigt werden, hörten wir bei unseren beiden Besuchen ausschließlich freundliche Töne. Und als am Nachbartisch jemand fragte, ob denn auch mal eine böhmische Blaskapelle spiele, antwortete die Kellnerin souverän: »Das gibt’s im U Fleků nicht und wir haben das auch nicht geplant!« Zum Glück!


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