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Eine Ausstellung gibt Tipps für mehr heimische Biodiversität

Foto: Franziska Reif Größeres Bild

Städte verfügen über eine viel höhere Biodiversität als das umliegende Land. Diee Ausstellung »Garten findet Stadt« im Botanischen Garten gibt praktische Tipps, zum Beispiel wie florale Vielfalt auf Fensterbank und Carport Wurzeln schlägt.

Plötzlich war der Stieglitz da. Da saß ich im Bad und machte, was man da so macht, schaute aus dem Fenster. Und sah einen Stieglitz mit seinem roten Gesicht in den Blüten auf der Fensterbank pickern. Unsere aus dem Blumenkasten im dritten Stock sprießende Leipziger Saatmischung hatte es ihm offensichtlich angetan. Immer wieder kehrte er letztes Jahr zu dieser zurück und brachte auch Stieglitzkumpels mit. Was man so alles erleben kann, mitten in der Stadt auf einem Hinterhof an der Karl-Liebknecht-Straße. Zwischen Straßenbahn-Quietschen, Gelächter von den Freisitzen und den lallenden Betrunkenen, die schon ganz frei einen sitzen haben, ist der Stieglitz nicht der Einzige, der seinen Singvogelsingsang anstimmt. Biodiversität ist also kein abstraktes Thema. Damit es noch alltäglicher wird, gibt die Ausstellung »Garten findet Stadt« praktische Tipps, zum Beispiel wie florale Vielfalt auf Fensterbank und Carport Wurzeln schlägt.

Städte verfügen über eine viel höhere Biodiversität als das umliegende Land. Monokulturen bestimmen die Landwirtschaftsflächen, Mischwälder sind eher selten. In den Städten ist die Flächennutzung viel kleinteiliger und fragmentiert, weshalb auf Brachen und Balkonen, in Kleingärten und Baumscheibenbeeten diverses Grün und Bunt gedeiht. Und das zieht wiederum viele Tiere an. Der Botanische Garten ist natürlich eine Ausgeburt der Biodiversität, weshalb er sich für die Ausstellung einfach anbietet. Diese ist in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung Halle–Jena–Leipzig entstanden und soll die Leipziger zur tatkräftigen Mithilfe anregen. Im Garten und im Gewächshausinnenhof verteilt stehen Stationen, die praktische Tipps für die Gestaltung urbaner Minioasen geben. Mit wenig Aufwand etwa wird ein Balkon zum Biotop und Augenweide zugleich. Stets mit lebenden Anschauungsbeispielen bestückt, leiten die Ausstellungsstationen mit einfachen Anregungen dazu an, mehr Grün zu wagen. Zahlreiche Partner sind mit im Boot. Der Kleingartenverband lässt den Pflanzendoktor zur Visite ausrücken. Die Stadt verteilt kostenlos Samenmischungen für den Carport, damit dem endlich ein Sinn zukommt und einem die Singvögel aufs Dach steigen.

Der Autor kann nur sagen, dass sich schon kleine Mühen lohnen. Auf besagter Fensterbank gehen nicht nur Stieglitze ein und aus. Wir konnten Sandwespen beobachten und mussten sie umsiedeln. Die vielen Schmetterlingsarten ließen sich gar nicht mehr bestimmen. Und immer wieder führen Hummeln die Wunder der Aerodynamik vor.

»Garten findet Stadt«, 16.6.–15.10., tgl. 9–20 Uhr, Botanischer Garten, https://garten-findet-stadt.de

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